"Als wäre man aus einem Gefängnis entlassen worden" - Nach monatelangen Einschränkungen hat Memmingen gelockert

Ungewohntes Bild: Die Memminger Gastronomie darf nicht nur ihre Außenbereiche wieder öffnen, seit Montag ist es auch erlaubt die Innenbereiche zu öffnen.

Ungewohntes Bild: Die Memminger Gastronomie darf nicht nur ihre Außenbereiche wieder öffnen, seit Montag ist es auch erlaubt die Innenbereiche zu öffnen.

Bild: Dunja Schütterle

Ungewohntes Bild: Die Memminger Gastronomie darf nicht nur ihre Außenbereiche wieder öffnen, seit Montag ist es auch erlaubt die Innenbereiche zu öffnen.

Bild: Dunja Schütterle

Nach sieben Monaten durfte die Außengastronomie in Memmingen am Samstag öffnen. Was war das für ein Gefühl für Gäste und Betreiber? Besuch in der Innenstadt.
06.06.2021 | Stand: 13:14 Uhr

Am Samstag gab es wegen konstant niedriger Corona-Inzidenzwerte in Memmingen die ersten Lockerungen. Dazu gehörte auch, dass die Außengastronomie wieder öffnen durfte, was viele Menschen in Anspruch nahmen. Ab Montag, 7. Juni, gibt es noch mehr Lockerungen. Dann darf zum Beispiel auch die Innengastronomie wieder öffnen. Das hatte das bayerische Kabinett am Freitag beschlossen. Wie es ist, wieder ins Café, Restaurant, in die Eisdiele zu gehen, haben wir am Samstag beide Seiten gefragt, Gäste und Betreiber:

Geschützt vor Regen sitzen sich Daniela und Gerald Schäle in der Zangmeisterpassage gegenüber. Auf dem kleinen Bistrotisch vor ihnen stehen zwei Tassen und Teller. „Wir trinken Milchcafé und essen jeder eine Butterbrezel dazu. Da man seit heute wenigstens draußen wieder im Café sitzen darf, haben wir uns bewusst dazu entschieden, hier zu frühstücken“, sagt das Ehepaar und lacht dabei. Gut gelaunt scherzt Daniela Schäle, indem sie mutmaßt: „Es fühlt sich fast so an, als wäre man aus einem Gefängnis entlassen worden“.

Mit der aktuell niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 kommt in Memmingen wieder ein Gefühl der Unbeschwertheit zurück, mit dem viele auch einen Besuch in ihrem Lieblingscafé oder Restaurant verbinden.

„Seit Tagen habe ich als erstes den aktuellen Inzidenzwert der Stadt und als zweites den Wetterbericht im Auge“, sagt Barbara Bücheler, die Betreiberin zweier Cafés in der Zangmeisterpassage und am Marktplatz. Zumindest das Wetter ist am Wiedereröffnungstag noch unbeständig, die Corona-Situation stabilisiert sich hingegen immer mehr.

Obwohl die Sonne am Samstag nicht scheint, fühlen sich die Freundinnen Anke Brummer und Tanja Alverdes ziemlich wohl auf dem Lounge-Sofa. Zusammen sitzen sie unter dem historischen Bogengang in der Kramerstraße und beleben das für sie bekannte Dolce-Vita-Gefühl ihrer Stadt neu. „Es ist einfach ein anderes Gefühl, nach dem Marktbesuch seinen Cappuccino in Ruhe trinken zu können und nicht nur im Stehen oder to go“, wie sie sagen.

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Sitzen Personen aus mehreren Haushalten an einem Tisch, müssen die 3-G-Regeln beachtet werden: „Geimpft, genesen oder getestet - mit einem PCR-Test, der nicht älter als 24 Stunden alt ist“, erklärt Servicekraft Jana-Sophie Vöhringer dazu. „Es gab bisher noch keine Probleme. Unsere Gäste sind happy und wir sind es auch. Und endlich kann ich meinen Kellner-Gürtel wieder tragen“, sagt die leidenschaftliche Gastgeberin weiter und klopft auf das schwarze Lederetui, das sich an ihre Hüfte schmiegt.

Impfpässe für den Eis-Stopp parat

Die gelben Impfpässe griffbereit haben Karina und Daniel Ruhland aus Kirchdorf, die mit ihren Kindern einen kurzen Eis-Stopp im Außenbereich einer Bäckerei einlegen. „Wir haben nur hin und wieder Essen zum Abholen bestellt, meistens haben wir selbst gekocht“, sagen die Eltern der dreijährigen Pia und der 19 Monate alten Ela über die gastronomische Abstinenz der vergangenen Monate.

Wer einen festen Platz im Café, Biergarten oder im Außenbereich von Restaurants hat, darf die Gesichtsmaske abnehmen. Für viele Gastronomen ist die Teil-Öffnung jedoch keine Option. „Wenn wir schon alles hochfahren, dann richtig. Dazu brauchen wir eine gewisse Vorbereitungszeit. Es müssen die Waren eingekauft und das Personal koordiniert werden. Wenn es so stabil bleibt, dann öffnen wir am Donnerstag (10. Juni, Anm. d. Red.) innen und außen“, sagt Gisela Martin vom Café Martin.

Unter der großen Markise in Joesepp’s Brauhaus hingegen sitzen schon die ersten Gäste für den Mittagstisch. Geschäftsführer Josef Kurz und Restaurantleiter Frank Zott sind guter Dinge: „Wir haben ein gutes Hygienekonzept und sind vorbereitet“, wie sie sagen.

Corona verlangt den Gastronomen viel Flexibilität ab, was nicht nur schlecht ist, wie Britta Kunz vom Café Kunz sagt. „Es hat sich einiges entwickelt – wie unsere neuen Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, die wir den Sommer über beibehalten wollen. Und viele treue Stammkunden sind uns auch in dieser schweren Zeit treu blieben, worüber wir sehr dankbar sind und was wir zu schätzen wissen“.