Koordinationsteam nimmt Stellung

Mehr Corona-Kontrollen in Memmingen - Stadt steht wegen hoher Inzidenz Rede und Antwort

In Memmingen sind Mitte Mai 2021 bereits 24.000 Menschen geimpft, 10.000 davon haben bereits eine Zweitimpfung erhalten.

In Memmingen sind Mitte Mai 2021 bereits 24.000 Menschen geimpft, 10.000 davon haben bereits eine Zweitimpfung erhalten.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

In Memmingen sind Mitte Mai 2021 bereits 24.000 Menschen geimpft, 10.000 davon haben bereits eine Zweitimpfung erhalten.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Es wird mehr Kontrollen in Memmingen geben, um die Corona-Regeln durchzusetzen. Was das Pandemie-Koordinationsteam der Stadt noch zur hohen Inzidenz sagt.
21.05.2021 | Stand: 10:55 Uhr

Memmingen hat weiterhin einen hohen Inzidenzwert. Mit 204,1 lag die Stadt am Donnerstag auf Platz drei der deutschlandweiten Tabelle. Die Frage, warum sich gerade in Memmingen die Lage nicht entspannt, kann so einfach aber nicht beantwortet werden. Das hat die Sitzung des Corona-Koordinationsteams der Stadt gezeigt, an der die Presse am Donnerstag teilnehmen durfte.

Die Frage nach dem Warum: "Memmingen ist nicht verantwortungslos. Wir tun das, was in unserer Hand liegt", sagt Oberbürgermeister Manfred Schilder. "Es gibt keinen richtigen Schuldigen dafür", schließt sich Dr. Jan-Henrik Sperling, Ärztlicher Koordinator für Corona in Memmingen an. Wer sich jetzt infiziere, trage meist ein mutiertes Corona-Virus in sich. Das sei wesentlich stärker ansteckend als das ursprüngliche Virus. So stecke eine Person oft ihre ganze Familie mit drei bis sechs Personen an. Wenn das in drei, vier Familien gleichzeitig geschehe, sei das für eine Stadt mit der Größe Memmingens viel. Und so schnelle der Inzidenzwert weiter nach oben. Diese Spirale zu stoppen, sei sehr schwierig. (Lesen Sie auch: Corona-Inzidenzwert im Unterallgäu gestiegen - Appell von Landrat Alex Eder)

Wenn es Hotspots geben würde, beispielsweise in einem Unternehmen, wäre die Lage für das Corona-Koordinationsteam einfacher, sagt Thomas Schuhmaier, Leiter des Referats für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Denn dann könne das Infektionsgeschehen eingegrenzt werden. So aber seien die Corona-Infizierten auf das gesamte Stadtgebiet verteilt. Das vereinfache die Arbeit für das Gesundheitsamt nicht. Auch am Wochenende sind dessen Mitarbeiter im Einsatz, um Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Fünf Soldaten der Bundeswehr unterstützen sie dabei.

"Niemand leistet schlechte Arbeit", sagt Manfred Schilder mit Blick auf alle, die in der Stadt gegen das Virus kämpfen. Und in Memmingen werde auch nichts anders gemacht als in anderen Städten und Landkreisen. "Wir machen auch nicht unser eigenes Ding", sagt Dr. Jan-Henrik Sperling. Die Ärztlichen Koordinatoren der Kommunen und Landkreise tauschten sich schwabenweit regelmäßig aus. Und auch das Klinikum tausche sich mit anderen Krankenhäusern aus. "Wir fragen uns jede Woche, was können wir besser machen."

Memmingen stand in der ersten und zweiten Corona-Welle gut da

Nachdem Memmingen in der ersten und zweiten Welle recht gut dagestanden sei, befinde sich die Stadt nun in einer schwierigen Phase, sagt Sperling. "Die dritte Welle hat uns jetzt gespült."

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Warum also die Inzidenzwerte in Memmingen derzeit so hoch sind und nicht sinken, "die einfache Antwort darauf gibt es nicht", sagt Dr. Rupert Grashey, Ärztlicher Koordinator für die Kliniken im Raum Donau-Iller.

Mehr Kontrolle in der Innenstadt: Immer wieder gibt es Hinweise aus der Innenstadt, dass sich Passanten beispielsweise nicht an die Abstandsregeln halten und keinen Mundschutz tragen, obwohl es dort vorgeschrieben ist. Deshalb werde ein Sicherheitsdienst die Polizei nach Pfingsten unterstützen, kündigte Oberbürgermeister Manfred Schilder in der Sitzung an. Sollte der Sicherheitsdienst Probleme mit einer kontrollierten Person bekommen, ruft er die Polizei hinzu. "Aber ich werde die Innenstadt nicht absperren", sagte Schilder.

Und es könne auch nicht an jeder Stelle der Stadt kontrolliert werden. Deshalb appelliert er noch einmal an die Einwohner: Es könne nicht die Aufgabe allein der Stadt sein, Corona unter Kontrolle zu bringen. Jeder Einwohner müsse dabei helfen. "Wir schaffen das nur gemeinsam." Schilder findet es "höchst unsolidarisch", wenn sich einzelne nicht an die Regeln halten und so andere gefährden. Regeln einzuhalten sei aber nicht nur an den Orten der Stadt wichtig, an denen kontrolliert werde. Sondern überall, im Privaten, an der Arbeit. Erst dann werde der Inzidenzwert sinken.

Ansteckung an der Arbeit: Viele steckten sich während der Arbeit an und tragen das Virus dann in ihre Familie, sagt Thomas Schuhmaier. Vielleicht liege es daran, dass Memmingen viele Industriebetriebe habe, in denen die Produktionsmitarbeiter nicht im Homeoffice arbeiten können und so einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien. Aber Unternehmen, in denen besonders viele Mitarbeiter mit Corona infiziert sind, gebe es nicht. Das Gesundheitsamt kontrolliere in Unternehmen, ob die Abstandsregeln und Maskenpflicht eingehalten werde. Missstände seien ihm nicht bekannt. (Lesen Sie auch: Alarmstufe Rot für den Einzelhandel im Allgäu: Diese Wege sollen aus der Krise führen)

Impf-Problem und rauer Ton: Zwar wurden im Impfzentrum Memmingen bereits knapp 34.000 Menschen geimpft, 10.000 davon haben auch bereits ihre Zweitimpfung erhalten. Das Impfzentrum Memmingen ist für die Stadt und Teile des westlichen Landkreises Unterallgäu zuständig, insgesamt für 94.000 Menschen. Doch die Versorgung mit Impfstoffen ist ins Stocken geraten, sagt Andreas Land, Verwaltungsleiter des Impfzentrums Memmingen. So können derzeit keine Erstimpfungen angeboten werden, weil zunächst die Menschen an der Reihe sind, die nun ihre Zweitimpfung erhalten müssen. Es könnte wesentlich mehr geimpft werden, sagt Andreas Land. "Aber die Kühlschränke sind leer", es werde kaum noch geliefert.

Gleichzeitig werde der Umgangston rauer, sagt Dr. Hardy Götzfried, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums Memmingen. Immer mehr Menschen forderten, schneller geimpft zu werden. Hinzu komme "eine Wünsch-dir-was-Entwicklung", sagt Dr. Jan-Henrik Sperling, Ärztlicher Koordinator für Corona in Memmingen. Immer mehr Menschen forderten, einen bestimmten Impfstoff zu bekommen, andere wollten ihren Impftermin verschieben. "Das macht die Arbeit unglaublich schwierig."

Leid auch nach Corona: Die Hausarztpraxen seien durch das Impfen bereits an der Überlastungsgrenze, sagt Dr. Jan-Henrik Sperling. Und nun steige auch die Zahl der Patienten, die an Nachwirkungen des Virus leiden, etwa unter Schmerzen und Erschöpfung. "In den Praxen und Krankenhäusern sehen wir, wie viel Leid Coronafolgen noch anrichten können."

Die Lage in den Alten- und Pflegeeinrichtungen: Die dritte Corona-Welle verlaufe bisher mild, sagt Martin Mayer, Pflegekoordinator für die Alten- und Pflegeeinrichtungen in Memmingen und Leiter des Bürgerstifts. Die Impfungen "zeigen also ihre Wirkung". Es werde bereits geplant, wie die Lage in den Einrichtungen wieder gelockert werden könne, sobald es die Infektionszahlen zulassen. Also dass zum Beispiel Besuche und Gemeinschaftsaktivitäten wieder möglich sind.

Die Lage im Klinikum Memmingen: Er sei "milde optimistisch gestimmt, dass wir die dritte Welle gebrochen haben", sagte Maximilian Mai, Vorstand des Klinikums Memmingen. Die Lage im Klinikum sei unter Kontrolle. 70 Prozent der Mitarbeiter seien geimpft, ein Großteil davon auch zweitgeimpft. Es gebe im Vergleich zur ersten Welle genügend Material zu vernünftigen Preisen. Der Trend gehe außerdem da hin, dass mehr Patienten die Coronastation verlassen dürfen als aufgenommen werden. Dass sich die Lage allgemein etwas entspanne, bestätigt Dr. Rupert Grashey, Ärztlicher Koordinator für die Kliniken im Raum Donau-Iller. "Ich bin vorsichtiger Hoffnung, dass es jetzt besser werden könnte."

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Korrektur: In einer ersten Version über das Corona-Koordinationsteam der Stadt Memmingen ist uns ein Zahlenfehler unterlaufen: Im Memminger Impfzentrum gab es bisher knapp 34.000 Impfungen, davon knapp 10.000 Zweitimpfungen. Wir hatten zunächst von insgesamt 24.000 Impfungen geschrieben. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.