Kabarett

Corona: Memminger Kleinkunstbühne PiK weicht ins Landestheater aus

In verschiedene Rollen schlüpft Kabarettist Nils Heinrich in seinem Programm "Deutschland einig Katerland".

In verschiedene Rollen schlüpft Kabarettist Nils Heinrich in seinem Programm "Deutschland einig Katerland".

Bild: Veranstalter

In verschiedene Rollen schlüpft Kabarettist Nils Heinrich in seinem Programm "Deutschland einig Katerland".

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Kultureinrichtungen in Memmingen halten in schwieriger Zeit zusammen. Warum das PiK trotzdem einige Künstler enttäuschen muss.

28.08.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Die Memminger Kultureinrichtungen halten zusammen in schwierigen Zeiten: Weil im PiK (Parterretheater im Künerhaus) auch das Herbstprogramm ausgefallen wäre – dort hätten höchstens zwölf Zuschauer mit Corona-Abstand Platz – hat das Landestheater Schwaben (LTS) angeboten, ein paar Vorstellungen in sein Großes Haus zu verlegen. Ein Kabarettist weicht ins Kaminwerk aus.

„Wir haben dem LTS unser geplantes Kabarettprogramm geschickt“, erzählt Karin Keller, die Vorsitzende des PiK-Trägervereins Alternative Kleinkunst Memmingen. Das habe sich dann vier Abende ausgesucht, die zum eigenen Terminplan gepasst haben. Uli Masuth, Nils Heinrich, Frank Fischer und Bernd Kohlhepp sind die Glücklichen, die dort auftreten dürfen (siehe auchInfokasten). Und glücklich ist in diesem Fall nicht übertrieben. Wie dringend selbst bekannte Kabarettisten inzwischen nach Auftrittsmöglichkeiten lechzen, machen zwei Beispiele aus dem abgesagten PiK-Programm deutlich.

Terminlich nicht unterzubringen im LTS war HG. Butzko, der im Dezember auftreten sollte. „Der war deswegen total verzweifelt, weil er seit sechs Monaten keinen Cent verdient hat“, berichtet Keller. „Wir hatten zwischenzeitlich schon an eine Privatveranstaltung mit ihm im PiK gedacht, weil er uns so leid getan hat“, ergänzt Cornelia Bader, im PiK für den Vorverkauf und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Genau in dieser Zeit habe dann Matthias Ressler vom Kaminwerk angerufen, ob es dem PiK etwas ausmachen würde, wenn er auch Kabarett veranstaltet, weil das mit den 100 Plätzen, die er aktuell in der Halle bestuhlen darf, gut ginge. „Wir wüssten da sogar jemanden“, bekam er zur Antwort. Und so kommt Butzko am 17. September doch noch zu einem Auftritt in Memmingen. „Wir waren ganz gerührt, so oft hat Butzko sich dafür bedankt“, berichtet Keller.

Holger Petz hatte geschrieben, er mache auch eine Gartenveranstaltung, egal bei welchem Wetter, er spiele auf jeden Fall und habe dafür eine sarkastische „Predigt in Zeiten der Pandemie“ als Pfarrer im Corona-Modus vorbereitet. Nur – in welchem Garten hätte das stattfinden sollen? Auch bei der Suche nach Ausweichsälen war das PiK-Team bis jetzt erfolglos. „Wir könnten noch ein paar Künstler mehr über Wasser halten, wenn wir einen geeigneten Saal dafür hätten, der nicht so viel kostet“, sagt Keller.

Keine Konzerte und Musiksessions

Also wird weiter verschoben, werden Ersatztermine für 2021, teilweise schon 2022, mit Künstlern und Agenturen vereinbart. Manche Absagen tun den Veranstaltern besonders weh, etwa bei der viel beschäftigten Anni Hartmann, die mit ihrem Rückblick auf das Jahrzehnt nicht kommen kann. Oder bei BlöZinger, den Gewinnern des Memminger Mauls. Konzerte und Musiksessions sind vorerst ganz gestrichen. Und bei allem Bemühen um neue Termine bleibt doch die Ungewissheit: „Was ist im Frühjahr? Werden sich uns die gleichen Fragen stellen wie jetzt für den Herbst?“, blicken Keller und Bader eher pessimistisch in die Zukunft.

Doch nun heißt es erst einmal die Vorstellungen im LTS zu organisieren. Denn das Theater bekommt das PiK zwar kostenlos überlassen, für Technik, Personal, Feuerwehr und Reinigung muss das ehrenamtliche Team aber selber sorgen. „Auch den Vorverkauf machen wir selbst nach dem Hygienekonzept des Landestheaters“, berichtet Bader. Zwar dürfen dort etwa genauso viele Zuschauer wie sonst im PiK sitzen, weil sich aber die Belegung und Vergabe über E-Mail-Verkauf ziemlich kompliziert gestalteten, hat ihr Mann Werner Bader – sonst der Technikchef im PiK – kurzerhand ein eigenes Registriersystem entwickelt und das passende Computerprogramm dafür geschrieben. Mit automatischen Antwortmails und automatischer Ticketvergabe. „Jetzt läuft es super“, freut sich Bader. Einen „normalen“ Kartenvorverkauf wird es dennoch geben: ab Mittwoch, 2. September, in der Buchhandlung Spiegelschwab.

Dank der Mitgliederbeiträge und weil für die ausgefallenen Vorstellungen keine Honorare anfallen, hat das PiK immerhin keine finanziellen Sorgen. Doch Gedanken, wann und wie es überhaupt auf der Kleinkunstbühne weitergeht, machen sich die Betreiber trotzdem. „Werner tüftelt schon an einer Belüftung fürs PiK“, verrät Bader. „Denn es wäre sehr schade, wenn das PiK wegen Corona sang- und klanglos verschwinden würde aus dem Memminger Kulturleben.“

Termine und Vorverkauf

  • Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr: Uli Masuth, „Mein Leben als ICH – Ein Kabarett-Abend mit Musik, ohne Gesang, politisch“.
  • Donnerstag, 29. Oktober, 20 Uhr: Nils Heinrich „Deutschland einig Katerland – 30 Jahre Besuch von drüben“.
  • Freitag, 13. November, 20 Uhr: Frank Fischer, „Meschugge – Über ungewöhnliche Menschen und verrückte Situationen“.
  • Samstag, 21. November, Bernd Kohlhepp Kabarett-Schauspiel-Crossover „Die Räuber oder so“.
  • Vorverkauf: Nummerierte Karten können in zwei Kategorien für 18 oder 20 Euro bestellt werden per E-Mail: kartenbestellung@pik-mm.de. Ab Mittwoch, 2. September 2020, gibt es einen Vorverkauf in der Buchhandlung Spiegelschwab in Memmingen.