Lockdown

Corona-Regeln: Memminger zwischen Verständnis und Verärgerung

Im Hotel Weisses Ross in Memmingen dürfen ab Montag nur noch Geschäftsreisende übernachten.

Im Hotel Weisses Ross in Memmingen dürfen ab Montag nur noch Geschäftsreisende übernachten.

Bild: Klaus Kiesel (Archiv)

Im Hotel Weisses Ross in Memmingen dürfen ab Montag nur noch Geschäftsreisende übernachten.

Bild: Klaus Kiesel (Archiv)

Gastronomie und Freizeiteinrichtungen, Museen und Theater müssen ab Montag schließen. Was Betreiber aus Memmingen darüber denken und was sie ab Montag planen.
29.10.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Für mindestens vier Wochen muss Fritz Halder das Restaurant im Weissen Ross in Memmingen ab Montag schließen. Doch während andere Gastronomen von Existenzängsten und Pleitewelle sprechen, zeigt sich Halder verständnisvoll und zufrieden mit dem Beschluss der Kanzlerin und Regierungschefs der Länder. „Die machen das ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir als Bevölkerung uns nicht an die Maßnahmen gehalten haben.“

Dass er der Schließung ab Montag auch aus unternehmerischer Sicht verhältnismäßig entspannt entgegenschauen kann, liegt am elften Punkt des Beschlusses. Betrieben, die von der Schließung betroffen sind, zahlt der Staat einen großen Teil des Umsatzes vom vergangenen November. „Ich habe weniger als 50 Mitarbeiter, also bekomme ich 75 Prozent“, rechnet Halder vor. Diese Regelung zeige, dass die Regierung die Unternehmer nicht alleine lässt. „Bei diesen Zahlen kann sich eigentlich keiner beklagen“, so Halder.

Essen zum Mitnehmen werde es im Weissen Ross aber nicht geben. „Dafür müsste ich die Speisekarte komplett umstellen“, erklärt Halder. Im Hotel dürfe er zwar keine Touristen mehr aufnehmen, Geschäftsreisende schlafen dort aber weiter. „Die holen sich Pizza und Döner“, sagt Halder. So sei es auch im Frühjahr gewesen. Unter der Woche machen Geschäftsreisende etwa 70 bis 80 Prozent der Gäste im Weissen Ross aus. An Wochenenden dominieren normal Touristen. „Da wird es jetzt fast leerstehen“, sagt Halder.

Deutlich kritischer sieht Herbert Breckel vom Weber am Bach den neuen Beschluss. „Die Gastronomie hat Hygienekonzepte und Gästelisten, um nachvollziehen zu können, wer da war“, sagt er. Daher sei es unverständlich, dass nun gerade die Restaurants und Wirtschaften schließen müssten. „Im Supermarkt kommen viel mehr Menschen zusammen. Wenn ich da einkaufe, weiß ich nicht, wer den Karton vor mir angefasst hat“, sagt er.

Seine Mitarbeiter werden ab Montag nun zunächst ihren Resturlaub abbauen. Zumindest ab Donnerstag will Breckel Essen zum Mitnehmen anbieten. „Wir versuchen jetzt, die Zeit zu überbrücken. Langfristig planen kann man nicht“, sagt er. Breckel geht davon aus, dass sich nun Gerichte mit den neuen Beschlüssen befassen werden.

Auch die Memminger Museen schließen ab Montag ihre Türen. Der erneute Lockdown sei angesichts der steigenden Infektionszahlen absehbar gewesen, sagt Museumsleiter Axel Lapp. Zwar kommen nach seinen Worten derzeit ohnehin nicht viele Besucher in die Häuser und die entwickelten Hygienekonzepte zeigten Wirkung: „Aber wenn wir die Anreize dafür vermindern wollen, dass Leute das Haus verlassen, ist das der logische Schluss.“ Die laufenden Vorbereitungen für zwei Ausstellungen in der Mewo-Kunsthalle, die am 6. und 25. November eröffnet werden sollten, gehen weiter.

Glücklicherweise seien nötige Leihgaben noch eingetroffen, sagt Lapp. „Wir hoffen, dass wir am 1. Dezember wieder öffnen können und beide Ausstellungen im Haus haben.“ Ob daneben Zeit bleibt, Online-Angebote für die Lockdown-Phase zu entwickeln, kann er derzeit noch nicht einschätzen.

Das Memminger Kaminwerk hat am Donnerstag sein November-Programm abgesagt. Tatsächlich ausfallen sollen aber nur die Kinovorführungen, für die Konzerte möchten die Betreiber Ersatztermine anbieten. Sie kritisieren jedoch, dass die neuen Maßnahmen „mit der Gießkanne über die Kultur“ verteilt werden. „In Memmingen hätte man sicher über den Sommer alle Einrichtungen individuell beurteilen können und nach den Hygienekonzepten entscheiden können, wie viele Besucher zu verantworten sind“, sagt Kaminwerk-Betreiber Matthias Ressler.