Memmingen/Unterallgäu

Corona: Wie geht’s beim Sport weiter?

Corona

Reicht das Einhalten von Abstandsregeln aus, damit wir wieder im Verein Sport treiben können? Das fragen sich derzeit viele Sportler.

Bild: Kurt Kraus

Reicht das Einhalten von Abstandsregeln aus, damit wir wieder im Verein Sport treiben können? Das fragen sich derzeit viele Sportler.

Bild: Kurt Kraus

Der Kreisvorsitzende des Landes-Sportverbandes, Uli Theophiel, nimmt Stellung. Was er nun für wichtig hält.
10.03.2021 | Stand: 14:43 Uhr

Wie geht es mit dem Sport in unserer Region weiter? Diese Frage wird zurzeit allerorten gestellt. So auch bei einer Videokonferenz des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV). Kreisvorsitzender Uli Theophiel nahm daran teil. Er berichtet, was besprochen wurde: „Leider hat die Web-Konferenz mit dem BLSV-Präsidenten Jörg Ammon noch keine neuen Anhaltspunkte beziehungsweise Anleitungen für spezifische Sportarten erbracht.“

Es müsse nun, so Ammon, ein Rahmenkonzept mit dem bayerischen Innenministerium ausgearbeitet werden, wie die Öffnung für die verschiedenen Sportarten im Detail aussehen könnte – und zwar für Wettkampf- und Breitensport. Dazu müssten die Sportfachverbände sportspezifisch an den Konzepten arbeiten.

BLSV-Kreisvorsitzender Theophiel schätzt die Lage nach eigenen Angaben derzeit wie folgt ein: 65 000 Mitglieder in rund 200 Vereinen zähle der BLSV-Kreis Unterallgäu-Memmingen, darunter 20 150 Schüler und Jugendliche. Von der Gesamtzahl ausgehend, seien 56,4 Prozent männliche und 43,6 Prozent weibliche Mitglieder in den Vereinen organisiert. Jede Woche nähmen normalerweise „im Tausenderbereich Sportinteressierte die Angebote der Vereine an, im Wettkampf- wie im Breitensport“, so Theophiel.

Nach fünf Monaten Stillstand soll nun ein Stufenplan der Staatsregierung als Empfehlung gelten, um den Wiedereinstieg individuell anzugehen. Es werde aber noch ein paar Monate dauern, bis endgültig jedes Mitglied wieder am Sportbetrieb auf Plätzen wie in Hallen teilnehmen könne, glaubt Theophiel.

„Wechselnde Inzidenzzahlen erschweren Öffnungsprozess“

Gefordert seien nun die Fachverbände und der BLSV in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, den kreisfreien Städten und den Landkreisen, um für die Sportarten im Wettkampf- und Breitensport Öffnungen vorzubereiten.

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Es seien hierbei aber noch viele Fragen offen. Die wechselnden Inzidenzzahlen in den Gemeinden, Landkreisen und in den Städten erschwerten den kontinuierlichen Öffnungsprozess erheblich, betont der Kreisvorsitzende. Natürlich stünden der Gesundheitsaspekt und die Belastung des Gesundheitssystems im Vordergrund, das sei keine Frage. Aber das, was im Stufenplan „Welcher Sport ist erlaubt?“ an Ungereimtheiten und Auflagen fixiert sei, könne von den Vereinen, Trainern und Übungsleitern schwerlich umgesetzt werden, betont Theophiel. Tagesaktuelle Schnell- oder Selbsttest, wie gefordert bei einer Inzidenz von 50 bis 100: Wer solle das in den Vereinen kontrollieren?

Wer nun Sport treiben dürfe, das bleibe vage, so Theophiel, der auch stellvertretender Bezirksvorsitzender und aktiver Übungsleiter im Präventionssport ist. Im Stufenplan fehlten praxisnahe Regelungen für die einzelnen Sportarten. „Die wird es aber dringend brauchen“, macht Theophiel deutlich.

„Vereine haben überzeugende Hygienekonzepte“

Öffnungen seien noch zu sehr an Inzidenzzahlen gekoppelt. Die Vereine hätten im vergangenen Jahr „überzeugend und erfolgreich – mit hohen Investitionen – Hygienekonzepte ausgearbeitet, die gut funktionierten“. Auf dieser Basis an Erfahrungen sollte der Sport auch in den nächsten Wochen wieder möglich sein. Theophiel: „Es kann nicht sein, dass heute trainiert und Bewegungsübungen in der Halle gemacht und nächste Woche wieder ausgesetzt werden, weil der Inzidenzwert um wenige Prozentpunkte hinter dem Komma gestiegen ist. Wie soll denn da der Wettkampfsport darauf reagieren?“ Die Sportler brauchten einen verlässlichen Korridor.

Sicher wisse niemand, ob nicht am Ende erneut die Reißleine gezogen werden müsse. „Aber dann wird man es auch akzeptieren“, so Theophiel. Es bleibe insgesamt zu hoffen, dass alle Mitglieder mitmachten.

BLSV-Präsident Ammon beziffert den Schaden, der 2021 im Sport durch die Pandemie entstehe, mit 420 Millionen Euro. Und die physischen Bewegungsdefizite im Wettkampf- und Gesundheitssport, gerade bei den jüngeren Mitgliedern, kämen erst später zum Tragen. Ebenso die psychischen Schäden, verursacht durch Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen und vieles mehr. Kreisvorsitzender Theophiel ergänzt: „Das in die Schieflage geratene Sozialgefüge beeinflußt extrem die Psyche – nicht nur im Sport.“

Was gilt in Memmingen und im Landkreis Unterallgäu?

Und wie ist denn nun die aktuelle Lage im Unterallgäu? Unsere Redaktion fragte im Landratsamt nach. Sprecherin Sylvia Rustler erklärte: „Im Unterallgäu gelten aktuell die Regelungen für Landkreise mit einer Inzidenz zwischen 50 und 100. Für den Sport heißt das: Kontaktfreier Sport ist im Freien, auch auf Außensportanlagen, möglich, wenn dabei maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zusammenkommen – oder maximal eine Gruppe von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahre.

Die Memminger Stadtverwaltung teilte mit: „Individualsport ist möglich mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten. Zudem ist Sport in Gruppen von bis zu zwanzig Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich erlaubt.“

Weitere Informationen zur Thematik erteilt das zuständige bayerische Staatsministerium.