Pandemie

Corona: Zirkusfamilie leidet unter fehlender Perspektive

Die Coronakrise hat die vierköpfige Zirkusfamilie kalt erwischt: Wie viele Selbstständige im Schaustellergewerbe wissen Layana und Mario Serano mit ihren Kindern Fernando (10) und Jamaya (4) derzeit nicht, wie es weitergehen soll. Derzeit hat der Familienzirkus seine Zelte auf dem Fußballplatz an der Unterallgäu-Halle in Trunkelsberg aufgeschlagen.

Die Coronakrise hat die vierköpfige Zirkusfamilie kalt erwischt: Wie viele Selbstständige im Schaustellergewerbe wissen Layana und Mario Serano mit ihren Kindern Fernando (10) und Jamaya (4) derzeit nicht, wie es weitergehen soll. Derzeit hat der Familienzirkus seine Zelte auf dem Fußballplatz an der Unterallgäu-Halle in Trunkelsberg aufgeschlagen.

Bild: Franz Kustermann

Die Coronakrise hat die vierköpfige Zirkusfamilie kalt erwischt: Wie viele Selbstständige im Schaustellergewerbe wissen Layana und Mario Serano mit ihren Kindern Fernando (10) und Jamaya (4) derzeit nicht, wie es weitergehen soll. Derzeit hat der Familienzirkus seine Zelte auf dem Fußballplatz an der Unterallgäu-Halle in Trunkelsberg aufgeschlagen.

Bild: Franz Kustermann

Wegen der Beschränkungen kann der Zirkus Serano nicht auftreten und hängt im Unterallgäu fest. Warum er nun eine neue Bleibe sucht.
08.04.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Es ist nicht nur, dass die Zirkusfamilie Serano jetzt all ihre Ersparnisse und ihre gesamte Altersvorsorge aufgebraucht hat: Vor allem „die Perspektivlosigkeit, dass man nicht weiß, wie und wann es weitergeht“, macht dem 33-jährigen Mario Serano große Sorgen. Den Zirkus, den er als Familienunternehmen in dritter Generation führt, will er dennoch nicht kampflos aufgeben. Aktuell sucht er eine Bleibe für den kommenden Sommer: Viel mehr als Wasser und Strom – was sie selbstverständlich bezahlen will – braucht die vierköpfige Familie nicht.

Vor genau einem Jahr war der Zirkus wegen der Corona-Pandemie in Pleß gestrandet. Der Familienvater meinte damals, dass es 2020 zu keinen Auftritten unter der Zirkuskuppel mehr kommt. Heute freut ihn, dass im Herbst doch noch fünf Gastspiele, unter anderem in Bad Grönenbach, Ottobeuren und Markt Rettenbach, durchgeführt werden konnten. Allerdings konnten anstelle der 300 Zuschauer jeweils lediglich nur etwa 100 Besucher das 90-minütige Programm miterleben. Serano blutete das Herz, als er die überzähligen Besucher nach Hause schicken musste: Nur ein Drittel Eintrittsgeld und genau so hohe Ausgaben waren die Folgen.

2021 war schon verplant

In der Hoffnung auf Besserung hatte der 33-Jährige bereits das ganze Jahr 2021 durchgeplant. Jetzt müssen alle Termine abgesagt werden – ohne Perspektive, wann es endlich wieder weiter gehen kann. Serano sagt: „Es wird nichts mehr so sein wie vorher!“ Davon ist er mittlerweile überzeugt. Traurig stimmt ihn: „Bei der Gesellschaft und der Politik rutschen wir unten durch!“

Im vergangenen Herbst seien ihm staatliche Hilfen abgelehnt worden, heuer habe er resigniert und erst gar keine Förderung beantragt: „Wir wären schon lange verhungert, wenn wir uns auf den Staat verlassen hätten“, klagt Serano. Zudem seien immer mehr Betrüger seit Beginn der Pandemie unterwegs, um angeblich Spenden im Namen des Zirkus zu sammeln. „Wir gehen nicht von Haus zu Haus“, stellt Serano klar.

Den Zirkus zu schließen, kommt für ihn aber nicht in Frage. Das neue 25 Meter lange, mit 18000 Euro bereits angezahlte Tierzelt musste er abnehmen. Ein neues Zirkuszelt hingegen konnte noch abbestellt werden.

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Als Berufskraftfahrer bräuchte er eine andere Zertifizierung als ein Zirkusfahrer. Aus diesem Grund konnte Serano seine vorübergehende Fahrertätigkeit nicht dauerhaft ausüben. Den Winter über war der Zirkus im Landkreis Ravensburg stationiert; die höhere Miete im Frühling und Sommer konnte sich die Familie jedoch nicht leisten.

Spenden helfen über die Runden

In Trunkelsberg hat der Zirkus die Genehmigung noch bis Ende Mai. „Der Zirkus wird immer nur vertröstet, ohne jegliche Perspektive.“ Ein Jahr lange hat sich der Zirkus auf den eigenen Beinen „durchgeboxt“. Immer im Hinterkopf, dass er nur bis Mai bleiben darf – „ich bin praktisch immer auf der Flucht“, klagt der 33-Jährige. Auch wenn er zu allen Bürgermeistern immer ein gutes Verhältnis pflege, wolle er sich an die Abmachungen halten. Eine Kirche aus Bad Wörishofen hatte jüngst nach einer Andacht Spenden gesammelt, was dem Zirkus den Transport vom Landkreis Ravensburg nach Tunkelsberg ermöglichte. Ein Landwirt spendete dem Zirkus zudem einige Ballen Heu. Trunkelsberg stellte den nicht benötigten Fußballplatz zur Verfügung. Laut Bürgermeister Roman Albrecht hat der Zirkus die Zusage, dass er dort bis Ende Mai bleiben darf: „Ich werde den Zirkus auch später nicht rausschmeißen, wenn ich den Platz nicht anderweitig dringend brauche.“

  • Kontakt Wer helfen oder die Tiere anschauen möchte, kann sich im Internet unter www.circus-serano.de informieren oder am Sportplatz nach Voranmeldung unter Telefon (0177/5027 545) vorbeischauen.