Unterallgäu/Mindelheim

Damit Einbrecher und Betrüger keine Chance haben

Sicherheitsgipfel in Mindelheim forum

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Bild: Franz Issing

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Kriminalität Polizei und Staatsanwaltschaft klären bei Veranstaltung in Mindelheim auf, wie man sich schützen kann
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Von iss
17.10.2019 | Stand: 15:28 Uhr

Beate R. (Name geändert)kam vom Einkaufen nach Hause und erkannte ihre Wohnung nicht wieder. Einbrecher hatten sie durchwühlt und wertvollen Schmuck gestohlen. Eine Welle von Hilflosigkeit und Angst überrollte die Frau. Der Eingriff in ihre Privatsphäre macht ihr auch noch zwei Jahre später schwer zu schaffen. „Es war, als hätte mir jemand einen schweren Stein auf die Brust gelegt, ich fühlte mich ausgeliefert und wehrlos.“ So schilderte Beate R. bei einer Aufklärungsveranstaltung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und des Kuratoriums Sicheres Allgäu (KSA) vor zahlreichen Besuchern und Ordnungshütern aus der Region in Mindelheim das wohl bedrückendste Erlebnis ihres Lebens.

Wie Beate R. geht es den meisten Einbruchsopfern. Der psychische Schaden wirkt sich bei ihnen meist größer aus als der materielle. Sie leiden oft so stark darunter, dass sie am liebsten wegziehen wollen. Wie man sich vor ungebetenen Besuchern wirksam schützen kann, darüber klärte Kriminalhauptkommissar Ralph Müller aus Memmingen auf. Er entkräftete dabei auch oft am Biertisch geäußerte Vorurteile wie: „Bei mir ist eh nichts zu holen“, „Wenn einer reinkommen will, kommt er sowieso rein“ oder auch „Sicherungstechnik macht mein Haus erst interessant für Einbrecher“. „Das Gegenteil ist der Fall“, so Müller. „Jede Sicherung ist besser als gar keine.“ Und während Bilder von verwüsteten Tatorten – Wohn- und Schlafzimmern – über eine Leinwand flimmerten, zeigte der Polizei-Experte vielfältige Möglichkeiten technischer Sicherung auf.

„Die Haustür zweimal absperren, keine Leitern im Garten liegen lassen und bei Abwesenheit die Fenster schließen“, riet er nachdrücklich und warnte: „Gekippte Fenster sind offene Fenster.“ Er empfahl den Einbau von zertifizierten Fenstern mit Widerstandsglas und verwies auf abschließbare Fenstergriffe. „Lassen Sie bei Abwesenheit am Abend das Licht brennen oder Radio und Fernseher laufen, das simuliert Anwesenheit und schreckt Diebe ab.“ Zu 50 Prozent seien organisierte Banden aus dem Ausland und zur anderen Hälfte Einheimische und Ortsansässige für Einbrüche verantwortlich. „Scheuen Sie sich nicht bei verdächtigen Geräuschen oder Personen die Notrufnummer 110 anzurufen“, so der Rat des Kripo-Beamten. „Wir kommen auch gerne zu Ihnen ins Haus, beurteilen dessen Sicherungszustand und beraten kostenlos.“

Schließlich zeigte ein Kurzfilm, wie sich Einbrecher gewaltsam Zutritt in Wohnungen und Gebäude verschaffen. Dies versuchte auf der Bühne auch Tanja Schmid aus Memmingen. Die junge Frau scheiterte jedoch an einem alarmgeschützten Vorzeigeobjekt.

„Die Zahl der Einbrüche in der Region ist stark rückläufig“, betonte Werner Strößner, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Während 2016 noch 307 solcher Straftaten angezeigt wurden, seien in diesem Jahr nur noch 122 Fälle der Polizei gemeldet worden. Strößner führt den positiven Trend auf eine massive Aufklärungs- und Präventionsarbeit zurück.

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Auch die Besucher hatten das Wort und konnten Fragen stellen. Kritisiert wurde dabei auch, dass Diebe zu milde bestraft würden. Dies ließ Leitender Oberstaatsanwalt Christoph Ebert nicht so stehen. Die Strafen für Einbruch seien im Verhältnis zu anderen Delikten relativ hoch. „Wenn Täter schnell gefasst werden, wirkt das abschreckend.“

Durch das Programm führte Uli Hagemeier, Redaktionsleiter derAllgäuer Zeitung. Die Arbeit des Kuratoriums Sicheres Allgäu wird auch von der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim unterstützt. Bezirksdirektorin Iris Rienks überraschte den KSA-Präsidenten Elmar Stegmann mit einer Spende in Höhe von 1500 Euro.