Bauprojekt

Das Rathaus von Markt Rettenbach zieht um - und zwar in historische Mauern

MR Fuggerhaus

Wahrscheinlich wird in dem zweistöckigen Dachgeschoss vom Fugger-Amtshaus inmitten von Markt Rettenbach kein Rittersaal integriert werden. Nach zweijähriger Bauzeit soll im Jahr 2024 dort das Rathaus einziehen.

Bild: Franz Kustermann

Wahrscheinlich wird in dem zweistöckigen Dachgeschoss vom Fugger-Amtshaus inmitten von Markt Rettenbach kein Rittersaal integriert werden. Nach zweijähriger Bauzeit soll im Jahr 2024 dort das Rathaus einziehen.

Bild: Franz Kustermann

Markt Rettenbacher Räte diskutieren über Pläne für das Fugger-Amtshaus. Wo soll das Trauzimmer hin, wo der Sitzungssaal? Ein kritischer Punkt ist der Dachboden.
13.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Soll in dem zweistöckigen Dachboden vom Fugger-Amtshaus unter dem herrlichen Dachgebälk inmitten der Marktgemeinde neben dem Rathaus auch ein „Rittersaal“ integriert werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Marktgemeinderat, als die Architektengemeinschaft Christian Groß (Markt Rettenbach) und Alen Jasarevic (Mering) die Entwürfe für den Einbau eines Rathauses in das Fugger-Amtshaus vorstellten.

Neue Nutzung für das Amtshaus der Fugger: Auch den Dachboden einbeziehen?

Während die Entwürfe der beiden Architekten nach längerer Diskussion und Erläuterung zum größten Teil die Zustimmung der Markträte fanden, blieb die Nutzung des Dachbodens bis zum Schluss eher umstritten. Marktrat Dr. Konrad Wagner beantragte schließlich, „dass der Gedanke von einer sinnvollen Nutzung von dem oberen Raum nochmals aufgewärmt und die planerische Gestaltung nochmals durchgespielt wird“. Mit 6:11 Stimmen wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt.

Die Nutzung des Dachgeschosses (über Archiv und Lager hinaus) sei für Veranstaltungen aus brandschutztechnischen Gründen nicht möglich, weil hier der „zweite Fluchtweg“ fehlt, erklärten die beiden Architekten. Deshalb habe man diese anfangs beabsichtigte Nutzung – etwa einen „Rittersaal“ – nicht weiterverfolgt.

Laut Bürgermeister Martin Hatzelmann wurden nach dem „langen Dornröschenschlaf“ einige Voruntersuchungen und Machbarkeitsstudien vorgenommen, um in dem zentralen Gebäude wieder Leben hineinzubringen. Letztlich wolle man, da es einst „Amtshaus“ war, wieder eine „Amtsnutzung“ durch das Rathaus etablieren.

Gebäude in Markt Rettenbach stellt Architekten vor Herausforderungen

Wie die beiden Architekten berichteten, wurde auf Basis der Vorstudie aus dem Jahr 2016 Folgendes entwickelt: Die Eingangshalle inmitten des Gebäudes soll „maximal freigestellt“ werden, damit sie in ihrer ursprünglichen Form wieder „erlebbar“ wird. Weil die historische Gewölbedecke akustisch sowie der 40 Zentimeter große Höhenunterschied zum angrenzenden Raum mit der interessanten Stuckdecke nicht leicht in Griff zu bekommen seien, wurde der große, umlaufend belichtete Sitzungssaal im Erdgeschoß an der Westseite des Gebäudes platziert. Dort könnte in der Deckenkonstruktion – mit Lüftung und Elektro, Beamer, Leinwand und Akustik – alles untergebracht werden, was heute von einem modernen Sitzungssaal erwartet werde. Hinten wurden eine kleine Teeküche und der Aufzug – als Teil eines Möbels hinter der Wand verschwunden – eingeplant.

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Die Architekten hatten sich auch überlegt, wie man innerhalb des Hauses die funktionalen Zusammenhänge besser koordiniert: Das Treppenhaus wird an der jetzigen Stelle belassen. Die Höhendifferenz zwischen den zwei historisch sehr bedeutsamen Räumen wird in den Eingangsbereich verlegt. Der Trauungs-Saal wird im historischen Gewölbe-Raum untergebracht. Mit dem Einwohner-Meldeamt und dem Büro des Standesamtes sitzen künftig auch Mitarbeiter im Erdgeschoss, die als erste Ansprechpartner für jeden Besucher – hinter Glas und möglichst offen gestaltet – leicht ersichtlich sind.

Bauarbeiten sollen bald starten

Oben gibt es neben den Amtsräumen behindertengerechte Toiletten sowie einen Personalraum mit Teeküche und Lager. Der Brandschutz wurde vom Landratsamt als in Ordnung befunden. Die Fachplaner für Heizung, Sanitär, Elektro und Lüftung seien bereits beauftragt. Auch die Wünsche der Rathausmitarbeiter seien in die Planungen eingeflossen. Nur noch wenige Details müssten mit dem Landesamt für Denkmalpflege – als „Auslöser“ für die Fördermittel – besprochen werden. Jasarevic sagte: „Das ganze Paket ist jetzt eigentlich so geschnürt, dass wir in naher Zukunft planerisch den Baubeginn haben werden.“

Ulf Eberlein regte an, das Trauzimmer an die Westseite mit Außenanbindung zu platzieren. Der Sitzungssaal hingegen brauche nicht zwingend Außenlicht, weil die Sitzungen des Marktrates vornehmlich abends stattfänden. Laut Jasarevic bekommt auch der Trausaal eine direkte Verbindung nach außen. Für Eberlein „ein Nordeck, wo sich kein Mensch aufhalten wird.“

Ohne massiven Eingriff in das Gewölbe wäre der Sitzungssaal – mitten im zukünftigen Rathaus – nicht realisierbar, so die Planer. An der rundum belichteten Westseite könne hingegen dieser für alle anderen denkbaren Zwecke genutzt werden, da die Marktgemeinderatssitzungen nur alle drei bis vier Wochen stattfänden. Bei der Möblierung müsse man aber darauf achten, dass die Stühle stapelbar seien. Eine Landschaftsarchitektin überlege, wie man den kompletten Umgriff mitberücksichtigt: Im rückwärtigen Bereich soll ein Garten entstehen. Der Sitzungssaal werde damit „multifunktional nutzbar“, so die Planer.

Wissenswertes über das Amtshaus der Fugger:

  • Geschichte: Der stattliche zweigeschossige Satteldachbau wurde unmittelbar nach dessen Erwerb von Anton Fugger im Jahre 1547 als renaissancezeitliches Amtshaus erbaut. Um 1729 erweitert, erfolgte damit auch die Barockisierung des Gebäudes. Teilweise sind die Türen, Stuckdecken und einzelne Fester aus dieser Zeit heute noch erhalten. Der südöstliche Raum des Erdgeschosses trägt ein Kreuzgratgewölbe, ein Zimmer ist sogar mit einer Stuckrahmendecke ausgestattet. Das Treppengeländer mit seinen wuchtigen Holzbalustern stammt vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Ein kleiner, frei stehender Rundturm steht an der Südwestecke des Gebäudes. Ein zweiter Rundturm an der Südostecke wurde bereits 1950 abgebrochen.
  • Sanierung: Die Kosten der Sanierung werden auf rund 3,8 Millionen Euro geschätzt, wobei etwa drei Millionen Euro aus der Städtebauförderung, dem Entschädigungsfonds und dem Landesamt für Denkmalpflege als Zuschuss fließen sollen. Heuer noch sollen die Planungen für das ehrgeizige Projekt abgeschlossen werden. Nach zwei Jahren Bauzeit ist 2024 der Umzug des Rathauses geplant.