Mariental im Unterallgäu

Ein Jahr nach dem Tod des Eremiten Heinrich Maucher: Was wird aus seinem Erbe?

Das Mariental im Wald bei Maria Baumgärtle: Hier lebte bis vor einem Jahr der Eremit Heinrich Maucher. Seit seinem Tod haben Helferinnen und Helfer dafür gesorgt, dass sein Erbe erhalten geblieben ist.

Das Mariental im Wald bei Maria Baumgärtle: Hier lebte bis vor einem Jahr der Eremit Heinrich Maucher. Seit seinem Tod haben Helferinnen und Helfer dafür gesorgt, dass sein Erbe erhalten geblieben ist.

Bild: Johann Stoll (Archivbild)

Das Mariental im Wald bei Maria Baumgärtle: Hier lebte bis vor einem Jahr der Eremit Heinrich Maucher. Seit seinem Tod haben Helferinnen und Helfer dafür gesorgt, dass sein Erbe erhalten geblieben ist.

Bild: Johann Stoll (Archivbild)

Vor einem Jahr starb Heinrich Maucher. Der Mann hat 35 Jahre lang in einem Wald im Unterallgäu gelebt und dort 45 Hütten gebaut. Was wird aus dem Mariental?
11.01.2022 | Stand: 11:38 Uhr

Ein Jahr danach. Am Abend des 19. November 2020 war der Eremit von Maria Baumgärtle friedlich in seiner Wohnhütte eingeschlafen, vermutlich beim Beten zur Gottesmutter Maria. Tags darauf war er leblos aufgefunden worden. Heinrich Maucher wurde 79 Jahre alt. 35 Jahre davon lebte er im Wald und baute nach und nach sein Mariental auf. Am Ende waren es 45 Hütten, die der Eremit als „Zufluchtsorte der Menschheit“ gezimmert hat, wie er sie nannte.

Viele Jahre lang zog der fromme Mann Gläubige magisch an. Auch wer das Mariental heute betritt, hält unwillkürlich inne. Es ist ein besonderer Ort, und das spüren die Besucher. Wie geht es nun weiter mit dieser einzigartigen Siedlung mitten im Wald? Ein Ortstermin.

Wer auf der Hauptstraße zwischen Bedernau und Maria Baumgärtle durch ein Waldstück fährt, kommt an der Abzweigung zum Mariental vorbei. Neu sind dort Verbotsschilder. Die Zufahrt ist nur noch forst- und landwirtschaftlichen Fahrzeugen gestattet. Kein Problem. Mariental nähert man sich ohnehin besser zu Fuß – wie ein Pilger. Es ist auch nur ein halber Kilometer hinunter durch den Wald zum Bach, dann empfangen den Besucher zuerst zwei hölzerne Schilder. Auf dem einen steht: „Pilgerweg 300 m“ und darüber, schon etwas verwittert: „Mariental“. (Lesen Sie auch: Eremit von Baumgärtle: Wieso er 35 Jahre allein im Wald lebte)

Mariental im Unterallgäu scheint kaum verändert

Der Weg ist gepflegt, als wären die vergangenen zwölf Monate nicht ins Land gegangen. Und auch der Zufluchtsort mit zahllosen Mariendarstellungen, Kunstblumen, Devotionalien, Kreuzen und Heiligenbildern scheint kaum verändert. Nur das Moos auf den Hüttendächern fällt dem Besucher sofort ins Auge.

Auch die 400 Holzkreuze von Verstorbenen stehen noch immer auf einer Lichtung. Fast hat man den Eindruck, es sind sogar noch mehr geworden, seit Heinrich Maucher verstorben ist.

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Was passiert mit den mysteriösen Wald-Bauten des Eremiten vom Baumgärtle?

Die Anlage ist gepflegt, nichts ist zerstört. Hier haben in der Zwischenzeit gute Seelen Hand angelegt, um dieses Erbe zu bewahren. Eine Frau, die namentlich nicht genannt sein will, sagt: Der Herrgott schickt immer rechtzeitig jemanden vorbei, der anpackt.

Zwei hölzerne Stege sind erneuert worden. Sie waren so morsch, dass sie eine Gefahr für Fußgänger dargestellt haben. Auch ein Baum hinter einer Grotte musste entnommen werden. Einzelne Türen zu Hütten sind erneuert worden. Wie zu hören ist, kam es im Verlauf des Jahres auch zu ungebetenem nächtlichen Besuch.

Offenbar meinten Eindringlinge, hier im Reich Marias gebe es materielle Schätze zu heben. Einzelne Hütten waren aufgebrochen worden, zu Vandalismus kam es aber nicht. Die Schätze hier sind anderer Natur. Nur auf den ersten Blick wirkt das Mariental verlassen. Beim genaueren Hinsehen kann man brennende Kerzen in Mariengrotten, aber auch vor dem früheren Haus des Eremiten sehen. Offenbar sehen hier regelmäßig Freunde des Marientals nach dem Rechten.

Besucher des Waldes bei Maria Baumgärtle erfasst stille Ehrfurcht

An diesem Herbstnachmittag besucht eine vierköpfige Gruppe aus Kaufbeuren das Mariental, zwei ältere Ehepaare. Sie waren schon zweimal hier und haben sich jedes Mal inspirieren lassen von diesem besonderen Ort. Wie viele Besucher auch, erfasst die Vier eine stille Ehrfurcht vor dem, was sie hier zu sehen bekommen. Die sterblichen Überreste des Eremiten ruhen auf dem Friedhof in Bedernau. Das Grab ist frisch hergerichtet, den Grabstein ziert eine Marienfigur.

Im Mariental bei Mariä Baumgärtle lebte der Eremit Heinrich Maucher, der am 20. November 2020 verstorben ist. Was wird nun aus seinem Erbe?
Im Mariental bei Mariä Baumgärtle lebte der Eremit Heinrich Maucher, der am 20. November 2020 verstorben ist. Was wird nun aus seinem Erbe?
Bild: Johann Stoll

Die Erben des Waldstücks haben Mariental bisher unverändert gelassen. Geerbt hat der Orden der Mütter vom Heiligen Kreuz. Er ist ein römisch-katholischer Frauenorden. Er wurde 1844 in Menzingen im schweizerischen Kanton Zug gegründet. Er wirkt heute besonders in Tansania, Afrika, unterhält aber auch ein Seniorenheim in München.

Maucher wird wie ein Heiliger verehrt

Nach wie vor pilgern Menschen ins Mariental. Aber der große Rummel wie vor ein paar Jahren noch, als über Maucher im Fernsehen und in verschiedenen Zeitungen berichtet wurde, ist abgeebbt. Auch nach seinem Tod kam es zu regelrechten Prozessionen durch das Mariental. Verehrer des Eremiten sind aber sicher: Der Eremit war ein Heiliger. Sein Zauber wird bleiben. (Lesen Sie auch: War der Eremit von Baumgärtle ein Heiliger?)