Energie

Der geplante Solarpark in Heimertingen ist vom Tisch

Der Bau eines Solarparks an der Bahn beim Umspannwerk am Heimertinger Ortsrand, ist vom Tisch.

Der Bau eines Solarparks an der Bahn beim Umspannwerk am Heimertinger Ortsrand, ist vom Tisch.

Bild: Armin Schmid

Der Bau eines Solarparks an der Bahn beim Umspannwerk am Heimertinger Ortsrand, ist vom Tisch.

Bild: Armin Schmid

Der Gemeinderat spricht sich knapp gegen das Photovoltaik-Projekt an der Bahn aus. Welches Areal nun im Gespräch ist.
27.01.2021 | Stand: 13:45 Uhr

Einen großen Solarpark am nördlichen Ortsrand von Heimertingen wird es nicht geben. Der Heimertinger Gemeinderat sprach sich bei seiner jüngsten Sitzung mit knapper Mehrheit (6:5) gegen das Projekt aus. Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat den Antrag der Firma ABO Wind schon einmal behandelt und vertagt, um weitere Informationen sammeln zu können.

Im Plangebiet „Am Rabenbaum“ sollte demnach eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage mit einem Leistungspotenzial von rund 3,5 MWp (Megawatt Peak, Bezeichnung für die elektrische Leistung von Solarkraftwerken) entstehen. Die Fläche, die in Frage gekommen wäre, erstreckt sich im westlichen Bereich der Bahnstrecke Ulm-Kempten.

Von Vorteil wäre gewesen, dass das Umspannwerk der Lechwerke Netz AG als „guter und günstiger Netzeinspeisepunkt“ in unmittelbarer Nähe liege. Möglich gewesen wäre sogar eine Einspeisung von rund zehn MWp. Allerdings konnten sich die Antragsteller nicht alle benötigten Flächen sichern. Grundstücksbesitzer wollten teilweise dem Kiesabbau den Vorrang geben oder hatten andere ablehnende Gründe.

„Eindeutige Vorteile“

Zweiter Bürgermeister Dr. Wolfgang Wohlleb betonte vor der Abstimmung, dass er sich für den Bau der Fotovoltaik-Anlage aussprechen werde. Wohlleb sieht in der Erzeugung von Fotovoltaik-Strom gegenüber der Stromerzeugung mit Biomasse eindeutige Vorteile. Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters müsste hierfür stets viel Mais angebaut werden. In einer Fotovoltaik-Freiflächenanlage hingegen sieht er die Chance auf eine ökologische Aufwertung, die durch die extensive Nutzung auch der Pflanzen- und Tiervielfalt zugutekommen würde. Zudem hätte die Stromproduktion vor Ort relativ schnell, schon 2022, beginnen können. Da zwei alteingesessene Bauernfamilien beteiligt seien, hätte man auf eine „tadellose Optik der Freiflächen-Anlage geachtet“.

Gemeinderat Martin Baader meinte, dass man zuerst die Potenziale (Dachflächen) nutzen solle, die schon vorhanden seien. Die Flächen an der Bahnlinie könne man auch zu einem späteren Zeitpunkt noch zur Stromerzeugung per Fotovoltaik nutzen. Rat Clemens Bernhard betonte, dass er dagegen stimmen werde. Gute landwirtschaftliche Flächen seien für eine Fotovoltaik-Nutzung zu kostbar. „Die Flächen bringen viel Ertrag, und die Landwirte müssen auch überleben“, sagte Bernhard. Zudem treibe man die Pachtpreise in die Höhe.

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Ratsmitglied Christoph Rauh mahnte, dass man womöglich einen Präzedenzfall schaffen würde. Wenn man eine Fotovoltaik-Anlage an der Bahntrasse genehmigen würde, könnte man vielleicht weitere Anlagen nicht mehr verhindern. Rat Christoph Wagner sieht das anders. Er meinte, dass die Gemeinde die Planungshoheit habe.

Bürgermeister Josef Wechsel betonte: „Wir treffen heute eine Entscheidung mit Signalwirkung für Jahrzehnte. Auch im Hinblick auf andere Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft.“ Ein Solarpark an der Bahnlinie würde das Landschaftsbild der offenen, ebenen Tallage dauerhaft verändern. Wechsel hob hervor, dass das Sennhof-Areal besser geeignet wäre. Dieser Flächenumgriff liege in einem teilweise schon abgebauten Kiesabbau-Gebiet und sei nicht einsehbar.

Stiftung positiv gestimmt

Die Sennhof-Stiftung stehe der Errichtung einer Fotovoltaik- Freiflächenanlage positiv gegenüber, sagte der Bürgermeister. Die Stiftung fördere die Heimertinger Vereine und die katholische Kirche. 65 000 Euro seien für diese Zwecke in den vergangenen zehn Jahren ausgeschüttet worden. Durch die Pachteinnahmen aus einer Fotovoltaik-Anlage könne man die Zuwendungen der Stiftung auf lange Sicht erhalten. Der bestehende Pachtvertrag laufe noch bis Ende 2027. Wenn man vorab plane, könne man 2027 bereits beginnen. Sollte eine Übereinkunft mit dem Pächter möglich sein, vielleicht schon früher. Eine Fotovoltaik-Anlage mit einer Leistung im Bereich von sechs MWp wäre möglich. Nach Beendigung des Kiesabbaus eventuell sogar noch mehr.