Interview

Der Gesundheitsminister will daheim nicht nur über Corona reden

Klaus und Birgit Holetschek mit ihren Kindern Max (links) und Corinna im Jahr 2001 im Skyline Park in Bad Wörishofen.

Klaus und Birgit Holetschek mit ihren Kindern Max (links) und Corinna im Jahr 2001 im Skyline Park in Bad Wörishofen.

Bild: privat

Klaus und Birgit Holetschek mit ihren Kindern Max (links) und Corinna im Jahr 2001 im Skyline Park in Bad Wörishofen.

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Birgit Holetschek erzählt vom Alltag in Memmingen mit ihrem Mann, dem Staatsminister Klaus Holetschek. Was der CSU-Politiker für die Familie aufgegeben hat.
Klaus und Birgit Holetschek mit ihren Kindern Max (links) und Corinna im Jahr 2001 im Skyline Park in Bad Wörishofen.
Von Brigitte Hefele-Beitlich
13.02.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Frau Holetschek, Ihr Mann Klaus Holetschek ist seit Januar Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege. Hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Birgit Holetschek: Eigentlich nicht. Mein Mann ist jetzt auch nicht viel mehr weg als früher und das bin ich schon gewöhnt. Wir haben jung geheiratet mit knapp 22 und knapp 25, er war von Anfang an viel weg, weil er damals in München gearbeitet hat und bereits politisch engagiert war.

Hat Ihr Mann jetzt eine Wohnung in München?

Birgit Holetschek: Schon als Abgeordneter konnte er wählen, ob er nur ein Büro oder ein Apartment mit Schlafcouch haben will. Damals hat er das Apartment mit Schlafgelegenheit vom Staatsminister i.R. Josef Miller übernommen, das nutzt er heute noch. Als Abgeordneter hat er zwei, drei Tage in der Woche in München übernachtet, jetzt sind es schon mal ein, zwei Tage mehr. Am Wochenende kommt er aber normalerweise heim. Schließlich muss er sich hier um seinen Wahlkreis kümmern und Termine wahrnehmen. Sein Wahlkreis und der Kontakt zu den Menschen sind ihm sehr wichtig.

"Wir haben uns über die Junge Union kennengelernt"

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Memmingen

Ein Vorteil für Memmingen

Birgit Holetschek: Ja, über die Junge Union. Aber ich habe mein Engagement dann bald zurückgezogen und bin nur noch ein bisschen aktiv in der Frauenunion. Ich finde, es reicht, wenn einer in der ersten Reihe steht. Ich habe meine eigenen Sachen, das hat sich so bewährt in unseren 31 Ehejahren.

Sie haben stattdessen einen „normalen“ Beruf ergriffen.

Birgit Holetschek: Ich habe Bürokauffrau gelernt und mich später zur Wirtschaftsfachwirtin weitergebildet. Ich war über 30 Jahre in der Verwaltung des Sebastianeums in Bad Wörishofen tätig.

Klaus Holetschek hat nach einer Legislaturperiode nicht mehr für den Bundestag kandidiert

Es war sicher nicht immer einfach, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, wenn der Mann kaum da ist.

Birgit Holetschek: Er war trotzdem immer da, wenn man ihn gebraucht hat. Außerdem hat er 2002 kein zweites Mal für den Bundestag kandidiert, sondern ist nach Bad Wörishofen zurückgekommen, weil es ihm wichtig war, dass er für die Familie greifbar ist. Als er dort Bürgermeister war, hat er zum Beispiel die Kinder morgens mit zur Schule genommen oder war mal zum Mittagessen da. Als junger Abgeordneter ist man sehr viel unterwegs, das war damals eine bewusste Entscheidung für die Familie, damit er wenigstens nachts zu Hause ist. Er wollte unsere beiden Kinder aufwachsen sehen.

Von Anfang an wohlgefühlt in Memmingen

Sie sind in Bad Wörishofen geboren und haben dort gelebt, bis Ihr Mann 2013 für den Stimmkreis Memmingen in den Landtag gewählt wurde. Dann ist die ganze Familie nach Memmingen gezogen. Fiel Ihnen das schwer?

Birgit Holetschek: Wir haben damals über ein Jahr nach einem Haus gesucht, aber von dem, das wir dann gefunden haben, waren wir alle sofort begeistert. Wir haben uns von Anfang an wohl gefühlt in Memmingen. Ich bin dann lange nach Bad Wörishofen zum Arbeiten gependelt, bis ich im Januar 2020 eine Stelle in Memmingen gefunden habe. Weil ich nie nur zum Schlafen hier sein wollte, bin ich bald in einen Gospelchor gegangen. Dort habe ich sehr sympathische, herzliche und liebenswerte Menschen gefunden, mit denen auch Freundschaften entstanden sind. Der Chor fehlt mir gerade sehr.

Seit gut einem Jahr sind Sie Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus Memmingen (MGH). Wie kamen Sie dazu?

Holetschek: Ich wollte mich dort eigentlich nur ehrenamtlich engagieren beim Onlineangebot für Senioren. Ich bin fit in IT und der Umgang mit Senioren ist mir auch nicht fremd. Das Angebot für eine feste Stelle kam dann ziemlich schnell.

Was sind ihre Aufgaben im MGH?

Birgit Holetschek: Wir sind ein kleines Haus aber relativ IT-lastig. Wir erklären Senioren das Internet, Tablets, Smartphones, wie sie WhatsApp benutzen können oder Google Maps, also Basic-Sachen, mit denen sie nicht aufgewachsen sind. Dazu kommen Demenzberatung und Nachbarschaftshilfe, ich koordiniere die Angebote im Haus. Seit Corona ist das Haus zu, langweilig wird uns trotzdem nicht. Wir bieten jetzt zum Beispiel Einkaufshilfe für Menschen in Quarantäne an oder haben an Ostern im Bürgerstift Videotelefonie installiert. Ich setze auch gerne praktische digitale Lösungen wie ein digitales Schloss statt 50 Schlüsseln ein, weil sich dort viele verschiedene Gruppen treffen, die auch kommen, wenn niemand vom Team da ist. Ich suche gern nach solchen Lösungen.

Daheim will der Gesundheitsminister nicht nur über Corona reden

Suchen Sie auch mal mit ihrem Mann nach Lösungen?

Birgit Holetschek: Ich will mich da nicht einmischen und wenn er heimkommt, will er nicht weiter Politik machen. Natürlich sind wir ein politisches Haus und wir haben mit unseren Kindern sicher mehr über Politik diskutiert als an anderen Esstischen üblich. Aber wenn der Gesundheitsminister von der Arbeit kommt, will er nicht nur über Corona reden.

Aber gerade jetzt hat er doch mit einer Krise zu tun, die jeden von uns betrifft.

Birgit Holetschek: Er fragt schon mal, wie ich ihn zum Beispiel bei Interviews fand. Aber meist habe ich nicht viel zu kritisieren, sondern finde Inhalt und Auftreten von ihm sehr gut. Besonders, dass es ihm vom Bürgermeister über den Bürgerbeauftragten bis zum Staatssekretär und Staatsminister immer um die Menschen und ihre Sorgen ging und er sich kümmern will, schätze ich an ihm. Ich selbst sehe mich nicht als gute Rednerin, mochte auch schon in der Schule die logischen Fächer wie Mathematik, Informatik – eben die MINT-Fächer – viel lieber. Ich bin daheim für Technik und Handwerk zuständig, so ergänzt jeder den anderen.

Trotzdem hat ja nicht nur Ihr Mann mit Corona zu tun, wie gehen Sie als Familie damit um?

Birgit Holetschek: Unser Sohn studiert in Wien, es war für mich schlimm, dass ich ihn monatelang nicht sehen konnte. Wenigstens war er an Weihnachten da – natürlich getestet und mit Maske. Wir machen jetzt häufig Videocalls mit der ganzen Familie. Unsere Tochter lebt in München, sie hat gerade ihren Master gemacht und die erste Stelle angefangen. Diese Videotelefonate sind sehr schön und ein Stück Normalität in dieser seltsamen Zeit, in der man kaum jemanden sehen darf. So ist die Familie noch mehr zusammengewachsen.

Am Wochenende Videokonferenz mit Freunden

Können Sie überhaupt noch Verabredungen treffen, ohne sie mit dem Büro Ihres Mannes abzustimmen?

Birgit Holetschek: Das wäre vielleicht anders ohne Corona, bis jetzt ist das kein Problem. Ich konnte im Lockdown ja noch gar nicht ausprobieren, ob es funktioniert, wenn ich ihn anrufe und sage, ich habe Kinokarten für Donnerstag, kannst du kommen. Aber weil aktuell alle Festivitäten, Versammlungen und so weiter ausfallen, kann ich die Samstagabende ohne große Absprache verplanen und zum Beispiel eine Videokonferenz mit Freunden ausmachen.

Was machen Sie sonst gern zusammen?

Birgit Holetschek: Spazierengehen, Nordic Walking oder Radeln. Wir kochen auch sehr gern zusammen, das hat Klaus schon in seiner Studenten-WG angefangen.

Womit kann man Sie noch begeistern?

Birgit Holetschek: Ich bin leidenschaftliche Schafkopferin! Ich überlege gerade, ob ich nach der Pandemie im MGH eine Schafkopfrunde einführe. Ich stelle mir vor, dass es Grundschüler von Senioren lernen. Dieses Projekt würde ich unheimlich gerne machen, Schafkopfen gehört in Bayern einfach dazu.

Es gab Höhen und Tiefen im Politikerleben von Klaus Holetschek. Wie trägt man das als Frau mit?

Birgit Holetschek: Die Nähe ist wichtig, dass man nah dranbleibt, egal ob man darüber redet oder nicht. Wenn er reden will, hört man zu, wenn nicht, bohrt man auch nicht nach. Da sein, loyal sein und zueinander halten ist in schwierigen Zeiten das Wichtigste.

Das Ehepaar Holetschek

Birgit Holetschek, geboren 16. 10. 1967 in Bad Wörishofen, ist ausgebildete Bürokauffrau, Wirtschaftsfachwirtin und Generationenmanagerin. Klaus Holetschek, geboren 21. 10. 1964 in Landshut, ist aufgewachsen in Bad Wörishofen. Er ist Rechtsanwalt, war ab 1981 in der Jungen Union und ist seit 1982 in der CSU. Wichtige politische Stationen: 1998–2002 Bundestagsabgeordneter, 2002–2013 Bürgermeister Bad Wörishofen, ab 2013 Landtagsabgeordneter, 2020 Staatssekretär (erst Bau, dann Gesundheit), seit Januar 2021 Staatsminister für Gesundheit und Pflege. Das Ehepaar Holetschek ist verheiratet seit dem 7. 10. 1989 und hat zwei Kinder (geboren 1996 und 1999), der Wohnsitz ist seit 2015 in Memmingen.