Kammermusik

"Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann"

Cuarteto SolTango in der Ehemaligen Synagoge Fellheim

Das Cuarteto SolTango (von links) Thomas Reif, Martin Klett, Andreas Rokseth und Karel Bredenhorst beim Konzert in der Ehemaligen Synagoge Fellheim.

Bild: Harald Holstein

Das Cuarteto SolTango (von links) Thomas Reif, Martin Klett, Andreas Rokseth und Karel Bredenhorst beim Konzert in der Ehemaligen Synagoge Fellheim.

Bild: Harald Holstein

Das Cuarteto SolTango begeistert in der Ehemaligen Synagoge Fellheim mit Virtuosität und umwerfend leidenschaftlichen Arrangements.  Hochkarätiger Cultura-Saisonauftakt.
20.10.2020 | Stand: 12:37 Uhr

„Der Tango argentino ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“, schrieb einst der Tangokomponist Enrique Santos Discépolo. Getanzt wurde beim ersten Konzert der Saison in der Ehemaligen Synagoge Fellheim freilich nicht, dafür begeisterte das Cuarteto SolTango mit melancholischer und hinreißend leidenschaftlicher Tangomusik. Damit startete die Cultura-Konzertreihe in die Saison 2020/21.

Das Quartett konzentriert sich ganz auf die Zeit, aus der auch das Zitat stammt: auf den klassischen Tango aus der Goldenen Ära der 1930er und 1940er Jahre in Argentinien und Uruguay. Ganz bewusst verzichtet das Ensemble auf Werke des avantgardistischen Tango Nuevo eines Astor Piazzolla, um den Ursprüngen und Klassikern von Anibal Troilo, Alfredo Gobbi und Horacio Salgán mehr Raum zu geben.

Nur vier Instrumente aus den sonst größeren Tango-Orchestern genügen, um ein kammermusikalisches Feuerwerk zu entzünden. In den Arrangements für Geige, Cello, Klavier und Bandoneon von Pianist und Ensemblegründer Martin Klett aus Hamburg wird die komplexe Musik transparent.

Mit Intensität und Hingabe

Die vier ausgezeichneten Instrumentalisten machen die klanglichen Überraschungen und übermütigen Akzente dieser Musik mit ihrer Intensität und Hingabe zu einem einzigartigen Hörgenuss. Ihre Präzision im Zusammenspiel, die Virtuosität bei den unberechenbaren Rhythmuswechseln, ihr Gefühl für die leidenschaftliche Dramatik und lyrische Poesie sind umwerfend.

Genussvoll spielen sie mit Tempo und Lautstärke. Mal bezaubert der niederländische Cellist Karel Bredenhorst mit einer Melodielinie, mal berührt Geiger Thomas Reif mit klagenden Solopartien. Gemeinsam finden sie zu verblüffend orchestraler Dichte. Stimmungsvoll spricht der hervorragende Bandoneonist Andreas Rokseth aus Norwegen den Text der „Milonga triste“ von Homero Manzi über schwermütig einsetzende Pianoklänge. Ebenso ergreifend läßt er den Tango „im Stil von Osvaldo Tarantino“ mit seinem Bandoneon in tiefgründiger Trauer verhauchen.

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Packend ist auch die einzige zeitgenössische Tango-Komposition von 2006. Das Stück „Chiru“ des Ensembles Astillero klingt kälter und härter, überzeugt aber mit seinen strengen Disharmonien und zwingenden Rhythmen.

Großer Jubel für die Meister an ihren Instrumenten

Schon mit 16 hat Pianist Martin Klett Tangos arrangiert. Im Musik- Studium wurde ihm klar, das ist sein Ding, sagt der 33-Jährige, deshalb gründete er 2008 das Cuarteto SolTango. Da er selbst auch leidenschaftlich Tango tanzt seit er 18 ist, hat er die Musik und seine Rhythmen im Blut. Das trifft auf alle vier Musiker zu, die Meister ihres Instruments sind und mit Eleganz, Kraft und Farbigkeit restlos begeistern. Obwohl die Zuschauerzahl auf 60 begrenzt werden musste, war der Jubel groß und das Quartett durfte erst nach zwei Zugaben die Bühne verlassen.

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