Unterallgäu

Die Bauern treibt die Angst um

2019-09-13 Gespräch_Landwirte

2019-09-13 Gespräch_Landwirte

Bild: Eva Büchele/Landratsamt

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Bild: Eva Büchele/Landratsamt

Landwirtschaft BDM-Vertreter befürchten im Gespräch mit Landrat und Veterinäramt überzogene Kontrollen
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Von mz
23.09.2019 | Stand: 15:17 Uhr

Tierschutz, die Blauzungenkrankheit und die Nitratbelastung im Wasser – diese drei Themen brennen den Unterallgäuer Milchbauern derzeit auf den Nägeln. Deshalb kamen Vertreter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) ins Landratsamt Unterallgäu, um mit Landrat Hans-Joachim Weirather und Vertretern des Veterinäramts das Gespräch zu suchen.

Manfred Gromer, Vorstandsmitglied des BDM, machte deutlich, die jüngsten Tierschutz-Kontrollen des Unterallgäuer Veterinäramts zusammen mit dem Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit verunsicherten die Landwirte zutiefst. Die Angst vor überzogenen Betriebskontrollen sei überall zu spüren. Weirather betonte: „Wer seinen Hof ordentlich führt – wie es die meisten Unterallgäuer Landwirte tun – der hat bei einer solchen Kontrolle nichts zu befürchten.“ Dr. Alexander Minich, Leiter des Unterallgäuer Veterinäramts, erklärte, Grundlage seien Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. „Bei Tierschutzkontrollen geht es unter anderem darum, zu überprüfen, ob die Tiere gut versorgt, korrekt untergebracht und gepflegt werden“, so Minich. Er riet den Landwirten, erkrankte oder gegebenenfalls auffällige Tiere immer rechtzeitig tierärztlich untersuchen zu lassen.

Die Landwirte sendeten auch eine klare Botschaft an die Europäische Union: „Wenn es in der Agrarpolitik so weitergeht, gehen die kleinen Familienbetriebe kaputt und der Trend geht weiter zu Großbetrieben“, so BDM-Vorstandsmitglied Josef Frey. Die Landwirte waren sich einig: Je größer der Hof, umso anspruchsvoller sei es, das Wohlergehen aller Tiere sicherzustellen.

Ein weiteres Thema war die Blauzungenkrankheit: Anfang des Jahres trat die Krankheit in Baden Württemberg auf. Seither ist ganz Schwaben Sperrgebiet, was den Handel mit Rindern einschränkt. Die Landwirte beklagten kostspielige Blutuntersuchungen, die Voraussetzung sind, um nicht geimpfte Kälber, deren Mütter keinen gesicherten Impfschutz haben, aus dem Sperrgebiet zu bringen. Der Markt sei quasi zusammengebrochen. Mastkälber seien derzeit nichts mehr wert. Allerdings konnte hier Veterinäramtsleiter Minich wenig Hoffnung machen: „Wir werden wohl die nächsten zwei Jahre Sperrgebiet bleiben.“ Mit den Verordnungen werde versucht, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Zum Thema Nitrat im Trinkwasser machte Weirather deutlich: Wer Gülle in der richtigen Dosierung als wertvollen Wirtschaftsdünger verwende, verursache keine erhöhte Nitratbelastung im Wasser. „Problematisch wird es, wenn mehr Gülle ausgefahren wird, als die Pflanzen aufnehmen können“. In diesem Fall könne es zu einem schädlichen Nährstoffeintrag ins Grundwasser und zur Belastung des Trinkwassers kommen.

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