Eine Ausstellung zum Mitmachen

„Du bist die Kunst“ in Ottobeuren: Wenn Besucher zu Kunstwerken werden

Ein Riesenspaß für Groß und Klein war die Mitmach-Illusion „Du bist die Kunst“ im Museum für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren (im Bild rechts Kunststudent Ziming Peng aus China, der die Ausstellung aufgebaut hat).

Ein Riesenspaß für Groß und Klein war die Mitmach-Illusion „Du bist die Kunst“ im Museum für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren (im Bild rechts Kunststudent Ziming Peng aus China, der die Ausstellung aufgebaut hat).

Bild: Martina Diemand

Ein Riesenspaß für Groß und Klein war die Mitmach-Illusion „Du bist die Kunst“ im Museum für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren (im Bild rechts Kunststudent Ziming Peng aus China, der die Ausstellung aufgebaut hat).

Bild: Martina Diemand

5000 Besucher kamen ins Kunerth-Museum in Ottobeuren, um übers Smartphone selbst Teil von großen Kunstwerken zu werden. Und sie entdeckten noch mehr.
10.11.2020 | Stand: 16:08 Uhr

Nur wenige Tage vor dem erneuten Kultur-Lockdown gingen termingerecht die Ausstellungen „Jugend“ von Diether Kunerth“ und „Du bist die Kunst“ mit Mitmach-Illusionen aus China im Museum für zeitgenössische Kunst in Ottobeuren zu Ende. Und zwar überaus erfolgreich: Gut 5000 Besucher strömten vom 25. Januar bis 25. Oktober in die Ausstellungshalle – obwohl sie zwei Monate davon ganz geschlossen war. „Man kann sich ausrechnen, wie viele Besucher ohne die Corona-Schließung noch gekommen wären“, zieht Museumsleiter Markus Albrecht jetzt Bilanz.

Vor allem Schulklassen, wie sie in der ersten Zeit häufig da waren, seien nach dem Lockdown komplett ausgeblieben. Dennoch ist Albrecht vollauf zufrieden mit der Besucherresonanz. „Wir haben unser Ziel, zusätzlich ein anderes Publikum als bisher und vor allem junge Leute und Familien ins Museum zu holen auf der ganzen Linie erreicht.“

Die Besucher posten ihre Fotos aus Ottobeuren auf allen Kanälen

Publikumsmagnet war dabei eindeutig die Mitmach-Ausstellung „Du bist die Kunst“, in der die Besucher selbst Teil von großformatigen Bilder werden konnten, die in einer speziellen 3-D-Schattentechnik gemalt sind: Sie fotografierten sich vor den Szenerien mit dem Smartphone oder Tablet, um das Ergebnis dann auf Instagram & Co. zu teilen. „Das hat die Leute magisch angezogen“, erzählt Albrecht. „Es war ein Wahnsinn, wie viele Bilder aus dem Museum auf allen Kanälen gepostet wurden.“

So viele Besucher wurden von diesem Museumsspaß angezogen, dass es zeitweise sogar schwierig wurde, sie gleichzeitig einzulassen, nachdem von der Staatsregierung Hygienemaßnahmen, Sicherheitsabstände und eine beschränkte Besucherzahl verordnet wurden. Höchstens 30 waren im unteren Stockwerk zugelassen, oben in der Kunerth-Ausstellung waren es 50. „Vor allem am letzten Ausstellungswochenende war noch noch mal richtig was los und es kam teilweise zu Wartezeiten“, sagt Albrecht und ergänzt: „Wenn unten voll war, haben wir die Leute erst einmal in die „Jugend“-Ausstellung nach oben geschickt.“ So fand auch Kunerths Kunst Bewunderer, die sich sonst vielleicht nicht an so hochkarätige Werke herangetraut hätten. Und andersherum ließ sich so mancher Kunstliebhaber von der lustigen Kunstaktion im Erdgeschoß faszinieren, der diese Familien-Ausstellung normalerweise nicht besucht hätte.

Auch bei der kommenden Ausstellung in Ottobeuren kann man selbst mitmachen

Auf Beteiligung setzt nun auch eine der beiden nächsten Ausstellungen im Museum für zeitgenössische Kunst. Zu Gast ist der international bekannte Künstler Thitz alias Matthias Schemel mit seiner „Tütenkunst“. Papiertüten sind aus dem Werk des Malers und Zeichners nicht wegzudenken. Sie werden zum Malgrund oder auf die Leinwand eingearbeitet, mal offensichtlich, mal versteckt. Passend dazu hat das Museum Papiertüten an die Bevölkerung verteilt, mit der Bitte, sie kreativ zu gestalten. Aus allen abgegebenen Tüten fertigt Thitz eine künstlerische Installation, die dann während der gesamten Ausstellung besichtigt werden kann. Diese Aktion ist auf enorme Resonanz gestoßen. „Wir haben über 3000 Tüten zurückbekommen“, berichtet Albrecht. Man darf gespannt sein, was Thitz nun daraus macht.

Zeitgleich stellt Diether Kunerth zum Thema „Zeichnung“ aus. Die Dominanz der Linie ist das, was eine Zeichnung ausmacht. Kunerth hat in seinem Schaffen der Zeichnung einen breiten Raum eingeräumt. In seinen bisherigen Ausstellungen waren sie nur eine Randerscheinung, nun widmet er seine 11. Schau im Museum für zeitgenössische Kunst ganz der Linie.

Die neuen Ausstellungen sollten eigentlich am 14. November starten. „Wir hoffen, dass wir sie am 3. Dezember eröffnen können“, gibt sich Albrecht zuversichtlich. Wie alle Akteure im Kulturbetrieb hat auch er mit der aktuellen, schwierigen Situation zu kämpfen. „Ich habe in den letzten Wochen mit vielen Künstlern und Musikern gesprochen“, sagt er. „Ihr Problem ist nicht nur, dass vieles ausgefallen ist, sondern dass inzwischen gar nichts mehr geplant wird.“

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