Seit einem Jahr im Amt

Egger Bürgermeister: „Jeder Tag ist wie ein Überraschungsei“

EG Bürgermeister

Seit gut einem Jahr lenkt Wolfgang Walter die Geschicke der Gemeinde Egg an der Günz. Unser Bild zeigt ihn an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Bild: Armin Schmid

Seit gut einem Jahr lenkt Wolfgang Walter die Geschicke der Gemeinde Egg an der Günz. Unser Bild zeigt ihn an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Bild: Armin Schmid

Zum Egger Rathauschef Wolfgang Walter kommen die Bürger auch mit dem einen oder anderen privaten Anliegen.
24.05.2021 | Stand: 12:15 Uhr

Vor einem Jahr hat es in einigen Unterallgäuer Gemeinden einen Wechsel an der Spitze gegeben. Langjährige und altgediente Bürgermeister schieden aus verschiedenen Gründen aus dem Amt aus. Ihre Nachfolger mussten sich in kürzester Zeit einarbeiten. Die Corona-Pandemie hat ihnen den Start in ihren neuen Beruf nicht gerade leicht gemacht. In einer kleinen Serie haben wir mit den „neuen“ Bürgermeistern beziehungsweise der „neuen“ Rathauschefin gesprochen. Dabei blickten sie auf ihr erstes Jahr als Gemeindeoberhaupt zurück. Im zweiten Teil geht es um Wolfgang Walter, Bürgermeister von Egg an der Günz.

Langeweile kommt im beruflichen Alltag des Egger Bürgermeisters nicht vor. Im Gegenteil. Wolfgang Walter hat oft das Gefühl, dass sich jeder Tag „wie ein Überraschungsei gestaltet und anfühlt“. Baumaßnahmen, Bürgergespräche, Behördenkontakte, das Durcharbeiten von Gesetzestexten und Verordnungen – die Themenfelder sind vielfältig. „Man weiß morgens nie, was alles auf einen zukommt.“ Letztlich haben sich nach mehr als zwölf Monaten Amtszeit auch eine Vielzahl an Erfahrungen dazugesellt. Dazu gehört beispielsweise, dass sich die Mühlräder im Verwaltungsbereich bisweilen etwas langsamer drehen. Ein Umstand, an den sich der 54-Jährige erst einmal gewöhnen musste. Nach rund 35 Jahren Arbeit in der freien Wirtschaft ist es für den Vater von drei erwachsenen Kindern oft schwer nachvollziehbar, wenn im Umfeld von Bürokratie und behördlichen Verwaltungsabläufen mehr Zeit verloren geht als seiner Ansicht nach nötig wäre. Die Corona-Pandemie macht das auch nicht einfacher.

Was dem Bürgermeister von Egg fehlt, ist die Bürgernähe

Was Wolfgang Walter fehlt, ist die Bürgernähe. „Letztlich sind es doch vor allem die persönlichen Kontakte, die das Amt eines Bürgermeisters ausmachen“. Gemeint ist da auch die Nähe zu den Bürgermeisterkollegen der Nachbargemeinden. Das gemeinsame Gespräch am Rande von Veranstaltungen fehlt und . ist einfach nicht möglich. „Der Erfahrungsaustausch ist komplett weggebrochen“.

Lesen Sie auch
##alternative##
Unterallgäu

Wo es in diesem Jahr trotz Corona Maibäume gibt und wo nicht

Gut verlaufen ist hingegen die Amtsübergabe durch seinen Vorgänger Franz Morath, der Wolfgang Walter bei Bedarf immer noch unterstützend zur Seite steht. Viel mehr Mails und Schriftverkehr machen den Alltag nicht einfacher. Es sei ein großer Aufwand, alles zu lesen, was im Hinblick auf die Gemeindeverwaltung, den Kindergarten und die Schule so alles an Information reinkommt. Anfeindungen, wie einige seiner Amtskollegen, hat er bislang nicht erleben müssen. Im Gegenteil. Die Bürger seien ihm bislang wohlgesonnen. Ein Umstand, der Walter auch freut. Schließlich sei es doch ein gutes Zeichen, wenn Bürger so viel Vertrauen haben, dass sie auch mit dem einen oder anderen privaten Problem zum Bürgermeister kommen.

Nachfrage nach Wohnraum vorhanden

Froh ist Walter, dass im Juli die Erschließung des Baugebiets Haldenweg startet. Die Nachfrage nach Wohnraum ist da. Vor allem die Anfragen aus dem Münchner Raum nehmen immer mehr zu. Dennoch soll der Wohnraum vorrangig an Einheimische vergeben werden. Was in Egg fehle, seien kleinere Mietwohnungen für Senioren, aber auch für junge Leute, die im Ort bleiben möchten, sich aber noch kein eigenes Haus leisten können. Ein runder Tisch zur Seniorenarbeit konnte bedingt durch Corona nicht fortgeführt werden. Was fehlt und gewünscht wird, sei ein Treffpunkt für ältere Mitbürger. Das letzte verbliebene Gasthaus habe leider nur noch sporadisch geöffnet. Nicht gut bestellt ist es auch um die Nahversorgung im Ort. Ein Ladengeschäft gibt es schon seit rund zwei Jahren nicht mehr. „Für einen Vollsortimenter ist Egg zu klein und uninteressant“, sagt Walter. Eine Anfrage bei Edeka beispielsweise sei abgelehnt worden. Das Käuferpotential zwischen Erkheim und Babenhausen sei offenbar zu klein.

Angesichts vieler Projekte und Aufgaben ist der Arbeitstag lang. Mehr als zwölf Stunden kommen schon zusammen, wenn man den Bürgermeister-Job ordentlich machen will. „Dennoch ist das eine abwechslungsreiche und interessante Arbeit, die ich gern mache“, sagt Walter.