Nahverkehr

Ein-Euro-Ticket in Buxheim auf der Kippe

Buslinie Buxheim

Noch können Bürger aus Buxheim für einen Euro mit dem Bus nach Memmingen fahren. Doch das Angebot könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Bis Ende Juni hat die Gemeinde nun Zeit, dem Landratsamt einen Alternativvorschlag zu unterbreiten.

Bild: Archivfoto: Uwe Hirt

Noch können Bürger aus Buxheim für einen Euro mit dem Bus nach Memmingen fahren. Doch das Angebot könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Bis Ende Juni hat die Gemeinde nun Zeit, dem Landratsamt einen Alternativvorschlag zu unterbreiten.

Bild: Archivfoto: Uwe Hirt

Das Unterallgäuer Landratsamt legt sein Veto gegen das ÖPNV-Projekt in Buxheim ein. Der Bürgermeister zeigt sich überrascht. Jetzt geht es um Alternativen.
25.06.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Um für die Buxheimer Bürger die Busfahrt nach Memmingen attraktiver zu machen, hat die Gemeinde vor über einem Jahr ein Pilotprojekt gestartet. Die Fahrt auf der Strecke von Buxheim nach Memmingen und umgekehrt kostet jeweils einen Euro für Erwachsene und 50 Cent für Kinder. Dafür übernimmt die Gemeinde die restlichen Kosten, was bei einem Erwachsenen 1,30 Euro pro Fahrt ausmacht, bei Kindern sind es 1,25 Euro. Zudem werden auch Einzelfahrten innerhalb Buxheims bezuschusst. Das Angebot wurde laut Bürgermeister Wolfgang Schmidt sehr gut angenommen. Innerhalb eines Jahres seien rund 900 Einzeltickets verkauft worden. Daher hatte der Gemeinderat vor Kurzem beschlossen, nach einjähriger Testphase das Projekt zu verlängern. Doch nun hat das Landratsamt sein Veto eingelegt. Eine Reaktion, die für Schmidt und die Gemeinderäte sehr überraschend kommt.

Angebot in Buxheim entspricht nicht den geltenden Tarifbestimmungen

Der Grund: Das Angebot entspricht nicht den geltenden Tarifbestimmungen. Zudem sei es immer wieder vorgekommen, dass Fahrgäste am ZOB Memmingen zusteigen, ein Ticket für einen Euro nach Buxheim lösen, aber danach im Stadtbereich wieder aussteigen, erklärt der ÖPNV-Beauftragte am Landratsamt, Helmut Höld, auf Anfrage. Diese Erfahrung hätten einige Busfahrer gemacht. Denn die Zonenfahrkarte für das Stadtgebiet sei vergleichsweise teurer. Er weist zudem darauf hin, dass das Tarifangebot „diskriminierungsfrei“ sein muss, also allen Fahrgästen zur Verfügung gestellt werden müsste. Höld würdigt aber gleichzeitig das große Engagement in Buxheim: „Wir sind schon froh, dass sich eine Gemeinde so um den ÖPNV kümmert und dafür auch Geld in die Hand nimmt. Das ist grundsätzlich ein guter Ansatz.“ Nun gelte es, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten, also auch der Verkehrsverbund Mittelschwaben (VVM), die Stadt Memmingen und auch das Busunternehmen, leben können. Bis Ende Juni hat die Gemeinde nun Gelegenheit, dem Landratsamt einen Alternativvorschlag zu unterbreiten.

„Wir erkennen das an, können es aber nicht ganz nachvollziehen“, betont Bürgermeister Schmidt. „Ich fand das einen tollen Beitrag für den ÖPNV und auch in Sachen Umweltschutz.“ Zudem seien die „Zusatzkosten für die Gemeinde leistbar“. „Die gesamten Mehrkosten für alle Zuschüsse der einzelnen Tarife sind mit rund 3300 Euro im vergangenen Jahr absolut tragbar.“ Entsprechend groß sei die Enttäuschung. Einem Vorschlag, den das Landratsamt in einem Schreiben der Gemeinde unterbreitet hat, steht er eher skeptisch gegenüber. So könnte sich die Behörde ein spezielles Ticket für 2,50 Euro vorstellen, das die Hin-, aber auch die Rückfahrt nach Buxheim umfasst. Schmidt hält dagegen, dass viele Bürger nur die einfache Fahrt nutzen würden – etwa weil sie dann in Memmingen wieder abgeholt werden oder anderweitig weiterfahren.

Buxheims Bürgermeister macht zwei Vorschläge

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Buxheim darf Ein-Euro-Ticket weiter anbieten

Ihm zufolge ist es daher weiter das Ziel der Gemeinde, an dem Ein-Euro-Ticket festzuhalten. Er hat auch seinerseits bereits mögliche Lösungen parat. So könnte er sich vorstellen, dass zumindest in Buxheim weiter das Ein-Euro-Ticket gelöst werden kann. Auf diesen Vorschlag angesprochen, sieht ÖPNV-Beauftragter Höld das Problem, dass es nicht plausibel sei, wenn dann wiederum die Fahrt zurück nach Buxheim teurer sei, obwohl es sich um dieselbe Strecke handelt.

Bürgermeister Schmidt schlägt weiter vor: „Vielleicht ist es auch möglich, dass der Fahrgast dem Busfahrer seinen Personalausweis zeigt, wenn er wieder zurück nach Buxheim fahren will.“ Höld glaubt, dass dies nicht genehmigungsfähig sei, da hier wiederum das Gebot der Diskriminierungsfreiheit ins Spiel komme. Zudem gebe in diesem Fall für den Fahrgast ja auch die Möglichkeit, nicht bis Buxheim zu fahren, sondern seine Fahrt zu unterbrechen beziehungsweise früher innerhalb Memmingens auszusteigen.

Noch ist laut Höld aber genug Zeit, um „Schritt für Schritt“ eine Lösung zu finden. Bis 31. Juli wird sich zunächst einmal für die Buxheimer Fahrgäste nichts ändern. Denn so lange gilt der Ein-Euro-Tarif noch in jedem Fall. „Es wäre schön, wenn wir das Modell beibehalten könnten“, sagt Bürgermeister Schmidt. Denn zahlreiche positive Rückmeldungen der Bürger hätten gezeigt, dass sie das Angebot gerne weiter nutzen würden.

Warum unser Redakteur Johannes Schlecker der Meinung ist, dass diese gute Idee der Gemeinde belohnt werden muss, lesen Sie hier.