Erinnerung

Ein Stück Heimat aus Memmingen

MM Plätzchen

Mit solchen Holzformen mit eingekerbten Mustern wird das leckere Backwerk geformt.

Bild: Hans-Ulrich Kley

Mit solchen Holzformen mit eingekerbten Mustern wird das leckere Backwerk geformt.

Bild: Hans-Ulrich Kley

Hans-Ulrich Kley lebt in Passau, backt allerdings Jahr für Jahr seine sogenannten „Leckerla“. Warum er die Holzformen dafür selbst schnitzen musste.
23.11.2021 | Stand: 20:00 Uhr

Die Vorweihnachtszeit ist für Hans-Ulrich Kley aus Passau eine besondere. Jahr für Jahr denkt er in dieser Zeit besonders an seine Heimat zurück – an Memmingen. Jahr für Jahr greift er dann zu Förmchen und Teig, holt das „uralte Rezept für Memminger Leckerla“ heraus.

So sehen die "Leckerla" aus.
So sehen die "Leckerla" aus.
Bild: Kley

„Schon als meine Oma Anfang des 20. Jahrhunderts eine junge Frau war, wurden in ihrer Familie zu Weihnachten Leckerla gebacken, und seit ich ein Kind war, gehörten sie – wenn der Honig, das Mehl, die Gewürze und das Kirschwasser aufzutreiben waren – unbedingt zum Backprogramm der Adventszeit. Ich sehe mich noch heute mit einem mindestens drei Meter langen Brett, auf dem die am Vortag geformten Leckerla lagen, vorsichtig von der Maximilianstraße in die Kuttelgasse zum Bäcker gehen, damit der sie in der Resthitze backt“, erzählt Kley.

Hans-Ulrich Kley
Hans-Ulrich Kley
Bild: Kley

Hans-Ulrich Kley wurde im Jahr 1940 in Memmingen geboren, absolvierte 1959 sein Abitur. Er studierte dann evangelische Theologie, wurde 1966 Lehrvikar in Memmingen. Nach weiteren Stationen verschlug es ihn und seine Frau Anneliese nach Passau, wo Kley von 1980 bis zum Jahr 2003 als Pfarrer arbeitete. 2003 ging er in den Ruhestand.

An den Adventswochenenden backen

Immer an den Adventswochenenden würde gebacken – bis zu 300 Stück der „Leckerla“ entstehen. Am Anfang stand diese Backaktion unter keinem guten Stern. Kley erklärt: „Um die Leckerla machen zu können, braucht es die hölzernen Modeln, in die der feste Teig hineingepresst wird. Davon gab es in meiner Familie nur wenige“. Er habe sich also auf die Suche begeben, um weitere der Holzformen aufzutreiben, wollte dazu damals auch eine Annonce in der Memminger Zeitung schalten. Er und seine Frau lebten damals in der Oberpfalz. Der Text: „Memminger Ehepaar im Oberpfälzer Exil sucht Leckerlesmodel zum eifrigen Gebrauch. Nachricht bitte an …“ Die Dame am Schalter wollte diese Anzeige aber nicht aufnehmen, vermutete dahinter zunächst etwas Unsittliches, bis die Aufklärung erfolgte, dass kein „leckeres Model“ gesucht werde, sondern die entsprechende Form für die „Leckerla“.

Das Schnitzen der Formen

Die Anzeige sei dennoch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. „Es blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem Schnitzen von Modeln anzufangen“, erzählt Kley, der sein „Stück Heimat“ auch an seine beiden Söhne und mittlerweile vier Enkelkinder weitergegeben hat. Er ergänzt: „Wir benutzen die Model Jahr für Jahr und sind beim Rühren und Kneten des Teiges und beim Formen der Leckerla ganz intensiv daheim in Memmingen.“

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