Heimertingen

Eisstand darf weiterhin öffnen

HM Lokales Eisstand von Kerstin Pester in Heimertingen

Kerstin Pester freut sich, dass sie ihren Eisstand in Heimertingen gemeinsam mit ihrem Mann Mario nun doch weiterbetreiben darf.

Bild: Siegfried Rebhan

Kerstin Pester freut sich, dass sie ihren Eisstand in Heimertingen gemeinsam mit ihrem Mann Mario nun doch weiterbetreiben darf.

Bild: Siegfried Rebhan

Lange sah es so aus, als müssten Kerstin und Mario Pester ihren Eisdiele in Heimertingen für immer schließen. Doch dann folgte eine Welle der Solidarität.
08.05.2021 | Stand: 07:00 Uhr

„Dieser kleine Eisstand bleibt für immer geschlossen...“ Diese Botschaft stand auf einem grünen Plakat, das bis vor Kurzem an der Hütte von „Claudia Soooofteis“ in Heimertingen angebracht war. Doch bevor nun Softeis-Fans, die bislang an sonnigen Sonntagen zu dem Stand spaziert oder geradelt waren, sich grämen und verzweifelt nach einem anderen Eisverkäufer ihres Vertrauens Ausschau halten, eines gleich vorweg. Die Geschichte endet für sie positiv. Aber der Reihe nach:

Eisverkauf ist nur ein Hobby

Seit über sechs Jahren betreibt die Familie Pester privat einen kleinen Eisstand in einem Wohngebiet – idyllisch gelegen in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Teich. Dafür haben sie eine Gartenhütte zu einer Eisdiele umfunktioniert. Der Eisverkauf ist für sie nur ein Hobby, wie Kerstin Pester betont. Er findet im Frühjahr und Sommer statt – immer sonntagnachmittags. Da es in der Umgebung kein vergleichbares Angebot gibt, erfreute sich der Stand einer immer größeren Beliebtheit. Mit einem solchen Besucherstrom hatte das Ehepaar niemals gerechnet, wie Kerstin Pester schon einmal gegenüber unserer Zeitung erklärt hatte.

Schließlich beschwerten sich jedoch Anwohner, da sie sich aufgrund des zunehmenden Kundenandrangs in ihrer Privatsphäre gestört fühlten. Im November 2020 befasste sich auch der örtliche Gemeinderat mit dem Eisstand. Eine Verkaufsgenehmigung sei 2015 vom damaligen Bürgermeister Jürgen Schalk erteilt worden, erklärte Rathauschef Josef Wechsel in der Sitzung. Allerdings ohne Gemeinderatsbeschluss. Der Verkauf wurde von den Räten in besagter Sitzung letztlich genehmigt, allerdings nur unter Auflagen. Schließlich wurden etwa die Öffnungszeiten um eine Stunde auf 14 Uhr nach hinten verlegt, um die Mittagsruhe nicht zu stören. Zudem muss die Straßenverkehrsordnung eingehalten werden. Somit stand einem weiteren Verkauf von Softeis eigentlich nichts mehr im Weg.

Betrieb des Eisstands in Heimertingen zunächst untersagt

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Kommentar

Eisstand ist ein Stück weit Werbung für Heimertingen

Doch dann kam Anfang März ein Schreiben vom Landratsamt, das den Betrieb zunächst komplett untersagte. Die Begründung: Das Grundstück liege im Geltungsbereich des Bebauungsplans „An der Brunnenstube“. Dabei handle es sich um ein allgemeines Wohngebiet. Und dort sind zwar „der Versorgung dienende Läden, Schank- und Speisewirtschaften“ zulässig. Da der Softeis-Verkauf jedoch nicht nur von Personen aus diesem Gebiet genutzt würde, werde der Betrieb untersagt – oder vielmehr die beantragte Nutzungsänderung eines Gartenhauses in einen Softeisverkauf. „Wir waren wohl auch durch Corona zu erfolgreich“, sagt Kerstin Pester.

Gasthaus-Betreiber bietet Stellplatz auf Parkplatz an

Als die Nachricht die Runde machte, folgte eine Welle der Solidarität. „Wir wurden immer wieder darauf angesprochen. Viele Kinder fragten, wann wir denn wieder öffnen.“ Die Familie Urban, die das Gasthaus Lamm in Heimertingen betreibt, bot den Pesters einen Stellplatz auf deren Parkplatz an. Ein ähnliches Angebot kam laut Kerstin Pester von zwei weiteren „Softeis-Fans“. Und Gemeinderat Clemens Bernhard wandte sich mit einer E-Mail direkt an Landrat Alex Eder. Darin macht er unter anderem deutlich, welche Bedeutung der Eisstand gerade für Familien mit Kindern habe. „Der Zuspruch, den wir erfahren haben, war einfach der Wahnsinn“, beschreibt Kerstin Pester die vergangenen Wochen. Mittlerweile hatte das Paar seinen Eisstand bereits zurückgebaut. Doch dann folgte die erlösende Nachricht. Erneut landete ein Brief vom Landratsamt im Postkasten der Pesters. Diesmal mit einer positiven Nachricht. Man werde zunächst von einer Nutzungsuntersagung absehen. Wie Christian Baumann, Baujurist am Landratsamt gegenüber der MZ erklärt, habe es sich dabei um einen „Ermessensentscheidung“ gehandelt.

Kerstin Pester jedenfalls freut sich schon auf Sonntag und vor allem auf die Kinder. „Denn wir machen das letztlich vor allem für sie.“

Wieso der Eisstand für die Umgebung ein Gewinn ist, erklärt Redakteur Johannes Schlecker in seinem Kommentar.