Hohe Lebensqualität und Familie vor Ort

Erst in die Ferne und dann wieder zurück in die Heimat Unterallgäu

Lena, Fabian, Barbara und Ferdinand Ripke sind wieder ins Unterallgäu zurückgekehrt – der hohen Lebensqualität wegen.

Lena, Fabian, Barbara und Ferdinand Ripke sind wieder ins Unterallgäu zurückgekehrt – der hohen Lebensqualität wegen.

Bild: Johann Stoll

Lena, Fabian, Barbara und Ferdinand Ripke sind wieder ins Unterallgäu zurückgekehrt – der hohen Lebensqualität wegen.

Bild: Johann Stoll

Warum es Menschen wieder zurück ins Unterallgäu zieht, nachdem sie anderswo Karriere gemacht haben. Zwei Beispiele, die die Stärken des Landkreises zeigen.
06.08.2022 | Stand: 13:24 Uhr

Im Ruhrgebiet ist vor ein paar Jahren ein kultiger Bildband über die 80er Jahre erschienen. Sein humorvoller Titel: „Woanders is auch scheiße!“ Dabei ist das Buch eine einzige Liebeserklärung an die Heimat, in dem Fall eben an das Ruhrgebiet und seine Menschen. Der Titel könnte aber auch augenzwinkernd für all jene stehen, die sich aufgemacht haben, die Welt zu entdecken, um dann irgendwann zurückzukehren.

Nach Schule und Ausbildung machen sich auch im Unterallgäu jedes Jahr Hunderte junger Menschen auf den Weg, die Welt zu erkunden. Die einen zieht es gleich nach Australien, um dort zu arbeiten und im Land herumzureisen. Andere sammeln als Au pair Erfahrungen in den USA, in England oder Frankreich.

Viele studieren. Sie müssen dann ohnehin in einer anderen Stadt Fuß fassen, sofern sie nicht pendeln wollen. So mancher kommt nicht wieder, weil der Job in einer anderen Stadt attraktiver scheint. Aber es gibt in jüngster Zeit eine Gegenbewegung. Frauen und Männer, die im Unterallgäu aufgewachsen sind und anderswo bereits beruflich sehr erfolgreich waren, zieht es wieder zurück in die Heimat. Was motiviert sie zu diesem Schritt? Wir haben mit ein paar von ihnen gesprochen.

Familie Ripke sind wegen der hohen Lebensqualität nach Mindelheim zurückgekommen

Da ist zum Beispiel Familie Ripke aus Mindelheim. Barbara und Fabian Ripke lebten bis vor einem halben Jahr noch in Immenstadt im Oberallgäu. Zuvor wohnten sie in Murnau und Innsbruck. Das sind alles schöne Orte zum Leben. Und doch sind sie zurückgekommen – der hohen Lebensqualität in Mindelheim wegen.

Dr. Fabian Ripke arbeitet inzwischen bei der Kauferinger Firma Corpuls, die Medizintechnik für den Notfall herstellt. Zusätzlich übernimmt er Schichten als Notarzt in Mindelheim.

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Barbara stammt aus Mindelheim, ihr Mann Fabian aus Pfaffenhausen. Die beiden kennen sich schon seit der Abiturzeit. In Innsbruck haben sie studiert – er Medizin, sie Architektur. Zuvor hat Barbara Ripke bereits Lehramt in Augsburg studiert und ihr Staatsexamen in den Fächern Mathematik und Sport erfolgreich abgelegt. Sie hat als Architektin am Starnberger See gearbeitet, könnte aber auch als Lehrerin wieder einsteigen. Das kann sie sich im neuen Schuljahr gut vorstellen. Erste Gespräche haben bereits mit dem Schulwerk der Diözese Augsburg stattgefunden.

Fabian wiederum hat seinen Doktortitel gemacht, am Unfallkrankenhaus in Murnau knapp drei Jahre auf der Intensivstation gearbeitet und war zuletzt Oberarzt am Immenstädter Krankenhaus. Warum nun also die Rückkehr?

Die Kinder sind der wichtigste Grund für die Rückkehr ins Unterallgäu

Beide sind 37 Jahre alt. Und beide nennen als wichtigsten Grund zwei Namen: Lena und Ferdinand. Das sind ihre dreijährigen Zwillinge. Die Großeltern leben hier, sagt Fabian Ripke. „Das ist ein großer Pluspunkt.“ Ihm und seiner Frau hätte auch die Ammersee-Gegend gut gefallen, weil sie beide gerne Wassersport betreiben. Aber letztlich gaben dann doch die alten Bindungen den Ausschlag: Neben der eigenen Familie sind es die Freunde seit Kindheitstagen. Sie sind ja nicht die Einzigen, die zurückkommen. Und mit alten Freunden ist es so, als seien sie immer da gewesen.

Während Fabian allerdings sagt, sie wären wohl nicht wieder nach Mindelheim gekommen, wenn die Kinder nicht auf die Welt gekommen wären, mochte das Barbara nicht ausschließen. Dabei sind beide keine Großstadtmenschen, sondern schätzen die Geborgenheit und Übersichtlichkeit einer Kleinstadt wie Mindelheim.

Das ist es auch, was die Familie Reimer wieder zur Rückkehr bewogen hat. 2004 hat Patrick Reimer seine Heimat- und Geburtsstadt Mindelheim verlassen, um in Düsseldorf den nächsten Schritt zu seiner mittlerweile beispiellosen Karriere als Eishockey-Profi machen zu können.

Patrick Reimer versucht, unter der Woche öfter in Mindelheim zu sein

Nach 18 Jahren in Düsseldorf und Nürnberg kehrte der 39-Jährige vor zwei Jahren mit seiner Familie nach Mindelheim zurück. Wobei: „So richtig bin ich noch gar nicht zurückgekommen“, sagt Reimer. Nachdem sein Vertrag beim DEL-Klub Nürnberg Ice Tigers um ein weiteres Jahr verlängert wurde, wird er während der Saison weiterhin in Nürnberg wohnen. „Ich versuche aber, unter der Woche öfter da zu sein. Das werden einige Zug- und Autofahrten mehr. Aber dann bin ich bei der Familie.“ Nach seiner Karriere wollen die Reimers fest in Mindelheim bleiben. „So ist der Plan.“

Schließlich wissen beide, was sie an Mindelheim – Anja Reimer stammt aus Salgen – und dem Unterallgäu haben. „Wir wissen, wo und wie schön wir aufgewachsen sind. Wir haben unsere Familien und Freunde hier und wollen, dass auch unser Sohn so eine schöne Kindheit hat.“

Allerdings war es nicht immer so klar, dass die Familie nach Mindelheim zurückkehrt. Schließlich haben auch Städte wie Düsseldorf oder Nürnberg ihren Charme. Aber die Anonymität in solch großen Städten ist nicht so seins. Als dann nacheinander die Hochzeit mit seiner Anja, die anstehende Geburt seines Sohnes und die Möglichkeit, in Mindelheim ein Eigenheim zu erwerben, hinzukamen, stand die Rückkehr fest. Allein ist er mit dieser Entscheidung nicht: „Ich sehe es bei vielen Freunden und Bekannten, dass sie nach dem Studium und ersten Arbeitsjahren wieder zurückkommen.“

Vor allem für junge Familien habe Mindelheim schließlich viel zu bieten. „Die Stadt hat eine gute Größe und ist sehr familienfreundlich: Das Freibad wurde erneuert, das sportliche Angebot ist sehr gut.“ Hinzu kommen noch neue Kindergärten und Schulen. Einzig die Eishalle fehlt eben immer noch.

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