Musikausbildung

Erwachsene ans Instrument: Musikkapelle in Lachen startet außergewöhnliches Projekt

KU  Interview Schneider Erhard

Erhard Schneider ist seit 2014 Dirigent der Musikkapelle Lachen. Mit einem ungewöhnlichen Projekt schlägt diese jetzt neue Wege ein, um Nachwuchs zu gewinnen.

Bild: Schneider/privat

Erhard Schneider ist seit 2014 Dirigent der Musikkapelle Lachen. Mit einem ungewöhnlichen Projekt schlägt diese jetzt neue Wege ein, um Nachwuchs zu gewinnen.

Bild: Schneider/privat

Dirigent Erhard Schneider erzählt, was den Anstoß für das neue Projekt bei der Musikkapelle im Unterallgäu gab und wie der Weg in die Bläserklasse aussieht.
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Von Martha Hänsler
31.08.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Mit einem ungewöhnlichen Projekt startet die Musikkapelle Lachen in den Herbst: Sie bietet künftig Musikausbildung für Erwachsene an. Wie es hierzu kam und warum es schwieriger geworden ist, Kinder und Jugendliche für ein Instrument zu begeistern, verrät Erhard Schneider, seit 2014 Dirigent der Unterallgäuer Musikkapelle.

Herr Schneider, Sie bieten Musikausbildung für Erwachsene an. Das ist eher ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Erhard Schneider: Die Idee entstand aus meiner Dirigentenfortbildung im Dialog mit einem Kollegen aus der Schweiz. In seinem Musikverein ist die Ausbildung von Erwachsenen eine elementare Ausbildungssäule, um neue Musiker für den Verein zu gewinnen. Wir wollen dieses Angebot nun auch hier in unserer Region machen.

Bislang hatten Sie – wie alle hiesigen Musikvereine – auf die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen gesetzt. Soll das so nicht weitergeführt werden?

Schneider: Doch, selbstverständlich werden wir weiterhin die Ausbildung für Kinder und Jugendliche schwerpunktmäßig betreiben. Das neue Projekt soll als Ergänzung und speziell für Erwachsene gelten. Wir wissen auch um die Situation, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr so einfach für den Musikunterricht begeistert werden können. Die Entscheidung für eine Ausbildung am Instrument erfordert eine konstante Zeit fürs Üben zuhause und obendrein ist Unterricht nötig: Das fällt manchmal schwer angesichts der Vielzahl von Freizeitangeboten. Hinzu kommt, dass aufgrund von Corona in zwei aufeinanderfolgenden Jahren keine Vorspielnachmittage oder Schulbesuche stattfinden konnten.

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Wie kommen Sie zu der Erkenntnis, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr so einfach für ein Musikinstrument begeistert werden können?

Schneider: In der heutigen schnelllebigen Zeit, in der es Angebote von allen Seiten gibt, wollen sich Kinder und Jugendliche – oft natürlich auch die Eltern – nicht mehr binden. Freizeitstress und Reizüberflutung sind häufig an der Tagesordnung und wie bereits erwähnt ist die Ausbildung an einem Instrument eine Zusage für einen längeren Zeitraum.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich

Soll Ihr Projekt nur für Interessierte aus Lachen angeboten werden?

Schneider: Nein, selbstverständlich nicht. Jeder und jede Interessierte aus der Region ist herzlich willkommen. Wir begrüßen alle Erwachsene, die den Traum verwirklichen wollen, ein Blas- oder Schlaginstrument zu lernen: unabhängig davon, welche musikalische Vorbildung besteht und auch wenn keine Vorkenntnisse vorhanden sind.

Ihr Blasorchester besteht bereits aus über 55 Musikerinnen und Musikern. Für ein kleines Dorf mit 1700 Einwohnern ist das doch sehr beachtlich ...

Schneider: Ja, das stimmt. Wir sind augenblicklich noch gut aufgestellt. Längerfristig betrachtet können wir den Stand jedoch nur halten, wenn wir den Bereich Nachwuchsausbildung mit viel Energie weiterbetreiben.

Und wie soll die Musikausbildung für Erwachsene konkret aussehen?

Schneider: Nach einer kurzen Ausbildungszeit mit Einzelunterricht bei qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern startet nach zwei Monaten das gemeinsame Musizieren in der Erwachsenen-Bläserklasse, die von mir geleitet wird. Quasi fast vom ersten Ton an in einer Bläserklasse zu spielen, macht großen Spaß und stärkt das Gruppengefühl.

Für welchen Zeitraum ist Ihr Projekt angelegt?

Schneider: Wir haben zunächst eine Dauer von zwei Jahren angesetzt.

Kontakt: Interessierte können sich an Luis Hänsler wenden, der das Projekt als Organisator und Ansprechpartner betreut: Theinselberg 3, 87760 Lachen, Telefon 08332/7575 oder per E-Mail an luis.haensler@mailbox.org.

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