Memmingen

Fast 100 Übergriffe in drei Jahren: Mann soll Tochter seiner Freundin missbraucht haben

Vor dem Memminger Landgericht begann der Missbrauchsprozess gegen einen 62-Jährigen Unterallgäuer.

Vor dem Memminger Landgericht begann der Missbrauchsprozess gegen einen 62-Jährigen Unterallgäuer.

Bild: David-Wolfgang Ebener/dpa (Archiv)

Vor dem Memminger Landgericht begann der Missbrauchsprozess gegen einen 62-Jährigen Unterallgäuer.

Bild: David-Wolfgang Ebener/dpa (Archiv)

Beim ersten Übergriff war das Mädchen aus dem Unterallgäu zwölf Jahre alt. Nach drei Jahren vertraute sie sich ihrem Freund an. Wie der Angeklagte sich vor Gericht äußert.
19.08.2020 | Stand: 17:07 Uhr

Als der Missbrauch angefangen haben soll, lag das Mädchen gemeinsam mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten auf einer großen Matratze. Nach Auffassung der Memminger Staatsanwaltschaft berührte der Mann die damals Zwölfjährige mehrere Minuten im Genitalbereich. Ihre Mutter habe davon wegen ihres festen Schlafs nichts mitbekommen.

Laut Staatsanwaltschaft war dies der Anfang einer Serie von Übergriffen. Über drei Jahre habe der Mann die Tochter seiner Lebensgefährtin insgesamt fast 100 Mal missbraucht. Am Memminger Landgericht begann nun der Prozess gegen den 62-jährigen Unterallgäuer.

Der Mann war oft mit dem Mädchen allein

Laut der Staatsanwältin zog die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten im Jahr 2016 mit ihrer zwölfjährigen Tochter und einem jüngeren Sohn zu dem Mann in eine Unterallgäuer Gemeinde. Wenige Monate später sei es dort zum ersten Übergriff gekommen. Da der Mann damals bei einem Sicherheitsdienst vor allem nachts arbeitete, war er tagsüber regelmäßig allein mit dem Mädchen daheim. Erneut wenige Monate später soll der Mann das erste Mal Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gehabt haben. Er setzte die Tochter der Lebensgefährtin – für die er laut Staatsanwaltschaft eine Vaterfigur war – unter Druck, indem er sie abweisend behandelte, nicht mit ihr redete und drohte, sie aus dem Haus zu werfen, falls sie ihrer Mutter von den Vorfällen erzählen werde. Zu körperlicher Gewalt sei es nicht gekommen.

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2017 zogen der Mann, seine Lebensgefährtin und die beiden Kinder dann in ein Haus in einer anderen Unterallgäuer Gemeinde. Dort gingen die Übergriffe weiter. Mehrmals rief der Mann die Tochter seiner Lebensgefährtin zudem von unterwegs an und sagte ihr, sie solle schon einmal duschen, damit sie für ihn bereit sei. So auch an einem Tag im Dezember 2019. Da hatte sich die mittlerweile 15-Jährige jedoch zuerst ihrem Freund und danach ihrer Mutter anvertraut. Wenige Tage später wurde der Mann festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Verhältnis zu eigenen Kindern sei "sehr eng"

Vor Gericht erzählte der Mann unter Tränen, dass sein Vater gestorben sei, als er elf Jahre alt war. Seine Mutter habe ihn und seine beiden Geschwister alleine großziehen müssen. Er selbst war dreimal verheiratet. Zu dreien seiner Kindern habe er keinen Kontakt mehr. Anders als zu seinem Sohn (21) und seiner Tochter (17) aus dritter Ehe. Das Verhältnis zu diesen beschrieb der Angeklagte als „sehr eng“.

Der Verteidiger des Mannes brachte beim Prozessauftakt eine Verständigung ins Spiel: Sein Mandant sei bereit, ein Geständnis abzulegen, um dem Mädchen eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Der Verteidiger sprach dabei von weniger Fällen, als von der Staatsanwaltschaft aufgeführt. Der Vorsitzende Richter Christian Liebhart stellte dafür eine Haftstrafe zwischen acht Jahren sowie acht Jahren und neun Monaten in Aussicht. Diesem Vorschlag stimmten alle Beteiligten zu. Der Prozess am Memminger Landgericht wird fortgesetzt.