Entsetzen im Unterallgäu

Feuerwehrleute werden bei Einsatz von Passanten beschimpft - Kommandant reagiert erschüttert

Symbolbild - Feuerwehr

Die Feuerwehr hilft nicht nur beim Brand löschen, sondern kommt auch bei anderen Schwierigkeiten. Auch potenzielles Gefahrengut, wie die Flüssigkeit auf der Illerbrücke, wird zunächst von der Feuerwehr geprüft.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die Feuerwehr hilft nicht nur beim Brand löschen, sondern kommt auch bei anderen Schwierigkeiten. Auch potenzielles Gefahrengut, wie die Flüssigkeit auf der Illerbrücke, wird zunächst von der Feuerwehr geprüft.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Bei einem Einsatz bei Lautrach müssen Feuerwehrleute Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Der Kommandant erzählt, was das für Betroffene bedeutet.
02.07.2021 | Stand: 09:49 Uhr

Eine grüne Flüssigkeit auf dem Boden sorgte vor Kurzem auf den Illerbrücke bei Lautrach für Aufregung. Die unbekannte Substanz wurde der Feuerwehr Lautrach gemeldet, die sich dafür entschied, die Brücke zu sperren – bis klar war, ob von der Flüssigkeit eine Gefahr für die Umwelt oder die Gesundheit ausgeht. „Bei einer unklaren Sachlage – wie in diesem Fall – geht man von mindestens 50 Metern Sicherheitsabstand aus“, erklärt Kommandant Christian Heuß von der Feuerwehr Lautrach. „Wir haben also im Bereich von 100 Metern alles gesperrt, da war dann von beiden Seiten kein Durchkommen.“

Kommandant erschüttert über Beschimpfungen

Dieser Entschluss behagte jedoch einigen Passanten überhaupt nicht – sie begannen, die Feuerwehrleute zu beschimpfen. Egal ob Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer – die gesperrte Brücke sorgte für erhitzte Gemüter. „Ich bin Beschwerden schon gewohnt. In den 15 Jahren bei der Feuerwehr braucht man manchmal ein dickes Fell, aber in diesem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt“, sagt der 43-Jährige erschüttert.

Trotz wiederholter Ermahnungen: Passant nähert sich der Gefahrenstelle

Heftige Diskussionen mit Verkehrsteilnehmern waren die Folge der Straßensperre, viele Beschimpfungen und obszöne Gesten erhielten die Feuerwehrleute zum Dank. Sogar einen Platzverweis mussten sie erteilen. „Es ist schon sehr dreist, wenn sich jemand – trotz wiederholter Aufforderungen dies zu unterlassen – der Gefahrenstelle nähert, um Fotos zu machen. Und dann beschwert man sich darüber, dass einem die Feuerwehr zu nahe kommt, und den Corona-Abstand nicht einhält.“

Feuerwehr: "Wir machen das freiwillig und wollen uns nicht beschimpfen lassen"

Heuß kann nicht verstehen, wie man den Feuerwehrleuten so respektlos entgegentritt. Er hat Verständnis für Wut und Frust über die Einschränkung, aber: „Wir engagieren uns freiwillig in der Feuerwehr und eine Straße sperren wir nicht aus Spaß an der Freude ab. Wir haben auch besseres zu tun, als zweieinhalb Stunden in der Hitze zu stehen und uns von Passanten beschimpfen zu lassen. Zumal wir das für den Schutz der Bürger und der Umwelt machen.“

Feuerwehr Memmingen: Aggression sei selten

Kommandant Raphael Niggl von der Memminger Feuerwehr hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Beschwerden meist gegen die Maßnahmen, nicht gegen die Personen richten. „Sobald die Maßnahmen die Freiheiten des Einzelnen einschränken, beispielsweise durch Sperrungen, heizt das natürlich die Stimmung an. Da kann sich dann die Wut über die Maßnahme gegen die ausführenden Personen richten.“Er selbst habe glücklicherweise noch keine solchen Erfahrungen machen müssen. „Beschwerden kommen vor“, sagt der Kommandant, „aber aggressiv und beleidigend hat sich mir gegenüber noch niemand geäußert.“

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Trotzdem beobachtet Niggl Unzufriedenheit und damit verbundene Äußerungen schon länger. Dass Corona ein solches Klima verstärkt haben könnte, schließt er nicht aus. Für Kommandant Heuß ist Corona auf jeden Fall ein Brandbeschleuniger. Er habe das Gefühl, die Leute seien unzufriedener und leichter reizbar.

Mögliche Integration von De-Eskalationstrainings?

Anders als bei der Polizei ist ein De-Eskalationstraining bei der Feuerwehr nicht in der Ausbildung integriert. Doch sollte sich der Beschimpfungs-Trend auch für die Feuerwehr verschlimmern, kann sich Raphael Niggl durchaus vorstellen, dass ein solches Training Teil der Ausbildung wird.

Die Sperrung in Lautrach wurde übrigens nach zweieinhalb Stunden wieder aufgelöst. Bei der neonfarbenen Flüssigkeit handelte es sich um sogenanntes Uranin, welches in Rohrleitsystemen verwendet wird, um undichte Stellen zu finden. Glücklicherweise sei die Substanz laut Wasserwirtschaftsamt weder umwelt- noch gesundheitsschädlich.

Wie Redaktionsmitglied Theresa Osterried den Fall beurteilt, lesen Sie hier.