Heimat

Film über das Günztal folgt dem „Fluss der Zeit“

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In einem Zeitraum von drei Jahren drehten (von links) Regisseur Stefan Hämmerle mit Hauptdarsteller Clemens Pfalzer, Filmer Martin Link und Filmer Emrah Atasoy einen Film über die Welt entlang der Günz. Einen Auftritt hat dabei auch Hans Vogel (Dritter von links) in seinem früheren Sägewerk.

Bild: Josef Diebolder

In einem Zeitraum von drei Jahren drehten (von links) Regisseur Stefan Hämmerle mit Hauptdarsteller Clemens Pfalzer, Filmer Martin Link und Filmer Emrah Atasoy einen Film über die Welt entlang der Günz. Einen Auftritt hat dabei auch Hans Vogel (Dritter von links) in seinem früheren Sägewerk.

Bild: Josef Diebolder

Kreative aus der Region haben eine Dokumentation über Landschaft, Kirche und Handwerk von einst in eine Geschichte verpackt. Wann und wo der Film zu sehen ist.
27.10.2021 | Stand: 16:30 Uhr

Das Einzigartige von Westerheim, Rummeltshausen und Günz an der Günz festhalten: Daran haben Regisseur Stefan Hämmerle und ein Team von Kreativen aus der Region mit ihrem Hauptdarsteller Clemens Pfalzer über drei Jahre hinweg gearbeitet. Im Film „Am Fluss der Zeit“ wird im Günztal eine Welt lebendig, die allmählich verschwindet. Der Einfall, einen Hirten – oder besser: „Hüatabua“ – als Hauptfigur agieren zu lassen, kam Hämmerle beim Besuch des Hirtenmuseums in Ebenhofen. Es war für ihn eine Begegnung mit der Zeit der Viehhirten von einst – und mit ihrem freien Leben.

Film über das Günztal: Hauptfigur ist ein Hirte

Bis vor einigen Jahrzehnten noch gehörten zu den Dörfern die Landwirtschaft, aber auch viel Handwerk – vom Schmied bis zum Brauer oder Bäcker. Die Orte waren geprägt durch eine eng verbundene Gemeinschaft, die sich selbst versorgte. Zentrale Punkte bildeten die Kirche, die Schule und Gasthäuser. Der Hauptdarsteller nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf seiner Reise, bei der er diese Lebenswelt erkundet.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Stefan Hämmerle während einer Kaffeepause bei der Arbeit. Dort traf er Kollegen und bei dem kleinen „Hoigata“ ging es um eine gemeinsame Leidenschaft: das Filmemachen. Den Roten Faden bei dem Vorhaben bildete die Strategie, beim Filmen dem Flusslauf zu folgen.

Ein Drehbuch gab es nicht - dafür viel Spontaneität

Auf Anhieb begeisterten sich dafür Martin Link als Fotograf und Videograf und auch Emrah Atasoy, der mit seiner Flugdrohne dabei war. Mit Clemens Pfalzer, damals Azubi, war der Hauptdarsteller gefunden, als Sprecher brachte sich Steven Lebrecht ein. Entgegen allen Prinzipien des professionellen Filmens – mit einem Drehbuch, das alle Schritte vorgibt – hätten sie sich einfach spontan auf den Weg gemacht und bei Hawangen am Hundsmoor zu filmen begonnen, erzählt Martin Link.

Unterstützung gab es von der Stiftung Kulturlandschaft Günztal

Die Tür ins Günztal öffneten ihnen zwei Vertreter der „Stiftung Kulturlandschaft Günztal“: der zweite Vorsitzende German Weber und Peter Guggenberger-Waibel. In dieser Landschaft beginnt für den Hauptdarsteller seine Wanderung – sie führt den Hirten zu Naturerlebnissen, Begegnungen mit Tieren und weiter in die Orte. Die Bilder machen deutlich, wie sich die Dörfer verändert haben. So darf inzwischen selten gewordenes Handwerk nochmals aufleben. Zum Beispiel in der „Pfisterschmiede“ in Günz, wo der Hufschmied ein massiges Kaltblutpferd beschlägt.

Ein altes Sägewerk wurde reaktiviert

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Einen Abstecher macht der neugierige Hirte auch zu den Brüdern Hans und Andreas Vogel. Neben Landwirtschaft und Mühle betrieben sie bis zuletzt ein Sägewerk. Für den Film haben sie es nochmals aktiviert und führten vor, wie das Sägegatter durch Wasserkraft der Günz betrieben wird. Der sichtbare Zeitenwandel stimmt Andreas Vogel nachdenklich: „Irgendwann ist Schluss. Vieles gibt es nicht mehr. Ohne diesen Film wäre es verloren für die Ewigkeit.“

Filmemacher besuchten auch die Kirche in Westerheim

Ein Besuch am „Bierkeller“ von Günz rückt Kirchenpfleger und Jäger Martin Glöckler in den Mittelpunkt. Der Heimatforscher lässt eine alte Sage von einem Mönch und Raubrittern, sowie die Geschichte vom „Teufelsloch“ aufleben. Auch erzählt er, dass Steine der alten Ritterburg in der Kirche Peter und Paul verbaut sind. Station macht der Hirte auch beim Westerheimer Gotteshaus Mariä Himmelfahrt – und erfährt von Pfarrgemeinderatsvorsitzender Irmgard Briechle viel über die Kirchengeschichte.

„Am Fluss der Zeit“ ist für Filmemacher Martin Link ein vieldeutiger Titel – er steht auch dafür, Vergangenes wieder lebendig zu machen. Mit großer Freude erfüllt ihn, dass sich so viele aus der Bevölkerung beteiligt haben und so ist laut Link „etwas Einzigartiges für die Region“ entstanden.

Termine: Der Film wird am Samstag und Sonntag, 6. und 7. November, jeweils um 15.30 und 19.30 Uhr in „Laupheimers Feststadl“ gezeigt. Weitere Infos und Karten gibt es hier.

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