Berufung wurde in Memmingen abgelehnt

Urteil im Fischertagsprozess gefallen: Frauen dürfen fischen - Klägerin: "Bin extrem glücklich"

Das Urteil ist gefallen: Künftig dürfen Frauen beim Fischertag in Memmingen in den Bach jucken. Klägerin Christiane Renz (links im Bild) hat Recht bekommen.

Das Urteil ist gefallen: Künftig dürfen Frauen beim Fischertag in Memmingen in den Bach jucken. Klägerin Christiane Renz (links im Bild) hat Recht bekommen.

Bild: Ralf Lienert

Das Urteil ist gefallen: Künftig dürfen Frauen beim Fischertag in Memmingen in den Bach jucken. Klägerin Christiane Renz (links im Bild) hat Recht bekommen.

Bild: Ralf Lienert

Das Landgericht hat entschieden: Frauen dürfen künftig beim Fischertag in Memmingen fischen. Die Berufung wurde abgelehnt.
28.07.2021 | Stand: 13:41 Uhr

Artikel aktualisiert um 12 Uhr - Sichtlich erleichtert und mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen beantwortet Christiane Renz die Fragen der Journalisten im Gerichtssaal: „Ich bin gerade extrem glücklich und sehr froh, dass ich nun beim Fischertag mitmachen darf.“ Kurz zuvor hatte das Landgericht Memmingen die Berufung des Fischertagsvereins gegen ein Urteil des Amtsgerichts zurückgewiesen und wie folgt entschieden: „Die Klägerin hat einen Anspruch, in die Fischertagsgruppe der Stadtbachfischer aufgenommen zu werden und darf beim jährlichen Ausfischen des Stadtbachs nicht wegen ihres weiblichen Geschlechts ausgeschlossen werden.“

Antrag auf Gleichberechtigung wurde zuvor beim Verein abgelehnt

Tierärztin Christiane Renz ist seit vielen Jahren Mitglied im Fischertagsverein und hatte vor ihrer Klage bereits zweimal beim Verein vergeblich beantragt, dass auch Frauen beim Bachausfischen mitmachen dürfen. Ihre Anträge wurden beide Male mit großer Mehrheit von der Delegiertenversammlung des Vereins abgelehnt. Und zwar mit Verweis auf die Vereinssatzung, laut der nur Männern und Buben am Fischertag in den Bach jucken und Forellen fangen dürfen. Schließlich klagte Renz und bekam im Jahr 2020 vor dem Amtsgericht Memmingen Recht. Gegen das Urteil legte der Verein Berufung ein, die nun vom Landgericht zurückgewiesen wurde.

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Memmingen: Urteil im Fischertagsprozess gefallen

Gericht: " Verstoße gegen das Recht der Vereinsmitglieder auf Gleichbehandlung“

In der Begründung des Urteils legte Landgerichtspräsident Konrad Beß vor etwa 20 Medienvertretern und ebenso vielen Zuhörern ausführlich dar, warum Christiane Renz einen Anspruch hat, in die Gruppe der Stadtbachfischer aufgenommen zu werden. „Ein Aufnahmeanspruch der Klägerin ergibt sich nach Auffassung des Berufungsgerichts wegen eines Verstoßes des Fischertagsvereins gegen das Recht der Vereinsmitglieder auf Gleichbehandlung“, sagte Beß. Nach seinen Worten behandelt der Verein weibliche Mitglieder anders als männliche, „ohne vereinsrechtlich dafür einen sachlichen Grund zu haben“. Denn ein Sonderrecht für Männer wäre vereinsrechtlich nur dann zulässig, sofern die Ungleichbehandlung vom Vereinszweck gedeckt wäre. Und das ist nach Auffassung des Gerichts hier nicht der Fall. Laut Satzung sei der Vereinszweck der Dienst für Heimatpflege, Heimatkunde, Kultur und Umweltschutz. „Im Kern geht es somit um das Erinnern an die jahrhundertealte Tradition des Bachausfischens“, sagte Beß: „Nicht aber darum, an eine althergebrachte Rollenverteilung der Geschlechter zu erinnern.“ (Lesen Sie auch: Aktuelle Reaktionen auf das Fischertagsurteil)

Am Ende unterstrich der Landgerichtspräsident noch, dass der Aufnahmeanspruch von Frauen in die Fischergruppe schon aus vereinsrechtlichen Gründen besteht. Daher habe das Gericht es offen gelassen, ob Artikel 3 des Grundgesetzes – in dem die Gleichberechtigung der Geschlechter festgeschrieben ist – auch im Privatrecht anzuwenden ist.

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Fischertag in Memmingen 2019

Nimmt Fischertagsverein Urteil an? Entscheidung am Donnerstagabend

Nach der Urteilsverkündung steht Vereinsvorsitzender Michael Ruppert den Journalisten ebenfalls Rede und Antwort: „Wir hätten uns natürlich einen anderen Ausgang gewünscht, weil wir die Vereinsautonomie höher eingeschätzt haben.“ Dennoch spricht er von einer „guten Urteilsbegründung“ durch das Gericht. Ihm und seinen Mitstreitern im Verein sei es bei der Berufung auch darum gegangen, die Einschätzung einer weiteren Instanz zu hören. Ob der Fischertagsverein das Urteil annimmt oder noch einmal die nächste Instanz anruft, wird voraussichtlich am Donnerstagabend, 29. Juli, entschieden. Dann trifft sich die Delegiertenversammlung des Vereins und stimmt über das weitere Vorgehen ab. Das Landgericht hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls eine Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Somit könnte das letzte Wort noch nicht gefallen sein.

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