Memmingen

Fitnessstudios: Betreiber kritisieren Corona-Maßnahmen

Der Griff zur Hantel kann derzeit nicht in den Fitnessstudios erfolgen. Diese haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Der Griff zur Hantel kann derzeit nicht in den Fitnessstudios erfolgen. Diese haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Bild: Ulrich Wagner

Der Griff zur Hantel kann derzeit nicht in den Fitnessstudios erfolgen. Diese haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Bild: Ulrich Wagner

Der zweite Lockdown führt zu einem Kampf ums wirtschaftliche Überleben. Welche Auswirkungen die verordnete Schließung hat.
Der Griff zur Hantel kann derzeit nicht in den Fitnessstudios erfolgen. Diese haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen.
Von Dominik Prähofer
15.12.2020 | Stand: 15:00 Uhr

Schwitzende Sportler, die gezielt ihre Adduktoren trainieren, ihren Bizeps-Muskel herausfordern oder am Laufband ehrgeizig an ihrer Ausdauer arbeiten: All das ist Alltag in den Fitnessstudios unserer Region. Normalerweise. Wenn da nur nicht die Corona-Pandemie wäre. Nach dem im Frühjahr von der bayerischen Staatsregierung verhängten harten Lockdown legt derzeit auch der zweite Lockdown die Memminger Fitnessstudios völlig lahm. Die Eingangstüren sind verriegelt, die Lichter gelöscht, die Trainingsgeräte stehen still – und dies mindestens noch für einige Wochen. Die Betreiber der Fitnesstempel leiden nach eigenen Angaben massiv unter den wirtschaftlichen Folgen. Die Memminger Zeitung hat bei drei Studios nachgefragt.

Mit welchen Umsatzeinbußen rechnen Sie für das zu Ende gehende Jahr?

Rückgang von 70 bis 80 Prozent befürchtet

Günter Schier, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb von „Rehafitness Memmingen“, befürchtet einen Rückgang von 70 bis 80 Prozent. Nicht ganz so dramatisch schätzt Jürgen Wolfram die Lage ein. Der Inhaber des „H³O“ rechnet mit 45 Prozent Umsatzeinbußen, betont aber: „In den nächsten Jahren wird es nicht besser werden, weil uns zahlreiche Mitglieder fehlen.“ Jenny Abele von der „Fit & Fun Factory“ kann das Ausmaß noch nicht genau taxieren. „Was wir allerdings wissen, ist, dass unsere Einbußen enorm sein werden.“

Der Freistaat Bayern hat Staatshilfen in Höhe von 75 Prozent zur Kompensation der Folgen der zweiten Schließung versprochen. Ist die Unterstützung bei Ihnen angekommen?

Günter Schier antwortet: „Nun, anfangs waren die Server überlastet, sodass man keine Anträge stellen konnte. Inzwischen konnte unser Steuerberater das erledigen.“ Jürgen Wolfram sagt: „Momentan kann nur eine Anfangszahlung von 5000 bis 10 000 Euro beantragt werden. Das reicht aber gerade mal für unsere Studenten und Azubis.“ Wann die Unterstützung tatsächlich fließe, sei „unbekannt“, so Wolfram weiter. Der „Chef“ des H³O erklärt: „Nach der Verlängerung des Lockdowns bis in den Januar hinein benötigen wir die Kompensationsgelder dringend und zügig.“ Jenny Abele ist angesäuert: „Es ist eine Frechheit, so etwas groß in den Medien anzukündigen. Und dann kann man die Leistungen wochenlang nicht beantragen und muss für einen Antrag einen Steuerberater einschalten und diesen dann auch noch selbst bezahlen.“

Haben Sie die zugesagten Soforthilfen zu Beginn der Pandemie erhalten?

Abele sagt, dass ihr Unternehmen bis dato keinerlei Hilfsgelder erhalten habe. Ganz anders fällt die Reaktion von „Rehafitness-Macher“ Günter Schier aus: „Die Zahlung erfolgte schnell und vollständig.“ Und Jürgen Wolfram sagt: „Ja, wir haben im April einen Teil der Soforthilfen bekommen.“

"Unsere Geräte werden permanent desinfiziert"

Viele Fitnessstudio-Betreiber behaupten, ihre Trainingsräume seien keine Corona-Hotspots. Würden Sie dies bestätigen?

Schier: „Wenn man ein kluges Hygienekonzept anwendet, ist das Risiko relativ gering.“ Wolfram verweist auf „zahlreiche Studien, die dies bestätigen“. Die Infektionsrate bewege sich bei 0,78 bei 100 000 Besuchen. „Wir können sekundengenau nachvollziehen, wann bei uns welcher Kunde im Haus war. Abstände werden eingehalten, die Geräte werden permanent desinfiziert. Außerdem haben wir mehr als 30 000 Euro in Aerosol-Geräte und in eine Anti-Viren-Beschichtung investiert.“ Abele meint: „Es gibt deutschlandweit keinen einzigen Fall, bei dem die Infektion nachweislich in einem Fitnessstudio stattgefunden hat.“

Die Politik betrachtet Fitnessstudios bislang offenbar als Freizeit-, jedoch nicht als Gesundheitseinrichtungen. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

„Stimmt leider, hier sollte auf jeden Fall differenziert werden“, meint Schier. Jürgen Wolfram ärgert sich: „Beim ersten Lockdown waren wir in derselben Schublade wie Casino, Freizeitpark und Prostitution.“ Bundesregierung und Krankenkassen würden, so Wolfram weiter, in den nächsten Monaten schon noch merken, wie wichtig das Training in den Studios sei.

"Wir haben unsere Anlage modernisiert"

Trotz aller Ärgernisse: Hat Ihnen die Krise auch irgendetwas Positives gebracht?

Frustriert sagt Schier: „Nein, leider nicht. Kurz vor der Pandemie haben wir unsere Anlage noch für 300 000 Euro modernisiert. Dies könnte uns jetzt zum Verhängnis werden.“ Wolfram betont: „Wir haben zum Beispiel fast alle Räumlichkeiten renoviert und grundgereinigt, die Digitalisierung vorangetrieben, Mitarbeiter aus- und weitergebildet, Abläufe optimiert.“ Jenny Abele berichtet von vergleichbaren Maßnahmen.