Memmingen

Flotter Start in die Saison

Eishockey Die Indians verlieren ihr erstes Testspiel gegen Kaufbeuren mit 2:3. Nach einem frühen 0:3-Rückstand wäre ihnen kurz vor Schluss sogar beinahe noch der Ausgleich gelungen
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Von Manfred Jörg
05.09.2019 | Stand: 15:13 Uhr

„Flie-gen-fänger! Flie-gen-fänger!“ Diese Höchststrafe für einen Eishockey-Torhüter verhängte der umfangreiche und lautstarke Fanblock des ESV Kaufbeuren bereits in der dritten Spielminute gegen den Memminger Goalie Joey Vollmer. Was war geschehen? Im ersten Testspiel der neuen Saison (Endstand: 2:3) hatten mehrere Mitglieder der Indians-Verteidigung offenbar die Sommerpause einfach eigenmächtig verlängert. Ehe sie richtig auf dem Eis standen, lagen sie gegen den DEL 2-Klub, der ohne sechs Stammspieler angetreten war, bereits mit 0:2 zurück.

Der Torhüter des Oberligisten machte bei beiden Treffern – charmant ausgedrückt – nicht die allerbeste Figur. Wobei man fairerweise hinzufügen muss, dass Jonas Wolter bei Tor Nummer zwei abgezockt abgefälscht hatte. Nachdem der Finne Jere Laaksonen in der elften Spielminute das 3:0 für die Kaufbeurer besorgt hatte, dachte man als unabhängiger Beobachter auf der Tribüne schon: Das gibt heute wohl ein Stängeli! Mit diesem putzig klingenden Wort wird in der Schweiz ein brutaler Inhalt transportiert: eine zweistellige Niederlage nämlich. Dass es gegen den klassenhöheren Kontrahenten nicht dazu kam, hatte mehrere Gründe. Einer davon klingt beim ersten Hinhören ebenfalls, als ob auf Schwyzerdütsch beklagt wird, dass etwas kaputt gegangen ist: Kharboutli!

Na ja, mögen andere ihre Scherze mit den Indians treiben, zu denen auch die Abteilung „Huhn und Henne am Hühnerberg“ gehören wird: An dieser Stelle sei jedenfalls ganz ernst festgestellt, dass die Indians mit der Verpflichtung des jungen Kontingentspielers mit Sicherheit ein großes Los gezogen haben. Der erst 20 Jahre alte Tscheche, der aus Ingolstadt gekommen ist, erzielte in der 42. Minute nicht nur das erste Saisontor der Memminger, sondern ließ auch in zahlreichen anderen Situationen aufblitzen, dass er weiß, wo der Hammer hängt.

Das gilt in gewisser Weise auch für den neuen ECDC-Verteidiger mit der Nummer sieben: Der ehemalige Rosenheimer Nikolaus Meier ließ in der 26. Minute seiner Ankündigung für die Fans bei der Spielervorstellung („Seid froh, dass ich jetzt Euer Trikot trage“) Taten folgen: „Niki“ packte gegen den Kaufbeurer Louis Latta die Fäuste aus. Die Folge waren nicht nur 2+2+10 für die beiden Streithähne, sondern auch eine Freifahrt ins Klinikum für den Kaufbeurer. Die Diagnose: Nasenbeinbruch.

Das war aber die einzige unfeine Szene der Partie. Unter den Augen der 1120 Zuschauer, unter denen sich auch die Memminger Eishockey-Legende „Rigo“ Hammerle befand, entwickelte sich ein zunehmend munteres Spielchen. Mit der rosafarbenen Vereinsbrille auf der Nase sprachen Kaufbeurer Berichterstatter nach der Partie davon, dass ihr Team bald mehrere Gänge zurückgeschaltet habe. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Ab der 31. Minute mit dem sicheren Rückhalt Marc Henne (Neuzugang aus Kaufbeuren) im Tor, fanden die Indians insbesondere im letzten Drittel immer mehr Gelegenheiten, ihr Tempogegenstoß-Eishockey aufzuziehen. Damit hatten sie die Fans bereits in der vergangenen Saison vom Hocker gerissen.

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Da war es nicht weiter verwunderlich, dass Routinier Patrik Beck nach feiner Vorarbeit von Neuzugang Benedikt Böhm in der 59. Minute zum 2:3 einlochte. In Überzahl wäre den Indians in den Schlusssekunden sogar beinahe noch der Ausgleich gelungen. Das wäre des Guten dann aber doch zuviel gewesen. Dennoch: ein vielversprechender Auftakt der Gefro-Indians, die auf die verletzten Verteidiger Lubor Pokovic und Marc Stotz (für ihn lief Förderlizenzspieler Niklas Länger aus Augsburg auf) verzichten mussten. Und auch auf ihren Try-Out-Spieler Anton Seewald.

Denn der musste am Tag des Spiels ebenfalls ins Krankenhaus – weil er Vater wurde. Allgäu-Sport