Unterallgäu

Frau verprügelt ihren Mann mit Holzschemel

Amtsgericht - Symbolbild

Eine Frau verprügelt ihren Mann - und landet vor Gericht.

Bild: Alexander Kaya, Symbolbild

Eine Frau verprügelt ihren Mann - und landet vor Gericht.

Bild: Alexander Kaya, Symbolbild

Jahrelang soll eine Unterallgäuerin ihren Ehegatten gedemütigt haben. Jetzt stand sie vor Gericht. Der Vorwurf: Die Frau verprügelte ihren Mann.
Von Wilhelm Unfried
07.10.2020 | Stand: 21:57 Uhr

Hört man von häuslicher Gewalt, nimmt man meist an, dass Frauen von rabiaten Männern verletzt werden. Richterin Barbara Roßdeutscher musste sich jetzt am Amtsgericht Memmingen mit einem umgekehrten Fall beschäftigen: Eine Frau aus dem Unterallgäu soll ihren Mann gedemütigt und schließlich mit einem Holzschemel und einer Handtasche verprügelt haben. Dafür musste sie sich nun vor Gericht verantworten. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ausfälle verbaler Art und Handgreiflichkeiten habe es schon zuvor immer mal wieder gegeben, erklärte der Mann vor Gericht. Im April vergangenen Jahres sei dann aber das Zusammenleben endgültig aus dem Ruder gelaufen. Seine 13 Jahre jüngere Frau habe ihm eine Affäre unterstellt, sagte der Mann. Es kam zum Streit bei dem seine Frau ihn unter anderem mit einem Schemel und dem dazu gehörenden Holzfuß attackierte. Zwei Wochen später habe sie ihn auch noch mit der Handtasche geschlagen.

Als er die Flucht ergriff, verfolgte seine Frau ihn mit einem Taxi bis zum Haus der vermeintlichen Geliebten. Dort versuchte sie, gewaltsam ins Haus einzudringen. Somit kam zum Vorwurf der Körperverletzung auch noch eine Sachbeschädigung. Außerdem hatte sie bei dem Vorfall eine Schusswaffe bei sich. Eine Mieterin, die im Untergeschoss des Hauses wohnte, schilderte recht eindringlich, wie die Angeklagte zunächst mit einem Holzstock versuchte über die Türen und durch geschlossene Rollläden ins Haus zu kommen. Später habe sie es mit einer Mistgabel versucht.

Nachdem die Frau ihren Mann verprügelt, rückt die Polizei an

Die Bekannte des Ehemanns und Hausbesitzerin, die im ersten Stock wohnte, bezifferte den Schaden an den Rollläden auf rund 500 Euro. Die Mieterin bezeichnete die Attacken der Ehefrau als „sehr emotional“.

Mittlerweile war auch die alarmierte Polizei eingetroffen. Die Ehefrau wurde zunächst von einer Beamtin im Auto festgesetzt, während sich der Kollege um Aufklärung bemühte. In der Tasche der Angeklagten wurde dann noch die Waffe gefunden. Am Ende dieses Abends landete die Angeklagte im Bezirkskrankenhaus.

Zunächst hatte die Frau angegeben, der Ausfall sei wohl einem ansonsten nicht üblichen Alkoholgenuss zuzuschreiben. Allerdings hatten die Polizeibeamten auf der Wache einen Alkoholtest durchgeführt, der einen Wert von unter 0,3 Promille ergab. Deswegen schloss die Richterin eine verminderte Schuldfähigkeit wegen Alkohols aus.

Die explosive Stimmung setzte sich auch bei der Verhandlung vor Gericht fort. Mehrmals hielt sich die angeklagte Ehefrau nicht an die Spielregeln und musste von ihrer Verteidigerin Nicole Pietsch wieder in die Spur gebracht werden. Richterin Roßdeutscher drohte auch damit, Ordnungsstrafen zu verhängen.

Hatte sich die Angeklagte am Anfang noch geziert, die von der Staatsanwaltschaft aufgelisteten Körperverletzungen zuzugeben, brachte eine Verhandlungspause die Wende. Nicht zuletzt wohl, um der gemeinsamen Tochter eine Aussage vor Gericht zu ersparen, gab sie alle in der Anklage erhobenen Vorwürfe zu.

Frau verprügelt Mann mit Schemel und Handtasche

Sie hatte sich mittlerweile auch bei der Mieterin für ihr Verhalten entschuldigt. Und auch zu ihrem Ehemann, der sagte, er habe Angst davor, sein eigenes Haus zu betreten, meinte sie, er könne ruhig wieder heimkommen, ihm passiere nichts.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer wegen mehrerer Fälle von gefährlicher und versuchter Körperverletzung sowie wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe eine Gesamtstrafe von einem Jahr und drei Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Außerdem solle die Angeklagte 130 Sozialstunden ableisten. Positiv bewertete die Staatsanwältin das Geständnis. Die Verteidigerin plädierte dagegen für eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, ebenfalls auf Bewährung.

Richterin Roßdeutscher blieb dann in ihrem Strafmaß dazwischen. Ein Jahr auf Bewährung lautete das Urteil, außerdem soll die Angeklagte noch 120 Sozialstunden ableisten und die Kosten des Verfahrens tragen. Damit die bevorstehende Scheidung ohne weiteren Rosenkrieg über die Bühne geht, soll der Angeklagten ein Bewährungshelfer zur Seite stehen.