Einsatz für Geflüchtete

Freiwilligenagentur in Memmingen: Ehrenamtliche für Flüchtlingshilfe sind schwer zu gewinnen

Besonders in der Anfangszeit nach schlimmen Ereignissen sind nach Erfahrungen bei der Freiwilligenagentur die Bestürzung sowie der Wunsch zu helfen und zum Beispiel ankommende Geflüchtete zu unterstützen, sehr groß.

Besonders in der Anfangszeit nach schlimmen Ereignissen sind nach Erfahrungen bei der Freiwilligenagentur die Bestürzung sowie der Wunsch zu helfen und zum Beispiel ankommende Geflüchtete zu unterstützen, sehr groß.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Besonders in der Anfangszeit nach schlimmen Ereignissen sind nach Erfahrungen bei der Freiwilligenagentur die Bestürzung sowie der Wunsch zu helfen und zum Beispiel ankommende Geflüchtete zu unterstützen, sehr groß.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Mitte der 2010er Jahre war die Hilfsbereitschaft groß. Doch viele Helfer in Asylkreisen wurden müde. Wichtig seien klare Aufgaben, sagt die Agenturleiterin.
10.05.2022 | Stand: 08:00 Uhr

Der Flüchtlingshilfe widmet sich mit einem Projekt die Freiwilligenagentur Schaffenslust Memmingen-Unterallgäu. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Ehrenamtliche zu gewinnen, die Geflüchteten etwa beim Erlernen der deutschen Sprache, beim Ausfüllen von Formularen und bei der Integration in den Arbeitsmarkt zur Seite stehen. Gleichzeitig sollen Helferinnen und Helfer bei diesem Engagement von der Agentur Begleitung und Unterstützung erhalten, etwa durch Infomaterial, Fortbildungen und Vernetzung mit anderen Akteuren in diesem Bereich.

Flüchtlingshilfe: Wichtig sind klar definierte Aufgaben für Freiwillige

Seit 2015 wurden nach Angaben von Schaffenslust rund 350 neue Flüchtlingshelferinnen und -helfer gewonnen. Allerdings stellt Agenturleiterin Isabel Mang die Tendenz fest, dass kaum mehr Freiwillige in der Flüchtlingshilfe hinzukommen. Ganz besonders gelte dies für Tätigkeiten, „die zeitlich und thematisch nicht definiert sind“. Für klar umrissene Aufgaben, etwa Nachhilfe oder Unterstützung beim Deutschlernen, gelinge dies eher. „In diesem Quartal haben wir zum Beispiel vier neue Paare gebildet.“ Ob diese auf Dauer Bestand haben, hänge aber davon ab, wie gut die Zusammenarbeit im jeweiligen Fall funktioniert.

Vielerorts im Unterallgäu haben sich Helferkreise verkleinert oder aufgelöst

Wie Ehrenamtliche aus Asylkreisen spricht Mang davon, dass sich Helfergruppen in vielen Orten verkleinert oder aufgelöst haben. (Wie Ehrenamtliche die Situation beschreiben, lesen Sie hier.) Teils seien die Engagierten „müde geworden“, sagt sie: „Manche haben einen Riesensprint hingelegt, hätten aber die Kraft für einen Marathon gebraucht.“

Ukraine-Krieg löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus

Mang nennt weitere Faktoren. Einerseits hätten sich viele Geflüchtete gut integriert und benötigten nicht mehr viel Beistand – andererseits sieht sie einen Zusammenhang mit den Nachrichten: Bei schlimmen Ereignissen seien Bestürzung und der Wunsch zu helfen anfangs besonders groß, später schwäche sich dies mit der Gewöhnung an die Situation ab. So auch beim Ukraine-Krieg: „Anfang bis Mitte März stand bei uns das Telefon nicht still.“ Inzwischen sei dies deutlich zurückgegangen.

Wichtig ist der Agenturleiterin zu betonen, wie wertvoll der Einsatz jedes einzelnen Helfers war und ist: „Wir sind für jeden dankbar, der sich meldet.“ So bauen Geflüchtete aus der Ukraine laut Mang zwar derzeit vor allem auf die Dolmetscher, die Russisch oder Ukrainisch sprechen. Doch auch alle anderen Freiwilligen würden „dringend gebraucht“. Ist jemand dafür offen und bereit, biete sich die Chance, ihn für die Unterstützung von Menschen aus anderen Herkunftsländern zu gewinnen. In Ausnahmefällen kam dies zustande. Angesichts der aktuellen Lage waren Mang zufolge auch ehemalige Freiwillige bereit, wieder aktiv zu werden.

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