Public Viewing verboten

Wie man im Unterallgäu und in Memmingen die Spiele der Fußball-EM verfolgen kann

Champions-League-Finale, Bayern gegen Dortmund im Kaminwerk

Volles Haus: Unser Archivfoto zeigt eine Szene aus dem Jahr 2013, als im Kaminwerk in Memmingen das Champions-League-Finale Bayern gegen Dortmund gezeigt wurde.

Bild: Roland Schraut

Volles Haus: Unser Archivfoto zeigt eine Szene aus dem Jahr 2013, als im Kaminwerk in Memmingen das Champions-League-Finale Bayern gegen Dortmund gezeigt wurde.

Bild: Roland Schraut

Auf Plätzen, im Biergarten, in der Gaststätte die Spiele der deutschen Elf anschauen und feiern: Wir haben das Gesundheitsministerium gefragt, was erlaubt ist.
10.06.2021 | Stand: 14:45 Uhr

Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in Memmingen und im Unterallgäu: Dürfen Gastronomen und Veranstalter Events anbieten, damit Fußballfans die EM-Spiele zusammen schauen und feiern können? Zum Beispiel am Freitag das Eröffnungsspiel Türkei gegen Italien ab 21 Uhr?

Wegen Corona ist reines Public Viewing zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen und in Hallen derzeit nicht erlaubt. Selbst dann nicht, wenn die Corona-Regeln für einen Inzidenzwert unter 50 gelten, also recht starke Lockerungen herrschen. Denn solche Events zählen nicht zu kulturellen Veranstaltungen, bei denen im Freien bis zu 500 Besucher erlaubt sind - mit festen Sitzplätzen. Und sie zählen auch nicht zu Veranstaltungen, die aus einem besonderen Anlass stattfinden wie Hochzeitsfeiern und Vereinssitzungen und bei denen von vornherein festgelegt ist, welche Personen teilnehmen.

  • Ist Public Viewing im Biergarten erlaubt? Das lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. „Beim Public Viewing steht üblicherweise der Eventcharakter im Vordergrund. Es handelt sich hierbei daher grundsätzlich nicht um eine kulturelle Veranstaltung“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege auf Nachfrage unserer Zeitung.

Öffentliche Veranstaltungen mit begrenztem Personenkreis sind prinzipiell möglich

Laut der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (13. BayIfSMV) vom 5. Juni „sind zwar öffentliche Veranstaltungen aus besonderem Anlass und mit einem von Anfang an klar begrenzten und geladenen Personenkreis prinzipiell möglich. Beim Public Viewing wird der Personenkreis allerdings üblicherweise gerade nicht von Anfang an klar begrenzt und geladen sein“, sodass es sich dabei nicht um eine erlaubte Veranstaltung handele.

Stehe also das Fußballschauen im Biergarten „maßgeblich im Vordergrund“, sei es verboten, schreibt das Gesundheitsministerium. „Ist allerdings der Verzehr von Speisen und Getränken der Hauptzweck und wird das jeweilige Sportereignis lediglich auf beispielsweise einem Fernseher im Hintergrund gezeigt, so ist dies im Rahmen des Gastronomiebetriebs zulässig“ - unter Einhaltung der Corona-Regeln.

Was das zuständige Ministerium sagt

Eine klare Definition von Hauptzweck und Hintergrund liefert das Ministerium nicht. Der Sprecher sagt nur: „Die konkrete Beurteilung muss dabei allerdings dem Einzelfall überlassen bleiben.“ Wir haben dem Gesundheitsministerium daraufhin eine weitere Mail geschickt mit zwei Beispielen aus München: In einem großen Biergarten soll es eine „riesige Leinwand“ und 3000 Public-Viewing-Plätze geben, kündigt das Onlineportal einer Tageszeitung an. In einem anderen Biergarten sollen „alle Spiele auf einer zwölf Quadratmeter großen Leinwand übertragen“ werden. Ausnahmegenehmigungen? Einzelfallentscheidungen? Mancher Gastronom aus Memmingen und dem Unterallgäu würde so etwas sicher auch gern anbieten wollen.

Was Gastronomen machen können

Lesen Sie auch
##alternative##
Testpflicht und Kontaktbeschränkungen

Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten ab sofort im Landkreis Ostallgäu

Zu unseren beiden Beispielen hat sich das Gesundheitsministerium bis jetzt noch nicht geäußert. In der ersten Antwort heißt es aber, dass Stadt und Landkreis Ausnahmegenehmigungen prüfen könnten, wenn die Auflagen aus der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung erfüllt werden.

  • Dürfen Gastronomen drinnen einen Fernseher aufstellen? Im Innenbereich ist das möglich, sagt Alexandra Wehr, Pressesprecherin der Stadt Memmingen. Denn Fernseher in einer Gaststätte seien nichts Ungewöhnliches. Wichtig sei aber, dass auch hier das gastronomische Angebot im Vordergrund stehe, also der Verzehr von Speisen und Getränken. Und nicht das gemeinsame Fußballschauen. Einen Fernseher im Innenbereich müssten die Gastronomen auch nicht beim Ordnungsamt anmelden.
  • Fußballgucken im Privaten: Das ist auch mit mehreren Personen möglich.

Memmingen: Zumindest ein wenig EM-Gefühl kann zuhause aufkommen. In Memmingen dürfen sich ab Donnerstag, 10. Juni, zehn Personen treffen, unabhängig von der Anzahl der Haushalte - geimpfte und genesene Personen können zusätzlich teilnehmen. Denn ab dann gelten in der Stadt wegen der niedrigen Inzidenzwerte weitere Lockerungen.

  • Unterallgäu: Wenn die Werte im Unterallgäu weiter stabil unter 50 bleiben, wird im Landkreis am Sonntag, 13. Juni, weiter gelockert. Dann sind auch hier Treffen von zehn Personen möglich, egal aus wie vielen Hausständen sie kommen. Bis dahin gilt im Unterallgäu: Zehn Personen aus maximal drei Haushalten dürfen sich treffen. Geimpfte und Genesene und Kinder unter 14 Jahren müssen nicht hinzugezählt werden, sie können zusätzlich an den Treffen teilnehmen.