Fußball im Allgäu

Fußball: „Ohne Zuschauer kann es nicht weitergehen“

Die Plätze sehr gut gepflegt, die Ränge leer: Dieses Bild bietet sich derzeit landauf, landab in zahlreichen Fußballstadien – wie in der Memminger Arena.

Die Plätze sehr gut gepflegt, die Ränge leer: Dieses Bild bietet sich derzeit landauf, landab in zahlreichen Fußballstadien – wie in der Memminger Arena.

Bild: Kurt Kraus

Die Plätze sehr gut gepflegt, die Ränge leer: Dieses Bild bietet sich derzeit landauf, landab in zahlreichen Fußballstadien – wie in der Memminger Arena.

Bild: Kurt Kraus

Wir fragen zum wiederholten Male bei Verantwortlichen in der Region Memmingen-Unterallgäu nach: Wie geht es Ihrem Verein in der Corona-Krise?
Die Plätze sehr gut gepflegt, die Ränge leer: Dieses Bild bietet sich derzeit landauf, landab in zahlreichen Fußballstadien – wie in der Memminger Arena.
Von Kurt Kraus
22.08.2020 | Stand: 17:39 Uhr

Die Fußballplätze im Unterallgäu sind wahrscheinlich noch nie in einem so guten Zustand gewesen wie derzeit. Fast alle Vereine haben die Corona-Pause zu intensiver Platzpflege genutzt. Wie aber ist die sportliche Situation, wie läuft die Vorbereitung auf den Liga-Pokal und die Punktspiele? Kann bald auch in Bayern wieder vor Zuschauern gespielt werden? In Baden-Württemberg sind Sportveranstaltungen mit maximal 500 Sportlern und Besuchern seit 1. August wieder erlaubt.

Wie schon ein paar Mal während der Corona-Krise, haben wir uns erneut bei einigen Verantwortlichen nach dem Stand der Dinge vor dem beabsichtigten Restart des Liga-Fußballs im September erkundigt. Sie berichten stellvertretend für andere, wie sich die Situation für unterklassige Vereine derzeit darstellt.

„Top Job des Trainers“

Andreas Böhning vom TSV Ottobeuren sieht sein Team gut aufgestellt. „Wir haben zwei Neuzugänge und auch vier Spieler, die bislang in der Jugend aktiv waren, in unser Bezirksliga-Team integriert.“ Der neue Trainer Karlheinz Schabel mache einen „top Job“. In sportlicher Hinsicht sei daher alles okay. Spiele ohne Zuschauer sind für Böhning aber nicht sinnvoll. Es fehlten natürlich die Einnahmen: „Wir hätten auf unserem Kunstrasen ein Spiel des FC Augsburg gegen Türkgücü München organisieren können“, aber ohne die Fans sei ein solches Event nicht sinnvoll gewesen.

Dabei könnte man im Ottobeurer Stadion „locker etwa 200 Zuschauer unterbringen“. Den erforderlichen Sicherheitsabstand hätte man jederzeit gewährleisten können. Bei anderen Veranstaltungen seien ja inzwischen auch bis zu 400 Besucher erlaubt, so Böhning.

Auch Patrick Siebert vom TV Bad Grönenbach ist mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden. In der letzten Juli-Woche sei man wieder ins Training eingestiegen. „Klar“, sagt er, „man sieht manchem an, dass er mehrere Monate lang nicht wirklich gegen einen Ball getreten hat“. Einige Spieler hätten im Rahmen ihres individuellen Trainings halt etwas mehr gemacht, andere etwas weniger. Aber die Lust auf Fußball sei bei allen wieder da.

Siebert lobt: „Der Liga-Pokal wurde sportlich durchaus attraktiv gestaltet.“ Geisterspiele sollte es seiner Meinung nach aber nicht mehr geben, sobald es wieder um Punkte gehe. „Die Fans verstehen es schon, dass sie bei den Testspielen nicht zuschauen dürfen“, würden aber lieber heute als morgen wieder auf den Fußballplatz kommen.

Im Moment ist Siebert froh, wenn er niemanden nach Hause schicken muss. Ob im September aber wirklich wieder Pflichtspiele ausgetragen werden können? Siebert zeigt sich skeptisch: „Man trainiert auf etwas hin, was vielleicht gar nicht kommt.“ Das sei „schon hart“ und beeinträchtige ein wenig die Motivation. Im Moment sei der Aufwand für die Testspiele enorm groß, die Eintrittsgelder dagegen fehlten.

Gut leben könne er mit der Lösung, die für einen etwaigen Vereinswechsel von Spielern gefunden worden sei. Wie sonst in der Winterpause, dürfen Fußballer nur dann für einen neuen Verein spielen, wenn der abgebende Klub zustimmt. Ansonsten wird der Neuzugang für ein halbes Jahr gesperrt.

Einen neuen Trainer konnte auch Martin Eder vom TV Woringen begrüßen. Mit Jürgen Jöntgen sei ein Mann gefunden worden, der schon ein paar Spiele in der Zweiten Bundesliga absolviert habe. Außerdem sei er froh, dass einige Spieler, die eigentlich im Sommer aufhören wollten, weiterhin zur Verfügung stünden. Die Spiele um den Liga-Pokal bieten laut Eder eine gute Gelegenheit, „mal etwas auszuprobieren“.

Mit dem Rad nach Reutte

Dass Testspiele nur gegen bayerische Mannschaften gespielt werden dürften und dann auch noch ohne Zuschauer stattfinden müssten, kann Eder nicht nachvollziehen: „Mit zwei oder drei Ordnern könnte man das lösen“, spielt er auf die einzuhaltenden Abstände an.

Wenigstens sei man in finanzieller Hinsicht bislang ganz gut über die Runden gekommen. „Wir hatten ein kleines Polster, und unsere Sponsoren sind bei der Stange geblieben.“

Geht es tatsächlich wieder los? Diese Frage stellt sich auch Manuel Ness vom TSV Kammlach. Die Spieler jedenfalls seien fit. Dazu beigetragen habe eine „Corona-Challenge“. Was genau ist das denn? Ness lacht und erzählt, dass man die Kicker der Ersten und Zweiten Mannschaft in Fünfer-Gruppen aufgeteilt habe. Die Teams seien dann in verschiedenen Disziplinen gegeneinander angetreten. Es habe Punkte gegeben – fürs Radfahren, Laufen oder Inlineskaten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein Spieler habe dabei den Vogel abgeschossen. Er sei an einem Tag kurzerhand nach Reutte (Tirol) und wieder zurück nach Kammlach geradelt, um seine Freundin zu treffen und mit ihr zum Pizzaessen zu gehen. „Das waren 210 Kilometer“, die hätten jede Menge Punkte gebracht. Aber auch alle anderen seien „voll dabei“ gewesen.

Eines ist aber auch Manuel Ness klar: „Ohne Zuschauer kann es nicht weitergehen.“ Insofern hofft er ein wenig darauf, dass auch in der Fußball-Bundesliga wieder Fans zugelassen werden: „Dann dürfen vielleicht auch wir wieder vor Publikum spielen.“