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Funkmastpläne der Telekom in Lachen scheitern an Bürgerprotest

LA Mobilfunkmast

Rund zehn Meter höher als der Kirchturm wäre ein Mobilfunkmasten der Telekom geworden, den der Lachener Gemeinderat jetzt abgelehnt hat.

Bild: Franz Kustermann

Rund zehn Meter höher als der Kirchturm wäre ein Mobilfunkmasten der Telekom geworden, den der Lachener Gemeinderat jetzt abgelehnt hat.

Bild: Franz Kustermann

Der Gemeinderat lehnt 30 Meter hohen Turm voller Mobilfunkantennen nach lebhafter Diskussion ab. Warum der Bürgermeister an der Abstimmung nicht teilnehmen durfte.
22.03.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Draußen bleiben“ galt bei der jüngsten Sitzung des Lachener Gemeinderates (Unterallgäu) nicht nur für die überzähligen Zuhörer, sondern auch für den Bürgermeister und zwei weitere Gemeinderäte: Sie wurden wegen häuslicher Quarantäne nur per Videokonferenz zugeschaltet. Mit nur neun Räten war die Beschlussfähigkeit des Gremiums laut dem Zweiten Bürgermeister Hans Wiedenmayer aber gegeben. Nach lebhafter Diskussion lehnte der Gemeinderat einen Bauantrag zur „Neuerrichtung eines Stahlgittermastes (31 Meter) mit einem fünf Meter optionalen Aufsatzrohr zur Aufnahme von Funkantennen, der zugehörigen Versorgungseinrichtungen und Aufbau der Systemtechnik auf einem Betonfundament“ einstimmig ab. Das Projekt sollte westlich der Kreisstraße zwischen Albishofen und Herbishofen verwirklicht werden.

Aus Murnau zugeschaltet war der Kommunalbeauftragte der Telekom Frank-Peter Käßler, der die Auswirkungen der Strahlung und die Notwendigkeit zur Errichtung des Funkmastes eine halbe Stunde lang erläuterte. Seinen Aussagen zufolge ist die Strahlung von Funkmast und Handy umso größer, je weiter beide voneinander entfernt sind. Von den Endgeräten gehe aber eine bis zu tausendfach höhere Strahlung als von Funkmasten ab. Laut Käßler trage der geplante Standort also dazu bei, „dass die Strahlungs-Emission nach unten geht“.

Betroffene in Neubaugebiet fürchten Strahlung und Wertverlust

Der erbitterte Widerstand gegen das Projekt „an diesem Standort“ im Gremium war dennoch einhellig: Dr. Matthias Jungbeck etwa bezeichnete Käßlers Ausführungen als „reine Werbeveranstaltung“ und bemängelte, dass die Betroffenen im Neubaugebiet Lachen nie informiert wurden: „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich hier niemals gebaut“, sagte der Rat. Er befürchtet, neben der „permanenten Standby-Bestrahlung“ von Kleinkindern einen Wertverlust seines neu gebauten Hauses um 50 Prozent und forderte seine Ratskollegen auf, „alles zu tun, um das zu verhindern“. Für Andreas von Kietzell war der Vortrag eine Themaverfehlung. Er klagte: „Die biologische Wirkung wird konsequent ignoriert; wir wären einer Dauerbestrahlung vom Turm ausgesetzt.“ Aktuell sei die Grundstrahlung in den betroffenen Baugebieten gleich Null. „Mit dem Bau würde man dies aufgeben, für eine Handyverbindung, von der wir nichts haben.“

Zweiter Bürgermeister Hans Wiedenmayer bilanzierte nach der Übergabe von Unterschriften gegen das Projekt und einigen Schreiben für das Vorhaben die „Ablehnung eines Teils der Bevölkerung“. Neben der Optik des Funkmastes bewege die Bürger vor allem die davon ausgehende Strahlung. Klar sei, dass nicht die Gemeinde, sondern die Telekom den Masten bauen wolle. Die Gemeinde habe sich nämlich nicht mit der Telekom auf einen Standort einigen können. Jetzt habe das Kommunikationsunternehmen ein privates Grundstück gefunden, auf dem es bauen wolle. Der bestehende Vertrag mit dem Eigentümer löse sich jedoch auf, wenn keine Genehmigung zustande käme.

Neubürger haben Ängste

Allerdings habe die Kommune nicht bedacht, dass bei der Infoveranstaltung vor zwei Jahren einige Neubürger in den Baugebieten noch nicht gewohnt hätten. Wiedenmayer betonte: „Die Ängste sind da, und die Funklöcher sind auch da.“ Die Gemeinde müsse nun über einen Gutachter versuchen, die bestmögliche Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sein können. Helmut Notz forderte einen externen Berater, der „vielleicht Möglichkeiten aufzeigt, die man noch nicht kennt“. Der Rat fragte, warum in Lachen „fürs Kabel so viel Geld ausgegeben wird, wenn das jetzt alles über den Mobilfunk passieren soll“.

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Laut Herbert Rabus hätten die Gemeinderäte in den letzten Tagen viel zu hören bekommen von den Bürgern. Das dürfe man nicht ungehört lassen. Einerseits müsse man die Gemeinde mit guter Technik ausstatten, andererseits müsse es doch eine Alternative geben, wie die Qualität des Netzes ausgebaut werden kann, ohne in einem 31 Meter hohen Turm zu enden. Nach einer kurzen Abstimmung wurden Wortmeldungen der Zuhörer abgelehnt.

Bürgermeister Josef Diebolder sowie die Räte Julia Raich und Kurt Mendler konnten die Sitzung zwar von zu Hause aus mitverfolgen, durften aus rechtlichen Gründen aber nicht mitdiskutieren und abstimmen. Auf Nachfrage teilte Petra Thomas von der Gemeinde mit, dass sich 221 Bürger per Unterschrift gegen den Funkmast ausgesprochen haben. Laut Diebolder hätten aber auch mehre Bürger für eine Verbesserung des Mobilfunks plädiert.