Verkehr

Gartenstraße in Günz: Entstand beim Ausbau eine Gefahrenstelle?

Durch die Neugestaltung ist die Gartenstraße in Günz im nördlichen Teilbereich deutlich schmäler geworden.

Durch die Neugestaltung ist die Gartenstraße in Günz im nördlichen Teilbereich deutlich schmäler geworden.

Bild: Armin Schmid

Durch die Neugestaltung ist die Gartenstraße in Günz im nördlichen Teilbereich deutlich schmäler geworden.

Bild: Armin Schmid

Bürgerinitiative sieht Umgestaltung in einigen Punkten als misslungen an und kritisiert, dass sieben Bäume gefällt wurden. Was die Bürgermeisterin erwidert.
28.01.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Der Ausbau der Gartenstraße in Günz sorgt bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) weiterhin für Unverständnis. Die Kritik der Anlieger entzündet sich unter anderem daran, dass der Alt-Erschließung mehrere große Bäume zum Opfer gefallen sind und dass die neugestaltete Straße in einem längeren Teilbereich deutlich schmäler geworden ist als zuvor. Im September vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat beschlossen, die Gartenstraße und einen Teilbereich des Waldwegs auszubauen. Da es sich um eine sogenannte Alt-Erschließung handelt, muss das Vorhaben bis Ende März abgeschlossen beziehungsweise abgerechnet sein, weil andernfalls eine Verjährung eintritt und die Ausbaubeiträge nicht mehr an die Anlieger weiterberechnet werden können.

Sprecher: "Man hätte Alternativen diskutieren müssen"

Vor Weihnachten wurde noch die Asphaltschicht aufgebracht. Damit wurde nun vollends sichtbar, wie die Trasse verläuft und wie das künftige Erscheinungsbild der Gartenstraße aussieht. Beruhigt haben sich die Gemüter dadurch nicht. Aus Sicht der BI-Sprecher Herbert Böckler, Manfred Fötsch und Robert Wölfle ist das Ergebnis des Straßenausbaus keineswegs zufriedenstellend. Verärgerung herrscht darüber, dass sieben große Birken entlang der Gartenstraße gefällt wurden. Dies war laut Böckler im Vorfeld nicht bekannt und da die Bäume auf Privatgrund standen, seien auch die Besitzer vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Zur Begründung hieß es nach Böcklers Worten, dass bei den Straßenbauarbeiten die Wurzeln der Bäume beschädigt wurden – darum sei nicht mehr zu garantieren, dass die Bäume sicheren Stand haben. „Darüber hätte man im Vorfeld reden und Alternativen diskutieren müssen“, betont Böckler.

So sah die Gartenstraße vor der Neugestaltung mit ihrem früheren Baumbestand aus.
So sah die Gartenstraße vor der Neugestaltung mit ihrem früheren Baumbestand aus.
Bild: Armin Schmid

Fötsch hätte sich mit Blick auf das gesamte Vorhaben vonseiten der Gemeinde mehr Gelegenheit zum Dialog gewünscht – gerade weil der entsprechende Beschluss im Gemeinderat mit 7:5 Stimmen knapp ausgegangen sei. Drei Monate von der Vorstellung der Planung bis zur Asphaltierung der Gartenstraße: „Da war der Zeitdruck für einen sachlichen, zielführenden Meinungsaustausch zu hoch.“

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Es gehe der BI nicht darum, die Zahlung der Beiträge zu vermeiden, sondern einzig um eine sinnvolle Gestaltung der Gartenstraße, betonen die Sprecher – zumal eine intakte, funktionsfähige Straße einfach herausgerissen worden sei. Robert Wölfle kann nicht nachvollziehen, dass das anfallende Regenwasser nun in die Kanalisation geleitet wird. Die Möglichkeit für eine Regenwasserversickerung auf privatem Grund – wie sie vorher praktiziert wurde – hat die Gemeinde laut Wölfle nicht ausreichend ausgelotet. Der betreffende Landwirt wäre demzufolge bereit gewesen, sie weiterhin auf seinem Grund zu übernehmen – einen Verkauf von Flächen habe er indes seit Jahren ausgeschlossen. Statt einer Versickerung, wie sie auch das Wasserwirtschaftsamt bevorzugt hätte, würden nun „rund 25 000 Kubikmeter Regenwasser in Richtung Kläranlage abgeleitet“, sagt Böckler. Dies sei ökologisch nicht sinnvoll und verursache laufende Kosten. Böckler betont: „Man hätte die Schmalstelle laut Rechtsanwalt so belassen können, eine rechtssichere Entwässerung wäre regelbar gewesen.“

Kopfschütteln über Verschmälerung der Straße

Für Unverständnis sorgt auch, dass die Gartenstraße am nördlichen Ende schmäler geworden ist. Vorher sei sie 3,90 Meter breit gewesen, jetzt seien es nur noch etwa 3,10 Meter. „Wir hatten wegen der Engstelle einen Ortstermin mit Gemeindevertretern und dabei den Wunsch geäußert, die Straße so zu belassen und nicht eine Fehlplanung zu starten.“ Böckler vertritt die Ansicht, dass die Verkehrsgefährdung massiv zugenommen habe: Den schmalen Straßenbereich könnten Autos, Eltern mit Kinderwagen, Radfahrer oder Fußgänger kaum gleichzeitig nutzen – und wenn doch, so sei dies nicht ungefährlich. Dass sich die Anlieger angesichts der in seinen Augen herbeigeführten Verschlechterung auch für diesen Bereich an den Erschließungskosten beteiligen sollen, sei nicht nachvollziehbar. Nicht klar sei auch, was mit dem geplanten Spielplatzareal an der Ecke Gartenstraße/Waldweg passiert. Eine Erschließung mit Wasser und Kanal, die an dem Grundstück angelegt worden sei, deute auf mögliche Wohnbebauung hin.

Was Bürgermeisterin Christa Bail den Kritikpunkten der Bürgerinitiative entgegnet:

  • Notwendigkeit: Die Sprecher der Bürgerinitiative (BI) kritisieren unter anderem, dass eine intakten, funktionsfähige Straße abgerissen und bei den folgenden Arbeiten teils eine Verschlechterung herbeigeführt worden sei. Westerheims Bürgermeisterin Christa Bail sagt hierzu, sie selbst habe lange Zeit gehofft, dass an der Gartenstraße keine großen Arbeiten nötig werden. Leider habe man aber die Straße einst ohne detaillierte Planung asphaltiert. Ein Knackpunkt: Im Zuge der Erschließungsplanung habe sich herausgestellt, dass die Straße kein durchgehendes Gefälle aufweist. Dies mache eine durchgängige Entwässerung schlichtweg unmöglich. Zudem sei es über die Jahre hinweg nicht gelungen, den erforderlichen Grunderwerb zu tätigen. Obwohl man in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Gemeindetag vorgegangen ist, sei keine rechtssichere Lösung für die Entwässerungsproblematik auf Privatgrund zustande gekommen.
  • Bäume: Sie zu entfernen, war laut Bail nicht geplant. Vorgesehen war demnach, dass um die Bäume herum Pflasterungen angebracht werden. Die Baumfällungen waren laut der Bürgermeisterin zu einem Großteil Privatmaßnahmen. So habe bei den Betreffenden überwiegend der Wunsch bestanden, die Bäume zu entfernen. Dieser Schritt sei insofern von Vorteil gewesen, da man die Straße somit durchgehend asphaltieren konnte.
  • Gestaltung: „Dass die Straße im Norden schmäler wurde, tut mir in der Seele weh“, sagt Bail mit Blick auf die Verengung, die aus Sicht der BI Gefahren für diejenigen mit sich bringt, die dort unterwegs sind. Bail verweist darauf, dass man jedoch die Haltung des Besitzers der angrenzenden Flächen akzeptieren müsse. Überdies sei das schmale Teilstück gut einsehbar, aber die Verkehrssicherheit bleibe ein wichtiger Aspekt: „Meine Tendenz geht dahin, dass eine klassische Einbahnstraße das absolut Sicherste wäre.“ Dies müsse man aber noch mit der Polizei Mindelheim abklären.
  • Spielplatz: Im Bereich des betreffenden Areals habe man vorsorglich einen Anschluss für Wasser und Abwasser einbauen lassen. Falls weitere Bebauung im Süden kommt, mache ein Spielplatz an der Stelle unter Umständen Sinn. Ansonsten könne hier auch ein Bauplatz entstehen, sagt Bail. Doch das müsse der Gemeinderat entscheiden.