In Memmingen und Umgebung

Gas-Krise: Wie steht es um den Badespaß?

Die Sonne hilft dieses Jahr dabei, das Wasser in den Freibädern in Memmingen (Foto), Ottobeuren und Kirchdorf aufzuheizen. Das spart Energie.

Die Sonne hilft dieses Jahr dabei, das Wasser in den Freibädern in Memmingen (Foto), Ottobeuren und Kirchdorf aufzuheizen. Das spart Energie.

Bild: Andreas Berger (Archivbild)

Die Sonne hilft dieses Jahr dabei, das Wasser in den Freibädern in Memmingen (Foto), Ottobeuren und Kirchdorf aufzuheizen. Das spart Energie.

Bild: Andreas Berger (Archivbild)

Wenn Deutschland nur noch wenig oder gar kein Gas mehr aus Russland bekommt, gehören Freibäder zu den ersten Einrichtungen, die nicht mehr versorgt werden.
19.07.2022 | Stand: 11:57 Uhr

Werden die Freibäder in Memmingen, Ottobeuren und Kirchdorf wegen der Gaskrise nun geschlossen, weil das Wasser nicht mehr beheizt werden kann? Das haben wir die Betreiber der drei Einrichtungen gefragt.

Memmingen: „Eine Schließung des Freibads vor Saisonende ist nicht geplant“, teilt das Sportamt der Stadt Memmingen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Zwar werde das Wasser über Gas beheizt. Wegen des warmen Wetters sei derzeit aber nicht viel Energie dafür nötig. Aktuell liege die Wassertemperatur bei 22 Grad, also der für diesen Sommer angestrebten Wärme. Bisher habe das Wasser im Memminger Freibad immer bei 24 Grad gelegen, wegen der Gaskrise bleibe es diesen Sommer aber bei 22 Grad – es sei denn, die Sonne heizt es stärker auf.

Gas-Verbrauch von 41 Haushalten pro Jahr

Das Freibad jetzt, bei warmen Temperaturen zu schließen, „würde kaum Einsparungen bringen, da erst im Herbst mit Beginn der kalten Nächte mehr Heizenergie aufgewendet werden müsste“. Wann genau die Freibadsaison in Memmingen beendet wird, das werde je nach Witterung kurzfristig entschieden. Ob dann das Hallenbad geöffnet wird oder wegen mangelnden Gases geschlossen bleibt, müsse die Verwaltung noch prüfen.

Im vergangenen Jahr hatte das Memminger Freibad laut Sportamt einen Gasverbrauch von 662.000 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Ein Haushalt mit einer Wohnfläche von 100 Quadratmetern verbraucht im Jahr für Heizung und Warmwasser durchschnittlich 16.000 Kilowattstunden. Mit der Menge für das Freibad könnten also 41 solcher Haushalte ein Jahr mit Gas versorgt werden. (Lesen Sie auch: So reagieren die Therme Bad Wörishofen und Tricor auf die Gas-Alarmstufe)

Auch ohne beheiztes Wasser Badespaß

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Kirchdorf: Im Freibad von Kirchdorf muss das Wasser derzeit nicht beheizt werden, weil es durch die Sonne aufgewärmt wird, sagt Thomas Abler, Betriebsleiter des Bades. Die Wassertemperatur liege aktuell bei 24 Grad. Und weil es in den kommenden Tagen heiß bleiben soll, müsse das Wasser weiterhin nicht per Gas erwärmt werden.

Lesen Sie auch: Freibäder im Allgäu 2022: Öffnungszeiten für Stadtbad Kempten, Kaufbeuren, Memmingen, Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu

Es könne sein, dass der Gemeinderat in den nächsten Tagen beschließt, dass die Becken nicht mehr beheizt werden dürfen und dass auch kein Warmwasser mehr aus den Duschen laufen darf, sagt Thomas Abler. Und zwar aus Solidarität: Denn wichtiger sei es, Haushalte und Unternehmen mit Gas zu versorgen. Generell gehörten Schwimmbäder zu den ersten Einrichtungen, die kein Gas mehr bekommen, wenn streng gespart werden muss. Doch auch wenn die Heizung abgestellt wird, kann das Freibad aus Sicht des Betriebsleiters in diesem Sommer weiter genutzt werden. Denn noch seien die Außentemperaturen hoch. Und selbst wenn sich das Wasser etwas abkühle, werden noch viele Besucher zum Schwimmen kommen, glaubt Abler. „Ich gehe mal davon aus, dass das Bad diese Saison noch komplett betrieben wird.“

Solaranlage statt Gas-Versorgung

Ottobeuren: Das Ottobeurer Freibad ist von der Gaskrise nicht betroffen. Denn das Wasser wird über eine Solaranlage erwärmt, sagt Katharina Mösle, Geschäftsstellenleiterin im Rathaus. Derzeit liege die Wassertemperatur bei 25 Grad, im Babybecken sogar bei über 26 Grad. Diese Werte seien wegen des warmen Wetters erreicht worden. Die Solaranlage allein schaffe das nicht. Deshalb beschreibt Katharina Mösle das Ottobeurer Freibad auch nicht als beheizt, sondern als temperiert. Damit in den kühleren Nächte die Wärme nicht verloren geht, werden die Becken mit einer speziellen Folie abgedeckt.

Warum das Gas knapp wird: Wegen des Angriffskriegs Wladimir Putins auf die Ukraine hat unter anderem die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. Als Reaktion darauf hat Putin bereits die Gaslieferung an Deutschland gedrosselt. Seit 11. Juli fließt für etwa zehn Tage gar kein Gas mehr – wegen Wartungsarbeiten an der Pipeline. Ob der Rohstoff danach wieder nach Deutschland strömt, ist ungewiss. Bundes-Wirtschaftsminister Robert Habeck befürchtet, dass Russland die Lieferungen einstellt. Dann könnte es im Winter kalt werden in den Haushalten. Auch die Industrie würde es hart treffen.