Immer wieder Fälle im Allgäu

Giftköder: Wie groß ist die Gefahr für Haustiere?

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„Vorsicht Giftköder“: Eine Warnung für alle, die mit ihren Tieren unterwegs sind. Wie ist die Gefährdung in Memmingen einzuschätzen?

Bild: Florian Schuh, dpa (Symbolbild)

„Vorsicht Giftköder“: Eine Warnung für alle, die mit ihren Tieren unterwegs sind. Wie ist die Gefährdung in Memmingen einzuschätzen?

Bild: Florian Schuh, dpa (Symbolbild)

Vergiftete Leckerbissen sind gerade bei Hundebesitzern gefürchtet. Wie hoch das Risiko ist, dass der eigene Hund einen Giftköder erwischt.
22.11.2021 | Stand: 08:58 Uhr

Im Stadtweiherwald bei Dickenreishausen geht ein Mann mit seinem jungen Schäfermixrüden spazieren. Der Hund findet auf dem Boden ein leckeres Stück Fleisch – gespickt mit Cuttermesserstücken. Glücklicherweise kann der Besitzer das gefährliche Nahrungsmittel an sich bringen, bevor der Hund es schluckt und bringt das Fleisch zur Polizei. Solche Köder – wie ihn Holger Stabik, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West in diesem Fall beschreibt – können Haustieren, oftmals sind es Hunde, viel Schaden zufügen.

Wie häufig kommen giftige und präparierte Köder im Unterallgäu und in Memmingen vor?

Im Gespräch mit Hundehaltern und wenn man im Internet nach dieser Thematik sucht, scheinen auch Giftköder ein häufiges und gefürchtetes Problem zu sein. Es gibt beispielsweise Websiten wie der „GiftköderRadar“, die sich nur dieser Gefahr widmen: Dort können Tierhalter Fundstellen eintragen und andere warnen. Doch wie häufig sind Giftköder in Memmingen und im Unterallgäu tatsächlich? „Oft kommen diese Vorfälle glücklicherweise nicht vor bei uns“, räumt Holger Stabik ein. Gerade einmal zwei Fälle seien der Polizei für das Jahr 2021 im Unterallgäu und Memmingen bekannt.

Wie hoch die Dunkelziffer der ungemeldeten Fälle sei, könne er allerdings nicht sagen. „Man muss auch überlegen, was das Motiv des Täters sein könnte: Entsprechen solche Handlungen einem generellen Tierhass oder gibt es einen Vorbehalt gegen ein bestimmtes Tier?“

In Boos warf jemand einen Giftköder auf ein Grundstück

Einen solchen Fall gab es im Mai in Boos. Eine unbekannte Person warf einen vergifteten Fleischbrocken auf ein Grundstück. Der Hund überlebte, weil sein Besitzer ihn extra darauf trainierte, fremdes Futter nicht zu fressen. Denn der Hund, den der Besitzer vorher hatte, ist Stabik zufolge von einem vergifteten Köder getötet worden.

Die Täter zu finden ist laut Stabik schwierig, da es oft nicht nachweisbar sei, wer den Köder gelegt hat. Das Auslegen von Giftködern, beispielsweise von Schneckengift, per se sei nicht strafbar. Erst das Auslegen mit der Intention, ein Wirbeltier zu töten oder zu schädigen, sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Hunde auf Giftköder zu trainieren sei gut möglich, aber sehr zeitintensiv

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„Auf jeden Fall ist es gut machbar, seinen Hund auf Giftköder zu trainieren“, sagt Claudia Welkisch von der Hundeschule more4life. „Aber es erfordert intensives Training.“

Das könne man beispielsweise erreichen, in dem man den Hund darauf erzieht, dass das Essen von Herrchen oder Frauchen am „Besten“ ist und etwas das auf dem Boden liegt, missachtet werden soll.

Haushaltsunfälle beispielsweise durch Rattengift sind ebenfalls eine Gefahr

Ob Giftköder per se ein großes Problem sind, dazu könne sie nicht wirklich etwas sagen. „Aber wenn es im Jahr in Memmingen auch nur einen Fall gibt, ist das noch schlimm genug.“ Unfälle im Haushalt passierten in ihren Augen viel häufiger, beispielsweise durch eine falsche Fütterung. „Es ist ja auch schwierig festzustellen – falls ein Tier mit Vergiftungserscheinungen stirbt – woran es wirklich gelegen hat“, meint die Hundetrainerin. Gerade Rattengift führe erst mit einer gewissen Zeitverzögerung zum Tod.

Es ist schwierig festzustellen, ob ein Tier wirklich durch einen Giftköder getötet wurde

„Ob das Tier tatsächlich durch einen Giftköder getötet wurde, kann normalerweise kaum festgestellt werden“, sagt auch Elfi Doberstein, die bei einer Tierarztpraxis in Amendingen arbeitet. Man könne die Tiere zwar zur Obduktion geben, aber das dauere vier bis sechs Wochen und sei sehr teuer.

Assistenzärztin Christina Sille von der Tierklinik Babenhausen findet, das Thema werde in den sozialen Medien sehr aufgebauscht. „In den sechs Jahren, in denen ich hier arbeite, hatten wir bisher einen Fall.“ Da habe ein Besitzer einen mit Skalpellklingen versehenen Köder mitgebracht. Dem Hund ist Sille zufolge glücklicherweise nichts passiert.

Es komme jedoch öfter vor, dass ein Tier Rattengift gefressen habe. „Aber das haben die Besitzer meist auf ihrem Grundstück gelagert und die Tiere nehmen das aus Versehen auf.“ Und das sei eine ernst zu nehmende Gefahr. Das Tier könne zwar durch eine Bluttransfusion gerettet werden, aber manchmal sei es dafür zu spät.

Woran kann man eine Vergiftung erkennen?

Auf die Frage, woran man eine Vergiftung, beispielsweise bei einem Hund, erkennen kann, antwortet Sille: „An den blassen, weißen Schleimhäuten.“ Auch Blutungen aus der Nase oder blutiger Urin sind Indizien. „Generell geht es dem Tier meist sehr schlecht.“ Dennoch: Zur Vorsicht vor Giftköder raten alle Ansprechpartner. Bei Spaziergängen sollten die Besitzerinnen und Besitzer darauf achten, was ihre Haustiere fressen.

„Bei Verdachtsfällen am besten den Köder in einen Hundebeutel aufnehmen“, rät Holger Stabik. Diesen sollte man im Kühlschrank lagern, damit die Giftstoffe und das Fleisch erhalten blieben. „Und damit zur Polizei gehen, dann kann man den Verdacht überprüfen.“ Selbst wenn es sich dabei um einen Fehlalarm handele. Auch von so einem Fall kann Stabik erzählen: Ein augenscheinlicher Köder entpuppte sich – zur Erleichterung des Finders – als Schokomüsli.

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