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Graffiti in Memmingen - eine "verbotene" Kunst

Schlegel an der Hall of fame in Aktion: Für den „Memmler“ sprüht er das neue Cover auf die Wand der Unterführung. Für die Arbeit mit den Farben empfiehlt der Künstler eine Maske.

Schlegel an der Hall of fame in Aktion: Für den „Memmler“ sprüht er das neue Cover auf die Wand der Unterführung. Für die Arbeit mit den Farben empfiehlt der Künstler eine Maske.

Bild: Uwe Hirt

Schlegel an der Hall of fame in Aktion: Für den „Memmler“ sprüht er das neue Cover auf die Wand der Unterführung. Für die Arbeit mit den Farben empfiehlt der Künstler eine Maske.

Bild: Uwe Hirt

Wann ist es Vandalismus und wann ist es Kunst? Street Art-Künstler Maximilian Schlegel macht sich für die Graffiti-Szene stark. Das sagt die Stadt Memmingen.
18.05.2022 | Stand: 18:17 Uhr

Maximilian Schlegel hat ein Faible für Kunst. Seine Leidenschaft gilt aber nicht nur der Leinwand, sondern auch dem urbanen Gelände. Der – noch – 27-Jährige ist Graffiti-Künstler oder – wie er es selbst beschreibt: „Ich mache Street Art.“ Dabei unterscheidet er zwischen verschiedenen Kunstformen. Graffiti sind für ihn kunstvolle Schriftzüge. „Gemalte Bilder fallen für mich eher in den Bereich Mural Art“, sagt er. Schlegel versucht sich in den verschiedensten Stilen. Eine favorisierte Art zu malen hat er nicht. Aber ein Ziel: einmal eine ganze Hausfassade zu verschönern.

Eigentlich ist Schlegel Informatiker und macht gerade seinen Master in Innovation Management. Street Art ist für ihn ein Hobby, das er seit rund zwei Jahren ausübt. Und das gestaltet sich manchmal schwieriger als gedacht. „Deutschland hat da eine sehr restriktive Politik“, sagt er.

Geldstrafen für illegales Sprühen

Denn das Sprühen ist in der Bundesrepublik zunächst nicht erlaubt. „Illegales Besprühen von öffentlichen oder privaten Flächen fällt unter den Tatbestand Sachbeschädigung“, sagt Polizeisprecher Dominik Geißler. Das werde mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder einer hohen Geldstrafe geahndet. Durchschnittlich etwa 60 Straftaten vermeldet die Polizei für Memmingen und das Unterallgäu pro Jahr in diesem Bereich und die Zahl bleibt laut Geißler relativ konstant.

Dazu gehören auch politisch motivierte Schmierereien auf Wänden oder Plakaten, „von links genauso wie von rechts.“ Auffällig sei, dass diese Vergehen in Wahljahren deutlich häufiger auftreten.

Wo kann man in Memmingen legal Graffiti sprühen?

„Größtenteils handelt es sich um einfarbige Schriftzüge oder um ausländerfeindliche oder anderweitig diskriminierende Schmierereien“, sagt auch Jugendpfleger Andreas Kerler. Wenn man in Memmingen Kunstwerke an die Wand sprühen möchte, dann gibt es laut Kerler zwei legale Orte dafür. „Das eine ist die Hall of fame in der Unterführung im Stadtpark Neue Welt. Die andere Fläche ist die Unterführung in der Buxheimer Straße“, erklärt Kerler.

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Das sind die Regeln an der Hall of fame in Memmingen

Für die Flächen gilt allerdings ein bestimmter Ehrenkodex: Die bestehenden Kunstwerke dürfen nur mit besseren und anspruchsvolleren Bildern bemalt werden. „Die Künstler müssen deswegen in der Lage sein, ihr eigenes Können einzuschätzen“, sagt der Jugendpfleger. Auch Maximilian Schlegel hat sich dort schon verewigt mit einem großen Drachenkopf. Und in der Zusammenarbeit mit dem Vöhlin-Gymnasium sprüht er das Cover des neuen Hausaufgabenheftes dort auf. „Es ist schade, dass es nur so wenig Flächen zum Sprühen gibt“, bedauert Schlegel.

Graffitis entstehen häufig illegal und unter Zeitdruck - darunter leidet die Qualität

Die meisten Graffiti seien hässlich, weil sie illegal und unter Zeitdruck entstehen. Außerdem gäbe es nicht viele Möglichkeiten zu üben. „Deswegen macht das illegale Sprühen für mich keinen Sinn, ich will ja die beste Qualität für meine Werke haben“, sagt Schlegel. Ohne die Erlaubnis, bestimmte Flächen zu nutzen, sei es schwierig, Fortschritte zu machen.

Maximilian Schlegel Wanted: Maximilian Schlegel ist Graffiti-Künstler aus Memmingen. Das Image seines Hobbys ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Den Drachen findet man in der „Hall of fame“ im Stadtpark.
Maximilian Schlegel Wanted: Maximilian Schlegel ist Graffiti-Künstler aus Memmingen. Das Image seines Hobbys ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Den Drachen findet man in der „Hall of fame“ im Stadtpark.
Bild: Kremer Casaseca

Doch nicht nur für sich selbst, sondern auch für Jugendliche sieht Schlegel in seinem Hobby eine Chance. „Das kann Memmingen attraktiver für junge Leute machen“, sagt er. Man müsse das verstaubte Denken aufbrechen, dass Graffiti nur Vandalismus bedeute, sondern auch die Möglichkeiten für die Verschönerung der Stadt sehen. Ein Beispiel dafür ist die Gestaltung der Wartehäuschen am Busbahnhof, bei der Schülerinnen und Schüler des Vöhlin-Gymnasiums dank einer Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt kreativ sein durften. „Die Bemalung dort schützt präventiv gegen Vandalismus“, meint Andreas Kerler.

Graffiti sei gut für die motorischen Fähigkeiten und die Kreativität

„Zudem schult das die motorischen Fähigkeiten und stärkt die Kreativität“, sagt Maximilian Schlegel. Er fände es auch gut, den Jugendlichen Kurse dafür anzubieten. Ihm mache der Prozess beim Sprühen Spaß – und diesen möchte er weitergeben.

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