Memmingen

"Greenkeeper": Männer, die den Kickern das Feld bereiten

Arena Memmingen, Bilder von Beggel und Schäle bei der Begutachtung des Memminger Rasens

So kann man am besten feststellen, wie weit die Wurzeln des Rasens in den sandigen Boden hinabreichen und ob sie genügend Feuchtigkeit haben. Das Bild zeigt Stadionwart Winfrid Beggel (links) und Sportamtsleiter Jürgen Schäle (rechts) bei einer Stichprobe in der Memminger Arena.

Bild: Kurt Kraus

So kann man am besten feststellen, wie weit die Wurzeln des Rasens in den sandigen Boden hinabreichen und ob sie genügend Feuchtigkeit haben. Das Bild zeigt Stadionwart Winfrid Beggel (links) und Sportamtsleiter Jürgen Schäle (rechts) bei einer Stichprobe in der Memminger Arena.

Bild: Kurt Kraus

Winfrid Beggel kümmert sich mit großer Hingabe um das Grün in der Memminger Fußball-Arena. Warum Sportamtsleiter Jürgen Schäle das auch mit einem weinenden Auge sieht.

Von Kurt Kraus
02.08.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Es tut fast ein wenig weh, wenn Winfrid Beggel (63) mit seinem Spaten in den Rasen der Memminger Fußball-Arena sticht und ein mehr als handtellergroßes Stück heraus stanzt. Dabei gehört dies zu den regelmäßigen Tätigkeiten des Stadionwarts, der so am besten feststellen kann, wie weit die Wurzeln in den sandigen Boden hinabreichen und ob sie genügend Feuchtigkeit haben.

In den vergangenen Wochen konnte er dieser Sache ungestört auf den Grund gehen – denn wegen Corona konnte ja nirgends gespielt werden. Seit rund 20 Jahren ist Beggel für alle 23 Freisportanlagen der Stadt zuständig, also beispielsweise für die Fußballplätze in Amendingen, Dickenreishausen und Steinheim, aber auch für die Stadien an der Bodenseestraße, den Sportplatz des SV DJK Ost an der Haienbachstraße, die Schulsportanlagen des Strigel-Gymnasiums und der Realschulen in der Schlachthofstraße. Stadionwart Beggel ist gelernter Landmaschinen-Mechaniker.

Das findet er passend 

Apropos Stadionwart: Beggel lacht. Er findet die Bezeichnung „Greenkeeper“ passender. Verantwortlich aber ist er nicht nur für die Rasenflächen, sondern auch für die gesamte Technik in der Arena, also auch für die Toiletten, die Lüftung und das Flutlicht. Seine ganz besondere Hingabe aber gehört zweifellos dem Rasen der Arena, auf dem der FC Memmingen seine Heimspiele austrägt. Etwa zehn Stunden Arbeitszeit pro Woche wenden Beggel und seine Mitarbeiter allein für das Fußball-Stadion auf, das unter dem Dach der Tribüne 1001 Sitzplätze bietet und maximal 5000 Zuschauer fassen kann.

Barfuß fühlt sich das Grün an wie ein samtweicher Teppich. Beggel sprüht vor Begeisterung, wenn er über die intensive Pflege des Platzes spricht. Fast glaubt man, jeder einzelne Grashalm liege ihm am Herzen. Die Bewässerung sei in Memmingen wegen des hohen Sand-Anteils etwas schwierig: „Der Platz zieht das Wasser weg wie der Teufel!“ Im Idealfall nämlich sollte sich die Wurzel das Wasser aus der Lehmschicht holen, auf die der Platz aufgebaut ist. Beregnet wird nachts, in der Regel zwischen 22 und 4 Uhr.

Immer wieder gern schaut er sich Fußballspiele der englischen Premier League an und bewundert den Rasen, der da bespielt wird: „Die Engländer, das sind unbändige Füchs’!“ Mindestens zweimal pro Woche werden die Halme dort exakt auf eine Länge von 3,5 Zentimeter gemäht. Dabei wird ein Sichelmäher benutzt, an dem ein Aufnahmegerät für das Grüngut angebracht ist. Das Gerät drückt das Gras in Fahrtrichtung des Mähers. Dadurch entstehen, quer zum Platz, dunklere und hellere Stellen, wie sie auch bei der Fernsehübertragung aus einem Bundesliga-Stadion zu sehen sind. Diese Streifen helfen den Assistenten des Schiedsrichters bei der Entscheidung „Abseits, ja oder nein?“.

Eigentlich sollte man auch in der Arena jeden zweiten Tag mähen, sagt Beggel, „aber das schaffen wir nicht“. Richtig ins Schwitzen kamen er und sein Team, als der FC Bayern München im Juli 2014 zu Gast war. Beggel erhielt vom Deutschen Meister eine ganze Liste mit Maßnahmen, die er umsetzen sollte. Unter anderem durften die Grashalme an diesem Tag nur 2,5 Zentimeter aus dem Boden ragen.

Und was ist, wenn der Platz bei nassem Geläuf von den Kickern mal so richtig umgepflügt wurde? Zuerst einmal werde jede Unebenheit von seinen Mannen und ihm „sauber zugetreten“. Löcher, bei denen die Wurzel nach seiner Einschätzung „nicht mehr anbeißt“, werden von Hand mit Rasensubstrat verfüllt.

Er lächelt – und schweigt

Dann müsse die Stelle vier Tage lang intensiv bewässert werden. Meist beginnt der Samen dann zu keimen. Und nach 10 bis 15 Tagen sei die Stelle in der Regel wieder perfekt geschlossen. Zu achten sei dabei auf die Farbe des Grassamens und einen ganzen speziellen Dünger. Noch Fragen? Beggel lächelt verschmitzt und schweigt.

Vorgesetzter des Stadionwarts ist Jürgen Schäle (31), seit Juni 2019 Leiter des Sportamtes. Beggel: „Des können’s ruhig schreiben: An besseren Chef kann ich mir nicht vorstellen!“ Was zeichnet Schäle aus? Er sei am Sport interessiert und wolle sich mit der Materie wirklich befassen. Beggel: „Das merkt man ihm an!“

Schäle gibt das Lob uneingeschränkt zurück: „Man hört von allen Sportvereinen, dass Winfrid Beggel eine super Arbeit macht. Er sieht die Probleme, er jammert nicht, er löst sie. Da bricht ungeheures Fachwissen weg, wenn er im Oktober in Ruhestand geht.“