Ehrenamt

Was macht eigentlich ein Hüter der Grundstücksgrenzen?

Christof Kastl ist einer von derzeit vier Feldgeschworenen im Memminger Stadtgebiet. Nachwuchs für dieses Ehrenamt wird dringend gesucht. Um etwas mehr Anreiz zu schaffen, haben sich die Mitglieder des städtischen Finanzausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, den Stundensatz für Feldgeschworene von 12,24 auf 15,37 Euro zu erhöhen.

Christof Kastl ist einer von derzeit vier Feldgeschworenen im Memminger Stadtgebiet. Nachwuchs für dieses Ehrenamt wird dringend gesucht. Um etwas mehr Anreiz zu schaffen, haben sich die Mitglieder des städtischen Finanzausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, den Stundensatz für Feldgeschworene von 12,24 auf 15,37 Euro zu erhöhen.

Bild: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen

Christof Kastl ist einer von derzeit vier Feldgeschworenen im Memminger Stadtgebiet. Nachwuchs für dieses Ehrenamt wird dringend gesucht. Um etwas mehr Anreiz zu schaffen, haben sich die Mitglieder des städtischen Finanzausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, den Stundensatz für Feldgeschworene von 12,24 auf 15,37 Euro zu erhöhen.

Bild: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen

Feldgeschworene arbeiten eng mit dem Vermessungsamt zusammen. Sie sind Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung. Nachwuchs wird in Memmingen dringend gesucht.
17.02.2021 | Stand: 08:28 Uhr

Christof Kastl ist mit wachen Augen in den Fluren, Waldgebieten und Straßen der Stadt unterwegs. Seine Aufmerksamkeit gilt kleinen Markierungen und unauffälligen Steinen am Wegesrand. Was andere kaum wahrnehmen, dafür hat Christof Kastl einen erfahrenen Blick. Seit über acht Jahren ist er vereidigter Feldgeschworener der Stadt Memmingen und wacht über Grundstücksgrenzen. Er ist einer von derzeit vier Feldgeschworenen im Stadtgebiet, Nachwuchs wird für dieses Ehrenamt dringend gesucht.

Letzteres betonte auch Oberbürgermeister Manfred Schilder (CSU) in der jüngsten Sitzung des städtischen Finanzausschusses: „Bei den Feldgeschworenen haben wir Nachwuchssorgen.“ Um etwas mehr Anreiz zu schaffen, haben sich die Mitglieder des Ausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, den Stundensatz für Feldgeschworene von 12,24 auf 15,37 Euro zu erhöhen. Dieser Satz wurde zuletzt im Jahr 2012 angehoben. Endgültig beschließen muss die neue Erhöhung der Gesamtstadtrat.

Ehrenamt des Feldgeschworenen in Memmingen: Nachwuchs gesucht

Wer sich für das Ehrenamt eines Feldgeschworenen interessiert, der kann sich per E-Mail unter vermessung@memmingen.de an die Stadtverwaltung wenden. Voraussetzungen sind relative körperliche Fitness, Mobilität mit einem eigenen Kraftfahrzeug und zeitliche Flexibilität. Diese Anforderungen erfüllt Christof Kastl seit vielen Jahren. Ein- bis zweimal im Monat erhält der 70-Jährige einen Anruf vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung: Ein Grundstück muss neu vermessen werden.

In der Regel geschieht das auf Antrag des Eigentümers, erklärt Kastl. Weil das Grundstück geteilt werden oder eine Grenzermittlung erfolgen soll, da der Eigentümer Klarheit über den tatsächlichen Grenzverlauf vor Ort haben möchte. „Der Feldgeschworene hilft den Vermessungsingenieuren bei der Suche nach den Grenzzeichen“, sagt Kastl. Das kann ein Granitstein sein, ein alter Kalkstein, Metall-Messpunkte oder einfache Meißelzeichen, die Auskunft geben über den Grenzverlauf.

Christof Kastl ist einer der Hüter der Memminger Grundstücksgrenzen

Heutzutage überprüfen und bearbeiten Vermessungsingenieure die Grundstücksgrenzen elektronisch, auch mithilfe von GPS – also mit einem satellitengestützten Navigationsgerät. Der Feldgeschworene ist mit dabei und hat ein Auge darauf, dass auch die sichtbaren Grenzmarkierungen koordinatengetreu gesetzt werden. Christof Kastl bringt dafür die besten Voraussetzungen mit. Denn er ist Vermessungsingenieur im Ruhestand und arbeitete früher im Memminger Vermessungsamt.

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Was macht eigentlich ein Feldgeschworener?

„Man braucht neben dem Interesse an der Thematik auch Freude an der Arbeit draußen, denn wir sind bei jedem Wetter unterwegs“, spricht Kastl über die Anforderungen bei diesem Ehrenamt. Und immer wieder mal muss auch ein Erdloch gegraben werden, um Grenzsteine im Boden zu versenken. Im Kofferraum hat Kastl Werkzeug und Grenzzeichen dabei.

Feldgeschworene
Der Feldgeschworene hilft den Vermessungsingenieuren bei der Suche nach den Grenzzeichen. Das kann ein Granitstein sein, ein alter Kalkstein, Metall-Messpunkte oder einfache Meißelzeichen, die Auskunft geben über den Grenzverlauf.
Bild: Alexandra Wehr/Pressestelle MM

Feldgeschworene sind das Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung

„Es ist eine interessante Tätigkeit“, betont der 70-Jährige. „Man lernt das Gelände sehr gut kennen, und es ist auch kommunikativ. Oft kommt man mit Nachbarn der Grundstücke ins Gespräch. Da muss man manchmal auch beruhigend wirken, wenn sich der Nachbar sorgt, was jetzt mit dem Grundstück geplant ist“, erzählt Kastl, der auch Vorsitzender des Bürgerausschusses Amendingen ist. Eigentlich ist er vor allem für seinen Stadtteil zuständig, ist aber im gesamten Stadtgebiet unterwegs. „Je mehr Feldgeschworene es gibt, desto mehr Schultern tragen die Aufgaben.“

Die Aufgaben der Feldgeschworenen, der Hüter der Grenzen, sind seit Jahrhunderten dieselben. Die Wurzeln für das alte Ehrenamt reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. 2016 wurde es ins bundesweite Verzeichnis immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Früher wurde der rechtmäßige Standort eines Grenzsteins von den Feldgeschworenen mit geheimen Zeichen markiert, die tiefer unter den Grenzsteinen in die Erde eingebracht waren. „Ich habe so ein Siebenerzeichen, wie es früher hieß, auch einmal entdeckt. Etwa 20 Zentimeter unter dem Grenzstein waren Tonsiegel eingebracht, die auf die richtige Stelle wiesen“, erzählt Kastl.

Durch moderne Vermessungsmethoden werden geheime Zeichen zur Sicherung des richtigen Standorts für ein Grenzzeichen heute nicht mehr benötigt. Das Ehrenamt aber bleibt. Feldgeschworene sind bis heute wichtig als Bindeglied zwischen der Bürgerschaft und der Verwaltung.

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