Hanf wird bei Memmingen schon angebaut

Hanfanbau im Allgäu: Zukunft durch Cannabis-Legalisierung?

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Die Hanfernte in Aichstetten nahe Memmingen sorgte für Interesse bei vielen Allgäuer Landwirten.

Bild: David Specht

Die Hanfernte in Aichstetten nahe Memmingen sorgte für Interesse bei vielen Allgäuer Landwirten.

Bild: David Specht

Nahe Memmingen wird Hanf seit heuer angebaut. Die Ernte stieß auf großes Interesse in der Region. Warum Landwirte nun auf eine politische Entscheidung hoffen.
18.10.2021 | Stand: 13:38 Uhr

Vereinzelt entdeckt man an den Pflanzen noch die langen, dünnen Blätter, die wie die Finger einer Hand angeordnet und als Motiv auf zahlreichen Stofftaschen, Mützen und T-Shirts zu finden sind. Auf einem Acker in Aichstetten, knapp zehn Kilometer südwestlich von Memmingen, baut Landwirt Wolfgang Mösle seit diesem Jahr Hanf an.

Am Wochenende stand nun die erste Ernte der viel diskutierten Pflanze an. Mehr als 100 Landwirte kamen nach Aichstetten, um sich über Anbau und Verarbeitung zu informieren. Soviel vorab: Berauschen kann der Hanf vom Acker in Aichstetten nicht. Es handelt sich um Nutzhanf, in dem der Wirkstoff THC nur in kleinsten Mengen vorhanden ist.

Allgäuer Unternehmer wollen Hanfanbau attraktiv machen

Mösle baut die Pflanze in Zusammenarbeit mit der Hanfu GmbH an. Diese Firma, die von vier Allgäuer Unternehmern gegründet wurde, möchte mit einem vielfältigen Verarbeitungskonzept alle Teile der Hanfpflanze nutzen und so den Anbau für Landwirte in der Region attraktiv machen.

Mösle selbst ist nach einem halben Jahr Hanfanbau zufrieden mit dem Ergebnis. „Der Acker ist ziemlich frei von Unkraut und der Hanf trotz schwierigen Wetters gut gewachsen“, sagt er. Allerdings seien die Pflanzen mittlerweile überreif. „Wir haben die Erntetechnik nicht früher herbekommen“, sagt er. Schließlich müsse das Erntefahrzeug in der Lage sein, Nüsse, Blätter und Stängel voneinander zu trennen.

Legalisierung von Cannabis könnte Anbau erleichtern

Die Maschine, die über den Acker fährt und genau das kann, stammt vom Lohnunternehmen Karl Krumm aus dem nahen Oberschwaben. In den vergangenen Wochen seien seine Maschinen jedoch in Frankreich, den Niederlanden und im Rest Deutschlands im Einsatz gewesen, sagt Inhaber Hubert Krumm.

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Mit großem Interesse verfolgen die Allgäuer Hanfanbauer auch die Koalitionsverhandlungen in Berlin. Dort steht eine Legalisierung von Cannabis im Raum. Sollte diese kommen, könnte das den Anbau der Pflanze im Allgäu deutlich erleichtern, sagt Christoph Roßner, einer der Gründer der Hanfu GmbH. „Wir hätten dann Zugriff auf deutlich mehr Sorten, könnten den Hanf besser an die Region anpassen und die Landwirte könnten ihr eigenes Saatgut erzeugen.“

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