Nachhaltig und regional im Allgäu

Hörner auf dem Kopf, kein Stress bei der Schlachtung: Hier sind Kühe glücklich bis zum Ende

Tina Rothach und Markus Dodel bei ihrem Allgäuer Braunvieh auf der Weide. Die Hörner bleiben bei den Wiederkäuern dran.

Tina Rothach und Markus Dodel bei ihrem Allgäuer Braunvieh auf der Weide. Die Hörner bleiben bei den Wiederkäuern dran.

Bild: Familie Rothach

Tina Rothach und Markus Dodel bei ihrem Allgäuer Braunvieh auf der Weide. Die Hörner bleiben bei den Wiederkäuern dran.

Bild: Familie Rothach

Bei ihnen stehen die Kühe mit Hörnern auf der Wiese: Familie Rothach ist Teil der Günztal-Weiderind-Initiative. Worauf sie zudem beim Schlachten achten.
14.08.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Wenn Tina Rothach abends nach Hause kommt, ist ihr Arbeitstag noch lange nicht vorbei. Dann heißt es: Ärmel hochkrempeln und ab in den Stall. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation und ihr Freund Markus Dodel betreiben den Weiderindhof Rothach in Hawangen. Die beiden liefern für die Initiative Günztal Weiderind jedes Jahr zwei Ochsen für Fleischpakete.

Projekt mit der Kulturlandschaft Günztal

Das Projekt hat unter anderem Tinas Vater Walter Rothach im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Naturschutzstiftung „KulturLandschaft Günztal“ überlegte man, die Wiesen und Flächen, die im Günztal zur Verfügung stehen, für eine naturnahe Weidewirtschaft zu nutzen. Um die Artenvielfalt und den Erhalt zu fördern, entschieden sich die Initiatoren für die heimische Rinderrasse Allgäuer Braunvieh, da diese auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten steht. Zudem passt sich die robuste Rasse gut den lokalen Gegebenheiten und dem Futterangebot an. Auch andere landwirtschaftliche Betriebe sind Teil der Initiative, wie der Weiderindhof Dorn (Obergünzburg), der Schafroth-Hof (Markt Rettenbach) und der Schochenhof (Ottobeuren).

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„Wir haben hier Mutterkuh-Haltung“, erklärt Rothach. Das bedeutet, viele Kälbchen bleiben bei ihren eigenen Müttern und werden auch nur von deren Milch versorgt. Die Tiere sind draußen auf der Wiese und wachsen dort gemeinsam auf. Aktuell haben die beiden zehn Mutterkühe. „Und wir versuchen das auch ungefähr auf dem gleichen Stand zu halten“, sagt Markus Dodel. Jedes Jahr werden die Kühe im Sommer von einem Stier besamt. Die Kälber werden dann verkauft oder sie bleiben auf dem Hof.

Die ganze Familie packt mit an

Für die 27-Jährige ist es am schönsten, wenn sie ihre Tiere friedlich auf der Weide stehen sieht. Mit der Arbeit ist das Paar aber nicht allein. Gemeinsam mit Mutter Gabi Rothach und Schwester Lisa haben sie nicht nur den Weiderindhof, sondern führen auch eine Pferdepension. Das sei die Haupt-Einkommensquelle der Familie.

„Die Rinder sind eher ein Nebenerwerb. Damit das zum Leben reicht, müssten wir sehr viel mehr Kühe halten, verkaufen und schlachten“, sagt Dodel. Er macht gerade die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich leicht gestiegen, viele Kunden kommen aus der Gegend. „Manchmal fragt mich jemand: ,Wo stehen die Kühe denn, damit ich beim Nachhauseweg vorbeischauen kann?’“, erzählt Tina Rothach. Der nachhaltige und regionale Konsum stehe bei den Verbrauchern immer mehr im Fokus.

Schlachtbox im Test: Wie kann man dem Tier Stress ersparen?

Ein weiterer Punkt, der Rothach zufolge immer wichtiger werde, ist die Art der Schlachtung. „Wir haben im vergangenen Frühjahr eine Schlachtbox ausprobiert, weil wir überlegen, wie wir dem Tier Stress beispielsweise durch den Transport ersparen können.“ Dabei werden die Ochsen darauf trainiert in die Box zu gehen, weil sie dort gefüttert werden. Sie sollen sich so an dieses Umfeld gewöhnen.

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Am Schlachttag werden die Tiere dann durch das Futter betäubt und auf einen Hänger gebracht, wo das Tier geschlachtet wird. „Wichtig ist, dass die Ochsen freiwillig in die Box gehen“, erklärt Rothach. Das Ganze werde gefilmt, damit der Verbraucher – wenn er möchte – sehen kann, dass das Tier nicht gezwungen wurde.

Wegen der Inflation werden die Fleischpakete teurer

Die aktuelle Inflation macht sich auch bei den Rothachs bemerkbar. Aufgrund der Preissteigerungen in allen Bereichen hätten sie zum ersten Mal seit sechs Jahren ihr Preise angehoben. Ein Zehn-Kilogramm-Fleischpaket koste jetzt 200 Euro, davor waren es 180 Euro. Rund 30 Pakete verkaufen sie pro Schlachtung, die zweimal im Jahr stattfindet.

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