Wasserversorgung

Hawangen saniert Trinkwasserquelle

HW-Quelle

Die Trinkwasserquelle der Gemeinde Hawangen bei Stephansried wird nun auf Vordermann gebracht.

Bild: Franz Kustermann

Die Trinkwasserquelle der Gemeinde Hawangen bei Stephansried wird nun auf Vordermann gebracht.

Bild: Franz Kustermann

Bereits vor 13 Jahren hatte das Landratsamt die Gemeinde dazu aufgefordert. Die  Bauarbeiten sollen nun im Dezember starten.
23.09.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Bereits vor 13 Jahren hatte das Landratsamt die Gemeinde Hawangen angemahnt, ihre Trinkwasserquelle nahe Stephansried zu sanieren. Mit einem Kostenaufwand von 2,1 Millionen Euro will die Gemeinde das zukunftsträchtige Projekt nun endlich angehen: Bereits im Dezember soll nach dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderates der Bau beginnen. Ein Jahr später ist der Abschluss der Sanierung geplant. Die Versorgung der Gemeinde mit Quellwasser während der Bauphase soll laut dem planenden Geologen Udo Bosch (Markt Rettenbach) trotzdem durchgängig gewährleistet werden.

Laut Bürgermeister Ulrich Ommer hat das „Riesenprojekt“ eine lange Vorgeschichte: Einem Bescheid des Landratsamtes vom März 2007 zufolge hätte die Quell-Sanierung bereits bis Ende 2014 erfolgen müssen. Die Quellfassung genüge den heutigen Anforderungen nicht mehr. Im Zuge der Maßnahmen soll nun auch die Wasserausbeute „optimiert“ werden. Mehrere Probebohrungen und Baugrunduntersuchungen seien bereits erfolgt, damit man nicht „ins Blaue hineinbaut“, so der Gemeindechef. Das Ergebnis der Voruntersuchungen: Das Vorhaben ist „wirtschaftlich und technisch vertretbar“.

Ausbeute erhöhen

Weil die Gemeinde in dem Bereich nun ein Nachbargrundstück vollständig erwerben konnte, wurde die ursprüngliche Planung noch etwas geändert. Denn damit könne die Wasserausbeute erhöht werden. Um die Baumaßnahmen durchführen zu können, wurden bereits 2018 die Zuwege neu gebaut. Die Kosten will die Gemeinde „kostenrechnend“ von den Wassernutzern über Verbesserungsbeiträge und Gebührenanpassungen wieder hereinholen. Für viele Jahre sei die Trinkwasserversorgung dann auf dem „neuesten technischen Stand“, so Ommer.

Der wesentliche Vorteil dieser „Quelle, die relativ kontinuierlich schüttet“, ist laut Geologe Bosch, dass das Wasser ohne jeglichen Energieaufwand und Steuerung im gesamten Netz verteilt wird. Ein weiterer Vorteil sei, dass der gesamte Bereich, aus dem das Wasser der Quelle zuläuft, bereits als „Schutzgebiet“ ausgewiesen sei und durch die Neufassung und Erweiterung nicht wesentlich verändert werden müsse.

Viele Jahre sei das Projekt verzögert worden, weil Hawangen zwar ein Wegerecht besaß und man mit den Fahrzeugen meist zur Quelle hinunterfahren konnte, vielfach aber nicht mehr ohne Hilfe wieder hinaufkam. Wegen des fehlenden Grundstücks konnte zudem keine vernünftige Fassungszone eingerichtet werden. Die jüngste Quellfassung stamme aus dem Jahr 1960, die damals aus Zementrohren mit Löchern bestand. Und mit Schächten, bei denen man etwa zu Reinigungsarbeiten direkt über dem fließenden Trinkwasser einsteigen musste. Zudem sei nur eine Überdeckung von 1,5 bis zwei Metern vorhanden.

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Quellstränge werden verlängert

Nach dem erfolgten Grundstückskauf könne die Quelle nun so platziert werden, wie es technisch sinnvoll sei: Die bestehenden Quellstränge sollen so verlängert werden, dass in den Randbereichen zusätzliches Wasser erfasst wird. Dazu soll der bisherige Quellstrang ersetzt und ein neuer hinzugebaut werden: Beim Rückbau der alten Quellfassung entsteht gleichzeitig die Baugrube für die neue Fassung. Damit die Quellen getrennt genutzt, gereinigt und eventuell saniert werden können, sollen laut Bosch für die fünf geplanten Quellstränge zwei autark nutzbare Kunststoff-Schächte eingebaut werden. Das Quellwasser läuft in den Quellsträngen durch groben, feinen und keimfreien Filterkies in das Filterrohr. Ein wasserdichter Tondeckel, eine Magerbetonschicht und eine darüber liegende Lehmabdichtung verhindern, dass Oberflächen- beziehungsweise Niederschlagswasser in den drei bis fünf Meter tiefen Graben eindringen kann. Die künftige Quellschüttung schätzt Bosch auf etwa 2,5 Liter pro Sekunde: „Mindestens das, was wir jetzt haben, plus das Wasser aus der Verlängerung.“ Das wären täglich etwa 215 Kubikmeter Wasser. Auf aufwendige Messsysteme will der Sachverständige verzichten: „Der Wasserwart kann die Quellschüttung anhand von Markierungen ablesen.“ Weil keine neue Leitung zur Quelle gebaut wird, könne damit auch keine Leitung für Strom und Steuerungssysteme mit eingebracht werden.