Engagiert für Tiere

Wer mähen will, ruft die Rehkitzretter

MM Kitzrettung

Judith Wintergerst rettet Rehkitze vor dem Mähtod. Gut getarnt liegen die jungen Tiere häufig in der Wiese und rühren sich nicht.

Bild: Wintergerst

Judith Wintergerst rettet Rehkitze vor dem Mähtod. Gut getarnt liegen die jungen Tiere häufig in der Wiese und rühren sich nicht.

Bild: Wintergerst

Kampf gegen den Mähtod: Bevor die Landwirte in Hawangen ihre Wiesen mähen, rufen sie die Rehkitzretter, die dann die Tiere suchen und in Sicherheit bringen.
03.06.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Seit vier Jahren, immer wenn der Frühling kommt, durchstreift Judith Wintergerst die Wiesen rund um Hawangen. „Meine Brüder haben den Jagdschein gemacht. Seitdem sie ein eigenes Revier haben, bin ich als ehrenamtliche Rehkitzretterin dabei“, erzählt sie.

Zusammen mit weiteren Freiwilligen geht sie vor der ersten Mahd landwirtschaftlich genutzte Grünflächen ab, um Rehkitze aus der Gefahrenzone zu holen. Der Nachwuchs der Rehe besitzt noch keinen angeborenen Fluchtreflex und wird durch die natürliche Tarnung fast unsichtbar im hohen Gras.

Rund 92.000 Kitze vom Tod durch Mähwerke betroffen

Tatsächlich gibt es keine gesicherten Zahlen über den Verlust der Jungtiere bei der ersten Grünlandmahd, die genau in die Geburtszeit der Kitze fällt. Die Deutsche Wildtierstiftung geht von vier Rehkitzen auf einhundert Hektar Grünland aus. Mit dieser Berechnung wären in Deutschland rund 92.000 Kitze auf rund 2,3 Millionen Hektar Fläche vom Tod durch Mähwerke betroffen. „Normalerweise bekommt die Geiß zwei Junge, die sie dann entfernt voneinander ins hohe Gras ablegt. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Kitze nicht alleine sind“, erklärt Judith Wintergerst, der diese Art des Tierschutzes sehr am Herzen liegt. In der Regel verlässt die Rehmutter ihre Kitze zwar nach dem Säugen, hat diese aber immer aus sicherer Entfernung im Blick.

Wenn die Wetteraussichten gut sind, wollen die Bauern ihre Wiesen mähen. Dazu müssen sich Landwirte und Rehkitzretter abstimmen. „Bei uns im Dorf klappt das sehr gut. Die Bauern rufen uns vorher an und sagen uns, wann sie mähen möchten. Wir koordinieren dann mit unserer Gruppe den Einsatz. Da kann es schon vorkommen, dass einer morgens und der andere Bauer nachmittags sein Gras einfahren muss“, sagt die Unterallgäuerin, die gerne in der Natur ist.

Achtung auch beim Sport

Das Bewusstsein für die Wildtierrettung hat zwar über die Jahre zugenommen, braucht aber hier nicht nur das Verständnis der Landwirtschaft. „Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten“, sagt Judith Wintergerst und nennt Beispiele: „Beim Sport, beispielsweise mit dem Mountainbike auf den Wegen bleiben, um das Wild nicht zu stören, Hunde an der Leine halten und beim Auffinden eines Kitzes dieses nur angucken, aber auf keinen Falll anfassen.“

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