Hobby

Herrn Hubers hölzerne Schafherde wächst weiter

Bereits im Sommer beginnt Adolf Huber damit, neue Schäfchen für Weihnachtskrippen zu schnitzen. Weil er gelernter Steinmetz ist, hat er seine Krippe aus Stein gebaut.

Bereits im Sommer beginnt Adolf Huber damit, neue Schäfchen für Weihnachtskrippen zu schnitzen. Weil er gelernter Steinmetz ist, hat er seine Krippe aus Stein gebaut.

Bild: Fotos: Josef Diebolder

Bereits im Sommer beginnt Adolf Huber damit, neue Schäfchen für Weihnachtskrippen zu schnitzen. Weil er gelernter Steinmetz ist, hat er seine Krippe aus Stein gebaut.

Bild: Fotos: Josef Diebolder

85-Jähriger aus Daxberg schnitzt die klassischen Krippentiere besonders gern. Aber auch andere Figuren entstehen in seiner Holzwerkstatt.
22.12.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Wie ein Hirte fühlt sich Holzschnitzer Adolf Huber, wenn er auf seine geschnitzte Schafherde blickt. Jetzt, vor Weihnachten, kommen seine Lieblingswerke in Daxberg wieder auf die Weide. Dazu sammelte er wie jedes Jahr im Wald frisches Moos, um seine Weihnachtskrippe zu schmücken.

Und seine Schäfchen stehen nicht nur bei ihm. Auch seine vier Söhne und sechs Enkel wünschten sich solche Schäfchen zu Weihnachten. Deshalb beginnt der 85-Jährige jedes Jahr bereits im Sommer damit, die kleinen Tiere zu schnitzen. Dann geht er in seine nur wenige Quadratmeter große Werkstatt hinter dem Wohnhaus, wo vor einem großen Fenster seine Hobelbank steht. Daneben hängen die Werkzeuge, der Boden ist übersät mit Holzspänen. Ein Holzofen spendet in der kalten Jahreszeit Wärme.

Die Linde ist ideal zum schnitzen

Sein erstes Schnitzwerkzeug bekam Huber vor Jahrzehnten von seiner ersten Frau geschenkt. Seitdem schält er aus grobem Holz Figuren heraus. Natürlich ist jetzt mit 85 Jahren seine Feinmotorik nicht mehr so gut wie in jungen Jahren. Deshalb braucht er nun eben ein bisschen länger für die Figuren. Er fertigt sie am liebsten aus Lindenholz. „Es ist das ideale Schnitzerholz“, sagt Huber. Ganz besonders ist ihm daraus „Der Hörende“ gelungen, findet er: ein Hirte, der beide Hände hinter seine Ohren klemmt und so ganz genau das Geschehen im Stall zu Bethlehem einfangen will und ganz tief das Ereignis der „Heiligen Nacht“ erleben.

Beim Schnitzen lässt Huber zwischendurch immer wieder die Augen aus dem Fenster schweifen, um im Garten die Vögel zu beobachten. Er füttert sie jeden Tag und hat auch schon ein Gedicht über sie verfasst. Er dichtet immer wieder zu besonderen Anlässen. Gerade erst hat er für seine Enkelin Eva ein Weihnachtsgedicht geschrieben.

Aktiv bei den Erkheimer Krippenfreunden

Huber ist aktives Mitglied bei den Erkheimer Krippenfreunden und hat bereits sieben Krippen selbst gebaut. Sie sind großteils aus Stein, weil er gelernter Steinmetz ist, und nehmen die ebenfalls von ihm gearbeitete Heilige Familie auf, umgeben von Ochs und Esel. „Das Kind in Windeln gewickelt, ganz und gar Mensch“ bewegt den gläubigen Katholiken jedes Jahr aufs Neue. Angeregt von der Bundes-KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) überlegt Huber nun, auch eine Person aus seinem Umfeld an die Krippe zu stellen. Sie soll in Corona-Zeiten eine Brücke zur Heiligen Familie bilden.

Er selbst war viele Jahre KAB-Vorsitzender von Erkheim-Günztal, heute ist es sein Sohn. Bis zu diesem Jahr hat Huber außerdem die Tagesgäste der Senioren-Tagespflege „Haus St. Vinzenz“ in Westerheim betreut und dort mit ihnen gesungen. Natürlich steh auch dort eine seine Weihnachtskrippen mit selbstgeschnitzten Figuren. Zudem hat er den Haus-Patron St. Vinzenz Haus aus Holz gemacht.

Als Maurer die Grotte in Daxberg gebaut

Mit seiner kreativen Leidenschaft – ob als Holzschnitzer oder auch als Bildhauer – hat Huber schon einige Spuren in seiner Heimat hinterlassen. Für einen Gottesdienst etwa fertigte er zwei Hände wie eine Schale, ähnlich einer offenen Hand. Schon als junger Mann hat er als Maurer zusammen mit seinem Meister die Grotte in Daxberg errichtet, die er bis heute zusammen mit seiner Frau Karolina pflegt.

In der Nikolauskirche in Daxberg stellt Huber mit Freunden alljährlich zu Ostern das „Heilige Grab“ auf. Das sind Bretterfiguren und eine Bretterkulisse, die vorher lange und schon fast vergessen auf dem Dachboden in der Erkheimer Kirche lagen. Weil der „Auferstandene“ und der im „Grab liegende Jesus“ nicht mehr vorhanden waren, schnitzte Huber beide neu und ließ sie von einem Künstler bemalen.

Jüngst hat Huber einem Freund geholfen, der ein Kruzifix auf einem Müllhaufen gefunden hatte: ein Arm, die Dornenkrone und der Querbalken fehlten. Nun hat er alles ergänzt und lässt es ebenfalls von einem Maler neu fassen.

Doch besonders gern schnitzt er an seinen Schäfchen. Für eine Nichte sind neue Schäfchen bereits in der Weihnachtspost verschickt. Sie gesellen sich jetzt bald zur kleinen Herde in der Weihnachtskrippe.