Memmingerberg

Hitzige Debatte über geplante Wohnanlage

Sehr umstrittenes Bauvorhaben in Memmingerberg

Umstrittene Bebauung am Memmingerberger Schlittenberg: Eine große Wohnanlage soll am Sponellenweg in Richtung A 96 entstehen.

Bild: Armin Schmid

Umstrittene Bebauung am Memmingerberger Schlittenberg: Eine große Wohnanlage soll am Sponellenweg in Richtung A 96 entstehen.

Bild: Armin Schmid

Vor allem die Dimensionen  schrecken einige  Memmingerberger Gemeinderäte ab.

02.08.2020 | Stand: 14:00 Uhr

Eine Bauvoranfrage zu einem größeren Wohnbauprojekt im Bereich des Sponellenwegs in Memmingerberg hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine knapp zweistündige und teils hitzige Debatte ausgelöst. Strittig waren vor allem Anzahl und Ausmaße der geplanten Wohngebäude, die Zufahrtsregelung und das Stellplatzkonzept.

Vor rund 35 Besuchern lenkte Bürgermeister Alwin Lichtensteiger (CSU) den Blick zurück auf eine Gemeinderatssitzung im November 2019. Damals hatte das Ratsgremium die Bauvoranfrage des Immo Team Allgäu einstimmig abgelehnt. Laut Lichtensteiger fand die Dimension der Bebauung mit 36 Wohneinheiten und entsprechend groß dimensionierten Wohngebäuden keinen Anklang. Das Verkehrsaufkommen sowie die Zufahrts- und Parksituation stießen ebenfalls auf Ablehnung. Da damals nicht alle Grundstücke überplant waren, fehlte dem Gemeinderat ein Gesamtkonzept. Der Bürgermeister erläuterte nun, dass die Anregungen mittlerweile in die Planung eingeflossen sind.

Architekt Frank Hofius stellte zwei Planungsvarianten vor. Beide Grundstücke verfügen demnach zusammen über rund 3800 Quadratmeter Fläche. Die erste Variante lehnt sich an die ursprüngliche Planung an und umfasst 36 Wohneinheiten in insgesamt sechs Wohngebäuden. Die Wohnhäuser haben die Maße 16 mal zehn Meter und sollen über zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss verfügen. Mit 73 Stellplätzen, davon 35 in den Tiefgaragen, sind die Vorgaben für die Anzahl der Stellplätze laut Planer erfüllt. Die Zufahrt war bislang durch eine Stichstraße geplant. In der neuen Planungsvariante ist ein Wendehammer vorgesehen. Die Wohnungen selbst sollen bis zu drei Zimmer umfassen, barrierefrei und zwischen 60 und 90 Quadratmeter groß sein.

Reduzierung auf fünf Baukörper

Die zweite Planungsvariante sieht eine Reduzierung von sechs auf fünf Baukörper mit insgesamt 30 Wohnungen vor. Die Wohnhäuser wären in diesem Fall 16 Meter lang und 11,5 Meter breit. Die Anzahl der Stellplätze würde sich auf 68 Parkmöglichkeiten reduzieren. Problematisch ist laut Planer Hofius der beträchtliche Höhenunterschied auf dem geplanten Bauareal. Letztlich müssen fünf Meter Höhendifferenz überwunden werden. Daher kommt es im Zufahrts- und Parkbereich zu Situationen mit 12 bis 15 Prozent Gefälle. Die Erschließungsstraße wird vom Investor hergestellt und dann in den Besitz der Gemeinde übergehen.

Rat Gerhard Hoffmann (Bürgerblock) konnte nicht nachvollziehen, dass in einem Wohngebiet mit vorwiegend Ein- und Zweifamilienhäusern so große Wohnanlagen entstehen sollen. Er erläuterte, dass man einen Bebauungsplan aufstellen, Planungshoheit gewinnen und die Anzahl der Wohnungen begrenzen sollte. Zweiter Bürgermeister Hermann Metzger (Bürgerblock) bekräftigte dagegen, dass die Planung jetzt gut umgesetzt sei. Man müsse sich den Trends anpassen. Klassische Einfamilienhäuser mit 600 Quadratmeter Garten seien nicht mehr so gefragt. Im Trend liegen demnach kleinere, barrierefreie Wohnungen, die eben eine massivere und stärkere Bebauung nach sich ziehen. Metzger meinte, dass die Planung den Vorgaben der Baugesetzgebung entspricht und ihr daher zugestimmt werden kann.

Dörflichen Charakter erhalten

Rat Sascha Mauritz (CSU) fügte an, dass er Bauchweh bei der Planung habe. Die wuchtigen Baukörper entsprächen nicht dem dörflichen Charakter, den man erhalten wolle. Von der A 96 seien die wuchtigen Bauten gut zu sehen. Der Bürgermeister gab zu Bedenken, dass der Bedarf für den Wohnraum vorhanden sei und gedeckt werden könne. „Mit Blick auf die Art der Bebauung fügen sich an der Stelle Vergangenheit und Zukunft zusammen.“ Kritisch wurde teilweise das Verkehrsaufkommen gesehen, das im Sponellenweg deutlich ansteigen könnte. Der Bürgermeister meinte, dass man diese Erfahrung im Bereich der großen Wohnanlage an der Augsburger Straße und dem Roten Schlössle nicht gemacht habe. Rätin Bianca Hofmann (CSU) meinte, dass die kleineren, barrierefreien Wohnungen für Senioren eine gute Option zum Verbleib im Ort darstellen. Ratsmitglied Kurt Haug (Bürgerblock) sprach von einer absolut verdichteten Bauweise, die nicht zum Dorf passe. Er sah eine Reduzierung auf 20 Wohneinheiten als verträglich an.

Im Zuge eines Wortgefechts meinte Rathauschef Lichtensteiger, dass es sich um Flächen im Außenbereich handelt, die nicht zur Disposition stehen. Man dürfe den Grundstücksbesitzern hinsichtlich einer möglichen Bebaubarkeit keine falschen Hoffnungen machen. Gemeinderat Alexander Linse (Bürgerblock) fand es schade, dass der Memmingerberger Schlittenberg dem Bauprojekt zum Opfer fallen wird.

Das Ratsgremium sprach sich letztlich mit 11:6 Stimmen in der Grundtendenz für die Bauvoranfrage und eine Umsetzung der reduzierten Planung aus.