Großprojekt

Hochwasserschutz im Günztal: Kosten schnellen in die Höhe

Hochwasserschutz

Das erste Hochwasserrückhaltebecken des Zweckverbandes „Hochwasserschutz Günztal“ südlich von Eldern (Ottobeuren) ist einsatzbereit.

Bild: Franz Kustermann

Das erste Hochwasserrückhaltebecken des Zweckverbandes „Hochwasserschutz Günztal“ südlich von Eldern (Ottobeuren) ist einsatzbereit.

Bild: Franz Kustermann

Das erste von fünf Rückhaltebecken ist fast fertiggestellt. Warum die Kalkulation deutlich nach oben korrigiert werden muss und wie die nächsten Schritte aussehen.

29.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Sechs Jahre nachdem der „Zweckverband Hochwasserschutz Günztal“ aus der Taufe gehoben wurde, ist das erste Projekt fast vollständig fertiggestellt: Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Eldern ist betriebsbereit. Die Kosten für die geplanten fünf Becken schnellen allerdings bereits beachtlich in die Höhe: Während das Wasserwirtschaftsamt Kempten bei der Planung noch von knapp 60 Millionen Euro ausging, rechnet die Behörde derzeit mit einer Gesamtsumme von über 80 Millionen Euro. Allein die Kosten für das HRB Eldern stiegen von 11,5 auf nun über 17 Millionen Euro.

Das HRB Engetried, das voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren verwirklicht wird, soll statt 9,3 nun 13,3 Millionen Euro kosten. In Frechenrieden, wo an der Schwelk praktisch nur ein Damm und ein Drosselbauwerk erstellt werden müssen, rechnet das Wasserwirtschaftsamt anstelle der geplanten acht Millionen nun mit 11,6 Millionen Euro. Das HRB Sontheim wird sich nach jetzigem Planungsstand von elf Millionen auf 14 Millionen Euro verteuern. Das HRB südlich von Westerheim wird anstelle der ursprünglich kalkulierten 9,3 Millionen 12,1 Millionen Euro verschlingen.

Umplanungen und höhere Baukosten

Wie Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes ausführen, ist die Kostenexplosion hauptsächlich der aktuellen Preissteigerung bei den allgemeinen Bau- und Ingenieur-Kosten geschuldet. Teilweise gab es aber auch kleinere Umplanungen, die der Optimierung des Rückhaltevolumens sowie der Straßen- und Wegeführung dienen.

Beim HRB Eldern etwa fielen neben der allgemeinen Baupreis-Steigerung von rund 30 Prozent vor allem die Entsorgungskosten für Material aus Altlasten mit 550 000 Euro und die Verbesserung des Knotenpunktes, also der Straßen- und Wegeführung, mit einer Kostenmehrung von rund 700 000 Euro ins Gewicht. Die Sicherung einer Fischzucht schlug mit rund 400 000 Euro mehr zu Buche als geplant.

Schon einsatzbereit

In Eldern wurde die Zielgerade bereits erreicht – ein Probestau am HRB ist jedoch nicht vorgesehen. Die umliegenden Photovoltaikanlagen in Eldern werden nun vom Staub gereinigt. Sollten Starkregenereignisse eintreten, ist das Becken bereits einsatzbereit: Mehrere Kameras, Schwimmer und Radarsonden melden mögliche Betriebsstörungen, um die sich ab August der neu eingestellte Betriebsleiter kümmern muss. Bis dahin ist das Wasserwirtschaftsamt für den Probebetrieb verantwortlich.

Offene Fragen zum Bereitschaftsdienst

Ungeklärt ist derzeit noch, wie ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst für die HRB vor Ort verlässlich organisiert und honoriert werden kann. German Fries, Vorsitzender des Zweckverbands, gibt zu bedenken: „Wenn an fünf Becken Einstau ist, kann man davon ausgehen, dass die Feuerwehren auch an anderer Stelle im Einsatz sind.“ Wenn tatsächlich ein Einstau erfolge, sei jedoch eine 24-Stunden-Präsenz der Rufbereitschaft erforderlich, sagt der Ottobeurer Bürgermeister.

Die fünf Einzelprojekte im Überblick:

  • Hochwasser-Rückhaltebecken Eldern: Grundsätzlich ist das Becken einsatzfähig. Im Juli sollen noch die Beweissicherungsmaßnahmen an Straßen und Gebäuden abgeschlossen werden. Vereinbarungsgemäß werden die Photovoltaikanlagen der direkten Anlieger gereinigt.
  • HRB Engetried: Nach öffentlicher Auslegung (ohne Einwände) ist vermutlich kein Erörterungstermin erforderlich. Der Planfeststellungsbescheid wird im September erwartet. Daran schließen sich nach einer Ausschreibung, die auf Ebene der gesamten Europäischen Union (EU) erfolgt, die Vorarbeiten im kommenden Jahr an. Der Bau soll in den Jahren 2022 und 2023 stattfinden. Das in Dammnähe befindliche Kraftwerk wurde wegen eines großen, nicht wirtschaftlich zu behebenden Investitionsstaus stillgelegt.
  • HRB Frechenrieden: Dort wird mit dem Planfeststellungsbeschluss Ende des Jahres gerechnet. Den sukzessiven Umbau des Waldes in einen Auwald organisiert die Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen. Die Ausgaben sollen durch den Holzverkauf gedeckt werden.
  • Ökologischer Ausbau Lauben: Am Zusammenfluss von östlicher und westlicher Günz wurden Feuchtwiesen mit einer Fläche von 3,2 Hektar (2,5 Hektar Überflutungsfläche) als Habitat (Lebensraum) für Störche laut Wasserwirtschaftsamt „nur mit mäßigem Erfolg“ etabliert. Die Lauffläche der Günz wurde dabei verdreifacht. Die 600 000 Euro dafür teilen sich Freistaat und Bund.
  • Babenhausen: Dort wird für den innerörtlichen Hochwasserschutz der Planfeststellungsbeschluss Ende dieses Jahres erwartet.