Millionen-Projekt

Hochwasserschutz im Unterallgäu: Baumaßnahmen sind im Zeitplan

Der Bau des Drosselbauwerks für das Hochwasserrückhaltebecken Engetried liegt voll im Zeitplan; die Erdarbeiten für den Dammaufbau haben bereits begonnen. Dabei stellte sich allerdings der Oberboden als belastet heraus.

Der Bau des Drosselbauwerks für das Hochwasserrückhaltebecken Engetried liegt voll im Zeitplan; die Erdarbeiten für den Dammaufbau haben bereits begonnen. Dabei stellte sich allerdings der Oberboden als belastet heraus.

Bild: Franz Kustermann

Der Bau des Drosselbauwerks für das Hochwasserrückhaltebecken Engetried liegt voll im Zeitplan; die Erdarbeiten für den Dammaufbau haben bereits begonnen. Dabei stellte sich allerdings der Oberboden als belastet heraus.

Bild: Franz Kustermann

Bau von Rückhaltebecken in Engetried, Frechenrieden und Sontheim schreitet voran. Eine unangenehme Überraschung gab es bei Bodenarbeiten in Engetried.
27.03.2022 | Stand: 08:51 Uhr

Der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Engetried (HRB) liegt voll im Zeitplan: Der Geh- und Radweg ist bereits asphaltiert und in Betrieb genommen. Auf der Baustellenumfahrung rollt schon der Verkehr. Das mächtige Durchlass-Bauwerk in der großen, mit Spunden abgegrenzten Baugrube ist schon weit fortgeschritten und zeigt, wie hier eventuell auftretendes Hochwasser wirksam gedrosselt und in dem Becken zurückgehalten wird. Auch wenn eigentlich alles nach Plan verläuft, gab es bei der jüngsten Sitzung des Zweckverbandes Hochwasserschutz Günztal dennoch eine unangenehme Überraschung: Der Oberboden, der bei der Verbreiterung der bestehenden Staatsstraße 2012 anfällt, ist belastet (Z2-Material) und muss ausgetauscht werden.

10.000 Tonnen Boden sind belastet

Laut Stefanie Kienle vom Wasserwirtschaftsamt betrifft dies vermutlich rund 10.000 Tonnen Oberboden. Die Leiterin der Neubauabteilung geht davon aus, dass die Kostensteigerung für den Bodenaustausch „vermutlich rund 100.000 Euro an Mehrkosten“ verursachen wird. Das Erdreich werde abgedeckt zwischengelagert und müsse nochmals beprobt werden. Erst im Anschluss kann das Material abgefahren und deponiert werden.

Auch wenn dies nur die Staatsstraße betrifft: Eine Nachverhandlung der Zweckvereinbarung mit dem Freistaat bezüglich einer höheren Kostenübernahme schließt Kienle aus. Es bleibe bei der anteiligen Kostenvereinbarung zwischen Zweckverband und dem Freistaat. Bei der stichprobenartigen Baugrunderkundung habe man den Umfang der Schadstoff-Belastung sowie den etwas schlechteren als vermutet Untergrund nicht feststellen können – trotz der umfangreichen Untersuchungen, sagte Kienle. Mittlerweile haben die Erdarbeiten für den Rückhaltedamm begonnen. Wenn das Durchlassbauwerk fertig ist, wird dort die östliche Günz hindurch geleitet, ansonsten verläuft das Gewässer in seinem bisherigen Flussbett.

Stadel wird mit Kran versetzt

Beim HRB-Frechenrieden ist die Dammaufstandsfläche bereits gerodet. Ein Stadel, der sich im Baufeld befindet, wurde mit einem Kran angehoben und versetzt. Die Ausführungsplanung schreitet zügig voran, sodass in den nächsten Monaten die Ausschreibung des Stahlwasserbaues erfolgen kann. Sobald die Ergebnisse da sind, wird auch der Hauptbau ausgeschrieben.

Wie Stauwärter Daniel Weber berichtete, hat beim HRB-Sontheim die Entwurfsplanung bereits begonnen. Die Baugrunderkundung wurde durchgeführt. Die Grundwassermessstellen konnten nach einem Treffen mit den betroffenen Landwirten „teilweise in der Lage angepasst“ werden. Beim Dammverlauf hat es aufgrund des Grunderwerbes einige Umplanungen ergeben. Das Rückhaltevolumen wird etwa 2 Millionen Kubikmeter betragen.

Eigenes Büro kümmert sich um Flora und Fauna

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Daniel Weber, der zukünftig einmal pro Woche in seinem eigens eingerichteten Büro des Zweckverbandes erreichbar ist, erläuterte, dass für das HRB Eldern die sogenannte Faunisik (Arbeiten an Vogel-Nistkästen), die Mäharbeiten und die Pflanzarbeiten getrennt ausgeschrieben wurden: Die Faunistik wurde an den „Kenner der Materie“ Josef Schlögel (Babenhausen) bereits vergeben. Bei den Mäharbeiten werden die Unterlagen derzeit geprüft. Sollten wider Erwarten weitere Pflanzarbeiten in den „sich selbst überlassenen Sukzessionsflächen“ erforderlich sein, könne man diese später noch ausschreiben. Laut dem Zweckverbandsvorsitzenden German Fries „wird die Natur selber ihren Teil dazu beitragen“.

Wie Kienle berichtete, sei zwar für jedes einzelne Becken ein naturschutzfachlicher Ausgleich vorgesehen, nach Fertigstellung aller Becken gebe es aber zusätzlich eine „Gesamtbetrachtung aller Ausgleichsmaßnahmen“ des gesamten Projektes. Die damit einhergehenden Veränderungen der Retentionsräume werden jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Becken „angepasst“. Das heißt: Die sogenannten Überschwemmungsflächen in den unten liegenden Gemeinden werden mit der Fertigstellung der einzelnen Becken neu und rechtskräftig berechnet. Beim Becken Eldern sei dies bereits erfolgt und beim Landratsamt eingereicht. Zeitnah nach der Bekanntgabe werde sich dies nun auf die kommenden Bauvorhaben der Unterlieger-Gemeinden auswirken.

Überschuss fließt an Gemeinden zurück

18.328 Euro aus der Jahresrechnung 2021 des Zweckverbands konnten der „allgemeinen Rücklage“ zugeführt werden. Der anteilige Überschuss aus den zu viel erhobenen Umlagen wird bei der nächsten Abrechnung nun den Gemeinden wieder zurücküberwiesen.