Geschichte

Im Bauernhofmuseum Illerbeuren wird jetzt gesägt wie vor 200 Jahren

KB Sägewerk

Mit dem Holzwagen wird der erste Baumstamm zum „Ansägen“ zum Sägegatter hochgezogen. Unser Bild zeigt (von links) Museumsleiter Bernhard Niethammer, Alfons Weber, Simone Zehnpfennig-Wörle, Landrat Alex Eder, Roland Kramer und Helmut Brader.

Bild: Armin Schmid

Mit dem Holzwagen wird der erste Baumstamm zum „Ansägen“ zum Sägegatter hochgezogen. Unser Bild zeigt (von links) Museumsleiter Bernhard Niethammer, Alfons Weber, Simone Zehnpfennig-Wörle, Landrat Alex Eder, Roland Kramer und Helmut Brader.

Bild: Armin Schmid

Das Bauernhofmuseum Illerbeuren hat weitere Attraktion. Das Sägewerk der Familie Gromer stand einst in Hettisried und hatte bis vor kurzem große Bedeutung.
21.09.2021 | Stand: 07:49 Uhr

Sägetechnik und Holzverarbeitung aus früheren Zeiten haben im Schwäbischen Bauernhofmuseum in Illerbeuren eine neue Heimat gefunden. Eine Sägemühle aus Hettisried, die bereits im Jahr 1835 erbaut wurde, hat nun im Freilichtmuseum einen neuen Platz gefunden. Mit einer festlichen Eröffnungsfeier und dem „Ansägen“ ist das Sägewerk nach zwei Jahren Bauzeit nun offiziell in Betrieb genommen worden.

Alfons Weber hob während des Festakts hervor, dass Schwaben eine wasserreiche Gegend sei und dass früher in fast jeder Ortschaft eine Sägemühle gestanden hat. Erfreulich sei es daher, dass mit der Umsiedlung der Sägemühle aus dem nahe gelegenen Hettisried bei Altusried gut erhaltene Handwerkskunst wieder erlebbar wird. Von einem „großen Festtag“ sprach Landrat Alex Eder. Die Säge habe nur überdauern können, weil es auch viele starke Frauen gab, die sich um die Landwirtschaft, den Haushalt und die Kinder kümmerten. Stellvertretend nannte der Landrat Josefa Gromer, die nach dem Tod ihres Vaters auch für die Getreidemühle zuständig war, während sich ihr jüngerer Bruder Alois und das Sägewerk kümmerte. Josefa Gromer ist Teil der Sonderausstellung „Sichtbar gemacht: FrauenGestalten“.

Das Aufstellen der Säge im Bauernhofmuseum Illerbeuren war nicht einfach

„Es ist vollbracht!“, rief Museumsleiter Bernhard Niethammer in die Runde der Festbesucher und fügte an, dass die Säge nicht nur gut aussieht, sondern auch bestens funktioniert. Wenngleich dieses Unterfangen nicht immer leicht gewesen sei. Der Museumsleiter fügte an, dass beispielsweise das Aufstellen und Einrichten der Gattersäge erhebliche Probleme bereitet hatte und viel technischen Sachverstand erforderte. Letztlich sei es nun gelungen, ein Ensemble aus der Frühzeit der Industrialisierung ins Bauernhofmuseum zu integrieren.

Sichtbar werden nicht nur das Gebäude, die Geräte und das Inventar, sondern auch die gesamte Sägetechnik. Laut der Kuratorin Katrin Arens soll den Besuchern Interessantes rund um die Themenbereiche Wasserkraft, Antriebstechnik (Transmission), Stromerzeugung, Sägetechnik und Sägegatter und auch zur Haus- und Familiengeschichte nähergebracht werden.

Ehemalige Besitzer zersägen den ersten Stamm am neuen Standort

Das mit Spannung erwartete „Ansägen“ hat bestens geklappt. Den ersten Baumstamm haben die Vorbesitzer Donat und Alois Gromer aus Hettisried selbst gesägt. Die Geschichte der Säge geht auf die Zeit um 1800 zurück. Die Hofstelle selbst ist schon im 16. Jahrhundert nachgewiesen. Zum landwirtschaftlichen Teil gehörte ursprünglich auch eine Getreidemühle.

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Die Säge, die nun im Bauernhofmuseum steht, wurde 1835 erbaut und war bis zum Jahr 2009 in Betrieb. Obwohl Hettisried nur ein kleiner Weiler ist, lohnte sich die Säge in dem kleinen Ort über viele Jahre hinweg. Für geschäftigen Umtrieb sorgen eine Weinhandlung, eine Molkerei ein Handelsgeschäft und eine Dorfwirtschaft mit Herberge.

Die Technik hielt auch ihren Einzug. Im Jahr 1913 wurde vom Antrieb durch ein Mühlrad auf einen Antrieb durch zwei Turbinen umgestellt, die nun fortan Säge und Mühle versorgten und auch Stromerzeugung möglich machten. Ab 1929 stellte ein Dieselmotor den Betrieb des Sägewerks in Hettisried sicher. 2018 fiel der Beschluss, die Säge ins Bauernhofmuseum zu übernehmen. Der Abbau vor Ort erfolgte ab dem Frühjahr 2019. Im Dezember des gleichen Jahres wurden das Motorenhaus, die Umfassungswände, das Vollgatter mit Fundament und die Antriebstechnik nach Illerbeuren gebracht. Acht Monate nach Fundamentlegung war der Dachstuhl wieder aufgerichtet.

Parallel lief die Inventarisierung. Über 1000 bewegliche Objekte wie alte Auftragsbücher, Sägeblätter bis hin zu Werkbänken und Schaltkästen gingen in die Sammlung des Museums über.

  • Öffnungszeiten des Bauernhofmuseums Illerbeuren: Bis zum 15.Oktober von 9 bis 18 Uhr, vom 16.Oktober bis zur Winterschließung am 30.November von 10 bis 16 Uhr. Montags geschlossen.
  • Weitere Informationen gibt es unter www.bauernhofmuseum.de