Memmingen

Im Stadtwald soll ein Informationszentrum entstehen

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Um den Menschen das Thema Wald näher zu bringen, ist im Memminger Stadtwald ein Informations- und Erlebniszentrum geplant.

Bild: Symbolfoto: Thorsten Jordan

Um den Menschen das Thema Wald näher zu bringen, ist im Memminger Stadtwald ein Informations- und Erlebniszentrum geplant.

Bild: Symbolfoto: Thorsten Jordan

Das Projekt soll die Bevölkerung für den Wald sensibilsieren. Der Memminger Stadtförster Stefan Honold informiert über die ersten Pläne.
07.05.2021 | Stand: 12:08 Uhr

Was tut der Wald für mich? Was bringt mir der Wald? Was braucht der Wald von mir? Antworten auf diese Fragen soll der Bau eines Waldinformations- und Erlebniszentrums (WIEZ) im Memminger Stadtwald liefern: Auf einer flachen Anhöhe zwischen der Autobahnauffahrt A 7 und Dickenreishausen – mitten im Wald gelegen – soll das Zentrum ausführlich über sämtliche Wald- und Naturthemen informieren. Im Mittelpunkt dabei steht, die Bevölkerung für den Wald und alles was damit zusammenhängt zu sensibilisieren. Ein waldpädagogisches Konzept soll das Projekt abrunden. Stadtförster Stefan Honold spricht von einem „spannenden Projekt“.

Zentrum in Memmingen soll bis spätestens 2023 realisiert werden

Das WIEZ steht noch am Anfang der Planungen. Wünschenswert wäre laut Honold eine Realisierung bis spätestens 2023. Ein konkretes Konzept gibt es noch nicht: Angedacht sind neben den Verwaltungs- und Betriebsräumlichkeiten der Städtischen Forstverwaltung ein oder mehrere Räume für wechselnde Ausstellungen zum Thema Wald, Natur, Umwelt, Klimaschutz, Holzbau, Klimawandel oder Jagd. Im angrenzenden Wald sollen ein Spielplatz und Picknickplätze entstehen sowie verschiedene Informations- und Erlebniselemente entlang von Pfaden. Die im Dickenreishauser Wald vorhandenen Bodendenkmäler könnten dabei aussagekräftig integriert werden. Kulturell soll insbesondere die Motorsägen-Schnitzerei eine wichtige Rolle spielen. Der Bienenzuchtverein könnte das Thema „Biene und Imkerei“ präsentieren. Zudem soll ein weiterer städtischer Ganztages-Waldkindergarten in das WIEZ integriert werden. Ein Kursprogramm zu Waldthemen, waldpädagogische Führungen und Workshops sollen das Projekt abrunden. Über die Kosten gibt es nur grobe Schätzungen. Förderungen sind nach Angaben des Stadtförsters voraussichtlich möglich, bislang aber noch nicht beantragt.

Stadtförster hofft auf weniger Müll im Wald in Memmingen

Honold hofft, dass mit dem Informationszentrum auch die illegalen Müllablagerungen im Stadtwald weniger werden. Denn jeden Monat werden an abgelegenen Waldwegen Autoreifen, Hausmüll, Bauschutt, Gartenabfälle, Christbäume, Möbel, ja sogar ganze Einbauküchen entsorgt: Honold untersucht dann den Müll auf Hinweise. Wenn es möglich ist, werden die Ablagerungen zur Anzeige gebracht. Positiv wertet er, dass immer wieder Jugendgruppen oder Kindergärten anfragen, um Müll im Wald zu suchen und wegzuräumen. Ansonsten übernimmt dies das Technische Amt für Umweltschutz.

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Borkenkäfer in diesem Jahr nicht das große Problem

Die hohe Winterfeuchte und der lange Winter lassen laut Honold erwarten, dass der Borkenkäfer heuer kein allzu großes Problem wird. Ganz sicher könne man aber nicht sein, nachdem etwa der Spätsommer 2017 sehr trocken gewesen war und hohe Käferholzmengen bescherte. Aktuell mache die Esche große Probleme. Es gebe immer mehr Altbäume, welche durch Fäule im Stammbereich einfach umfallen: „Unserem Revierleiter ist kürzlich bei schönem Wetter eine starke Esche 30 Meter entfernt plötzlich umgefallen.“ Schon aus Arbeitssicherheitsgründen und Fürsorgepflicht der Forstwirte gegenüber müsse das Fällen von befallenen Eschen forciert werden.

Sturm Sabine hatte große Windwurfflächen im Stadtwald und Dickenreishauser Wald geschaffen, die größtenteils schon wieder bepflanzt sind – mit Baumarten wie Eiche, Linde, Tanne, Buche, Lärche, Nussbaum, Douglasie und Baumhasel. Gepflanzt werden Baumarten, die mit dem jeweiligen Standort zurechtkommen. Die breite Mischung streue das Risiko für die ungewisse Zukunft. Der Förster sagt: „Wir wollen unseren Nachfahren einen gesunden und stabilen Wald hinterlassen und hoffen, mit dieser Strategie erfolgreich zu sein.“ Fichte werde aktiv nicht mehr gepflanzt, sie zähle zu den größten Verlierern im Klimawandel.

Ein weiteres erklärtes Ziel sei, die Wildbestände an den Wald anzupassen. Baumpflanzungen und natürliche Verjüngung sollten in Zukunft weitgehend ohne teuren Verbissschutz und Zäune möglich werden. Dies soll zum einen durch zielgerichtete Bejagung geschehen, zum anderen durch Lebensraumverbesserungen für das Wild wie etwa Ruhezonen, Wildwiesen und -äcker.