Corona-Lockerungen

In den Memminger Kitas wird wieder gelacht

Kita Karoline Goldhofer

Ein völlig unbeschwertes Spielen wie in den Zeiten vor der Corona-Krise (Archivfoto in der Karoline-Goldhofer–Kindertageseinrichtung) ist derzeit noch nicht möglich. Aber immerhin füllen sich die Kitas wieder schrittweise mit Leben.

Bild: Martina Diemand

Ein völlig unbeschwertes Spielen wie in den Zeiten vor der Corona-Krise (Archivfoto in der Karoline-Goldhofer–Kindertageseinrichtung) ist derzeit noch nicht möglich. Aber immerhin füllen sich die Kitas wieder schrittweise mit Leben.

Bild: Martina Diemand

Die Notbetreuung in Kindergärten wurde erweitert. Was das für Erzieherinnen und Kinder bedeutet und warum es noch keinen Normalbetrieb gibt.

02.06.2020 | Stand: 21:59 Uhr

Seit der vergangenen Woche hat der Freistaat die Kita-Notbetreuung erweitert. Nun dürfen wieder alle Vorschulkinder sowie deren Geschwister in den Kindergarten. Zudem durften Großtagespflegen mit maximal zehn Kindern und Waldkindergärten wieder öffnen. Aufgrund dieser weiteren Lockerung sind mittlerweile wieder knapp 40 Prozent der Kitaplätze belegt, berichtet Jörg Haldenmayr, der Referatsleiter für Jugend und Soziales bei der Stadt Memmingen.

Allerdings gelten weiterhin coronabedingte Einschränkungen, die den Alltag im Kindergarten auf den Kopf stellen. Dazu gehören laut Haldenmayr, dass Gruppen und Teams getrennt und Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Dies stellt die Kindergärten vor Herausforderungen: „Je mehr die Belegung steigt, desto schwieriger wird die Umsetzung, da das Personal und die Räumlichkeiten endlich sind“, sagt Haldenmayr. Besonders in den Randzeiten und beim Mittagessen wird es ihm zufolge schwierig, die Gruppentrennung aufrecht zu erhalten.

Kita-Amtsleiter Bernhard Hölzle geht momentan davon aus, dass ausreichend Personal vorhanden ist, um die Situation zu meistern. „Vereinzelt kann es aber zu Engpässen kommen.“ Bekanntermaßen sei die Personalsituation im Bereich der Kindertagesbetreuung schon seit geraumer Zeit schwierig.

Falls Kindergärten an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, muss man Hölzle zufolge darüber nachdenken, entweder das Angebot in den Kitas zu reduzieren oder „gewisse Gruppenüberlappungen in Kauf zu nehmen“. Bezüglich der erlaubten Gruppengröße gibt es vom Freistaat keine generellen Beschränkungen mehr. Noch im März galt die Vorschrift, dass höchstens fünf Kinder in einer Gruppe sein dürfen. „Diese wurde aufgehoben, weil sie nicht mehr realistisch durchzuhalten ist“, erklärt Haldenmayr.

Trotz aller Vorschriften und Maßnahmen: Die Leiterin des evangelischen Kindergartens in Dickenreishausen, Annelene Rothermel-Holl, freut sich darüber, „dass der Kindergarten wieder mit Leben und Lachen gefüllt ist“. 21 von 25 Kindern dürfen nun wieder dorthin kommen. „Die Zeit der Ungewissheit, wann es wie weitergeht, war für die Mitarbeiterinnen sehr belastend“, sagt sie.

Keine Umarmung zur Begrüßung

Noch nicht ganz so viele Kinder dürfen wieder in die Kita Westermannstraße gehen: Sie hat insgesamt 104 Plätze, einschließlich zweier Krippengruppen. Aktuell sind 47 Kinder dort in der Notbetreuung. „Im Vergleich zu früher fehlt Leben im Haus“, sagt die Leiterin Andrea Walzer. „Alle sind vorsichtiger und achtsamer.“ Das fängt schon beim Betreten der Kita an: Eine Umarmung zur Begrüßung ist momentan nicht möglich, sagt Rothermel-Holl. „Für manche Kinder ist dies in der Früh sehr ungewohnt und fremd.“

Die Umsetzung der Hygienemaßnahmen gelingt aber ganz gut: Mit Fingerspielen lernen die Buben und Mädchen das richtige Händewaschen. „Inzwischen sind die Kinder Weltmeister darin“, sagt Rothermel-Holl. Andere Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Abstand halten, sind jedoch schwieriger umzusetzen. „Im Spiel ist Abstand halten unmöglich“, sagt Walzer.

Für die Vorschulkinder ist es dennoch eine gute Sache, dass sie wieder den Kindergarten besuchen dürfen. So können sie sich Rothermel-Holl zufolge wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen und auf die Schule vorbereiten. Auch soll den Kindern ja ein gemeinsamer Abschluss der Kindergartenzeit ermöglicht werden, „hoffentlich mit vielen traditionellen Aktionen, Festen und Gottesdienst“, sagt sie. Doch nicht nur für die Vorschulkinder ist der Kindergarten wichtig: „Für alle Kinder ist die Kita ein großer Erfahrungsschatz“, betont Walzer. Auch Rothermel-Holl hofft deshalb, dass bald wieder alle Kinder kommen dürfen.

Die Kinder, die noch nicht wieder in die Notbetreuung kommen dürfen, sind aber nicht vergessen: „Durch Telefonate, E-Mails und Kindergartenpost halten wir den Kontakt zu allen Kindern und Familien aufrecht“, erzählt Rothermel-Holl. Auch Walzer sagt, dass ihr Team mit allen Familien weiterhin in Kontakt stehe.