Corona-Folgen

Inklusives Café Klatschmohn in Memmingen bleibt weiterhin geschlossen

Das Café Klatschmohn in der Oberen Bachgasse in Memmingen kann wegen der Corona-Pandemie seine Türen weiterhin nicht öffnen.

Das Café Klatschmohn in der Oberen Bachgasse in Memmingen kann wegen der Corona-Pandemie seine Türen weiterhin nicht öffnen.

Bild: Brigitte Hefele-Beitlich

Das Café Klatschmohn in der Oberen Bachgasse in Memmingen kann wegen der Corona-Pandemie seine Türen weiterhin nicht öffnen.

Bild: Brigitte Hefele-Beitlich

Im Café der Lebenshilfe ist zu wenig Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Was passiert mit den Menschen mit Behinderung, die sonst im Café arbeiten?
24.08.2020 | Stand: 05:23 Uhr

Vor fünf Monaten sind mit Beginn des Corona-Lockdowns die Lichter ausgegangen im inklusiven Café Klatschmohn, das die Lebenshilfe in der Oberen Bachgasse in Memmingen betreibt. Und es ist noch immer geschlossen, obwohl die Gastronomie ihre Gäste längst wieder bewirten darf.

Was passiert mit Gutscheinen für das Memminger Café Klatschmohn?

Deshalb klingelt immer wieder das Telefon bei Wolfgang Beuchel, dem Geschäftsführer der Unterallgäuer Werkstätten, der auch für das Café zuständig ist. „Die Leute wollen wissen, wann wir wieder aufmachen, weil sie so gerne zu uns kommen“, sagt er. Einige erkundigten sich aber auch, ob denn ihre Gutscheine, die sie für das Café haben, noch gültig sind. Letzteren kann er versichern, dass die Gutscheine selbstverständlich nicht verfallen. Was allerdings die Wiedereröffnung anbelangt, will Beuchel derzeit keine Aussage treffen. Und das hat mehrere Gründe.

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Zum einen seien die Räume zu klein, um den Cafébetrieb drinnen wieder aufzunehmen. „Wir können die Abstände nicht einhalten“, sagt Beuchel. Außerdem will er seine Mitarbeiter mit Behinderung keinem Gesundheitsrisiko aussetzen. Dazu kommt, dass er sie momentan eher in seinen Werkstätten braucht. Denn dort werden jetzt sogar zusätzliche Zelte und Container aufgestellt, damit genug Platz für die Mitarbeiter ist, um die Aufträge für verschiedene Firmen zu erledigen.

„Seit dem 18. März war der größte Teil unserer Mitarbeiter zu Hause“, erzählt Beuchel. Nun kämen zum einen die Eltern bei der Betreuung an ihre Grenzen. Zum anderen sei es höchste Zeit, die Leute wieder aus ihrer sozialen Isolation heraus zu holen. „Denen fällt die Decke auf den Kopf, die Arbeit fehlt ihnen“, weiß Beuchel. Nach und nach kamen seit Ende April die ersten Mitarbeiter im Schichtbetrieb zurück. Bis Ende August will er alle wieder in die Werkstätten holen – außer den Risikopersonen mit schweren Vorerkrankungen.

Bezirk Schwaben unterstützt Unterallgäuer Werkstätten in Corona-Zeiten

Mit den zusätzlichen Zelten und Containern schafft er die Möglichkeit, mehr Arbeitsgruppen zu bilden als vorher. So können beispielsweise die Wohngruppen unter sich bleiben oder die Externen – und im schlimmsten Fall Infektionsketten besser nachvollzogen werden. „Das verursacht natürlich einige Zusatzkosten“, sagt Beuchel. Der Bezirk Schwaben unterstütze die Unterallgäuer Werkstätten dabei jedoch.

Mit anpacken sollen in den Werkstätten dann auch die zehn bis zwölf Frauen und Männer mit Behinderung, die sonst im Café Klatschmohn die Speisen und Kuchen zubereiten oder servieren. Sechs Angestellte halten mit ihnen den Laden am Laufen, in dem es auch Dekoartikel zu kaufen gibt. Der kleine Betrieb erlebt seit seiner Eröffnung im Mai 2017 mitten in der Stadt einen regelrechten Ansturm. Davor, ab April 2011, befand sich das Café in der Gärtnerei der Unterallgäuer Werkstätten an der Bodenseestraße.

Gut verkauft haben sich im Klatschmohn von Anfang an auch Geschenkgutscheine. „Momentan sind welche im Wert von fast 10 000 Euro im Umlauf“, sagt Beuchel. „Das ist ärgerlich für die Besitzer, aber ich kann ihnen versichern, sie behalten ihre Gültigkeit auf jeden Fall.“

Gelebte Inklusion

Denn auch wenn das Café wegen der Corona-Pandemie noch auf unbestimmte Zeit geschlossen bleibe, stehe außer Frage, dass dort wieder Gäste bewirtet werden. Denn für die Lebenshilfe ist es ein wichtiger Ort gelebter Inklusion. „Es kommt sehr gut an als Ort der Begegnung von behinderten und nicht behinderten Menschen und ist für uns eine tolle Öffentlichkeitsarbeit“, betont Beuchel.