Memmingen

„Können wieder in die Felder, ohne uns zu ekeln“

MM LKW-MÜLL

MM LKW-MÜLL

Bild: David Specht

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Bild: David Specht

Verschmutzung Im Frühjahr ließ die Stadt im Gewerbegebiet Nord probeweise drei Toilettenhäuschen für wildpinkelnde Lastwagenfahrer aufstellen. Daraus soll nun eine dauerhafte Lösung werden
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Von David Specht
19.11.2019 | Stand: 16:22 Uhr

„Es ist besser geworden und wir lassen das auch weiterlaufen“, sagt Michael Haider. Als Wirtschaftsförderer der Stadt kümmert er sich unter anderem um das Gewerbegebiet Nord in Memmingen – und eben auch um dessen Probleme. Die Stelle, die Haider und anderen Bürgern immer wieder Ärger bereitet, zählt eigentlich zu den schöneren Gebieten des Gewerbegebiets. Der Obere Buxheimer Weg grenzt im Norden an eine Thuja-Plantage. Neben der gut ausgebauten Straße wachsen kleine Bäume in die Höhe, auf dem schmalen Gehweg Richtung Steinheim schlendern zahlreiche Spaziergänger mit ihren Hunden zwischen Äckern entlang.

Doch dort, wo diese Äcker an das Gewerbegebiet grenzen, fangen die Probleme an: Alte Schuhe, Papierfetzen und Plastikflaschen liegen auf der Erde. Lastwagenfahrer, die auf dem Randstreifen ihre Pausen machen, hinterlassen dort ihren Müll und ihre Notdurft. Im Frühjahr reagierte die Stadt und stellte probeweise zusätzliche Mülleimer und drei mobile Toiletten auf.

Das Memminger Unternehmen Kutter-Pflanzen baut am Oberen Buxheimer Weg Thujen an. Bevor die Stadt dort Dixi-Klos aufstellte, nutzten einige Lastwagenfahrer den Schutz der Bäume, um ihre Notdurft zu verrichten. „Das hat sich auf alle Fälle verbessert. Man muss es aber weiter im Auge behalten“, sagt Thomas Guntermann von Kutter. Er sei in den vergangenen Monaten mehrmals selbst vor Ort gewesen und habe auch von seinen Mitarbeitern keine Beschwerden mehr gehört. „Wir können wieder in die Felder, ohne uns zu ekeln“, betont Guntermann.

Ganz weg sei der Müll allerdings nicht. „Zum Teil quellen die Abfalleimer über. Dann fliegt der Müll auf das Feld“, erzählt Guntermann. Vielleicht könnte man die Eimer noch öfter leeren, schlägt er vor. Das geschieht derzeit zweimal wöchentlich. „Die Eimer sind immer fast voll“, sagt Markus Geikl, Leiter des städtischen Bauhofs. Auf dem Straßenstück, das an die Plantage grenzt, parken die Lastwagen auf der Straßenseite, auf der auch die Abfalleimer stehen. Das ändert sich, wenn die Straße Richtung Teramostraße abbiegt. Dort stehen die großen Fahrzeuge auf der gegenüberliegenden Straßenseite von Gehweg und Mülleimern. Die Folge: Handschuhe, Einwegbecher und Ketchuptütchen liegen im angrenzenden Acker.

„Da wo das Fahrzeug steht, wird der Müll hingeschmissen. Da sind teilweise zehn Meter zum nächsten Mülleimer schon zu weit“, sagt Geikl. Insgesamt verschmutzt jedoch sichtbar weniger Müll als noch im Frühjahr den Acker. Dass zusätzliche Mülleimer die Situation weiter verbessern, glauben Haider und Geikl nicht.

Ähnliches gelte für die drei mobilen Toiletten. „Wenn wir sie weiter auseinander aufstellen, wäre das kritisch“, meint Haider. Zusätzliche und besser verteilte Toiletten „wären zwar schön, aber das steht für mich in keiner Relation zu den Kosten“, sagt er. Die drei Dixis kosten seiner Aussage nach einen niedrigen vierstelligen Betrag im Jahr. Mit einem biologischen Frostschutzmittel könne man die Toiletten auch im Winter weiter benutzen.

„Das ist ein Versuch, den Lkw-Fahrern das Nötigste kostenlos anzubieten“, sagt Haider. Ein kostenpflichtiger Autohof ist seiner Meinung nach keine Alternative: „Die werden zwar angenommen, aber nicht von denen, die derzeit hier stehen.“

Ein Lastwagenfahrer aus der Region sieht das anders. Er habe beruflich häufig im Gewerbegebiet zu tun. Dass es an einem Industriestandort wie Memmingen nur drei Toilettenhäuschen gebe, sei eine „granatenmäßige Sauerei“. Sein Vorschlag: „Wieso tun sich Stadt und Speditionen nicht zusammen und bauen einen Autohof, wo man sich auch mal waschen kann?“ Die Dixi-Toiletten seien zudem teilweise in einem katastrophalen Zustand. Bei seinem letzten Besuch sei das Klo verdreckt, das Papier aus und das ganze Häuschen sogar schief gestanden. „Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Leute einen Haufen in die Wiese setzen“, sagt er.

Laut Haider werden die Klos einmal pro Woche gereinigt. Dass eines einmal verdreckt sei, könne durchaus mal passieren. „So wie der Vorgänger sie hinterlässt, so sehen sie dann halt bis zur nächsten Reinigung aus.“